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Naturpapier und Recyclingpapier sind ungestrichene Papiersorten mit fühlbarer Faseroberfläche – charakterstark, gut bedruckbar und besonders im hochwertigen Editorial- und Nachhaltigkeits-Bereich beliebt.

Rubrik: Drucktechnik · Unterrubrik: Papier-Materialien · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Offset-Naturpapier, Eco-Papier, ungestrichenes Papier, uncoated paper

Was ist Naturpapier & Recyclingpapier?

Naturpapier ist Druckpapier ohne Pigment­strich – die Faseroberfläche bleibt sichtbar und fühlbar. Recyclingpapier besteht ganz oder teilweise aus Altpapier­fasern. Beide Sorten unterscheiden sich grund­legend von gestrichenen Bilderdruck­papieren: Sie wirken matter, saugen Farbe stärker auf und vermitteln einen wertigen, oft nachhaltigen Eindruck.

Erklärung

In der Papierindustrie wird zwischen gestrichenen und ungestrichenen Sorten unterschieden. Naturpapier ist die zentrale Familie der ungestrichenen Druck­papiere. Es wird aus Frischfasern (Zellstoff aus Holz oder Gras) und/oder Recycling­fasern gefertigt und kann glatt, satiniert, vorgekalandert oder strukturiert ausgerüstet sein. Bekannte Beispiele sind Munken Lynx, Munken Pure, Fly 05, Olin, Lessebo Design, Curious Skin oder die LuxPack-Linien.

Recyclingpapier definiert sich über den Altpapier­anteil. Reine Recyclingpapiere wie Circle Offset Premium White, Circleoffset Premium Snow, Vivus 89 oder das deutsche Enviro Top bestehen zu 100 % aus Altpapier, gebleicht ohne Chlor. Der Blaue Engel (RAL-UZ 14) und das EU Ecolabel sind die zentralen Umwelt-Siegel. Frühere Schwächen (Graustich, schlechter Druck) sind technisch weitgehend gelöst: Hochwertige Recyclingpapiere erreichen heute Weiße­grade um 80–95 % CIE und bedrucken sich nahezu wie Frischfaser-Naturpapiere.

Beim Druck verhalten sich Naturpapier und Recyclingpapier ähnlich: Farbe trocknet durch Wegschlagen in die Faser, was zu Punktzuwachs (Tonwert­zuwachs) führt – Profis kompensieren das in der Druckvorstufe via ICC-Profile (z. B. PSO Uncoated v3 nach ISO 12647-2). Der Farbumfang ist kleiner als auf Bilderdruckpapier, dafür wirken Töne weicher und der Kontrast ist „natürlicher". Vollflächen sehen lebendiger, aber weniger satt aus als auf gestrichenem Material.

Beispiele

  • Munken Lynx Rough: Premium-Naturpapier mit deutlicher Haptik – Standard für Künstlerbücher und Editorial.
  • Circle Offset White 100 %: Recycling-Papier in „white" – kommt visuell sehr nahe an Naturpapier-Weiß heran.
  • Enviro Top 100 % Recycling: Klassiker für Geschäfts­ausstattung und Berichte mit Nachhaltigkeits­anspruch.
  • Fly 05 Crema: Cremefarbenes Naturpapier mit hohem Volumen – ideal für Romane und Sachbücher.
  • Olin Smooth Absolute White: Glatt­satiniertes Naturpapier, vereint Premium-Optik mit Eco-Aspekt.
  • Curious Skin: Strukturiertes Designerpapier – beliebt für Einladungs­karten und Verpackungen.

In der Praxis

Designer wählen Naturpapier, wenn Drucksachen wertig, ruhig und „echt" wirken sollen – Geschäfts­berichte, Kunstkataloge, Magazine wie Brand Eins oder Migros-Magazin. Im Datenhandling muss man die größere Punktzuwachs­kennlinie ein­planen und im Layout farbintensive Vollflächen sparsam einsetzen. Beim Druckauftrag klar kommunizieren: PSO Uncoated v3 oder ISO PSO Uncoated als Soll-Profil, Gesamt­farbauftrag (TAC) typischerweise auf 300 % begrenzen. Auch die Veredelung ist eingeschränkt – Hochglanz-Lacke sehen auf Naturpapier seltsam aus, dafür passen Blindprägung, Heißfolie und partielle Soft-Touch-Lackierung sehr gut. Kostenseitig liegen Premium-Naturpapiere etwa 30–80 % über Standard-Bilderdruck.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalNaturpapierRecyclingpapierBilderdruckpapier
StrichNeinNeinJa (gestrichen)
FaserquelleFrischfaserAltpapierFrischfaser
HaptikFühlbarFühlbarGlatt
FarbumfangMittelMittelHoch
Eco-FaktorMittel–HochHochNiedrig
PunktzuwachsHochHochNiedrig

Häufige Fragen (FAQ)

Wie unterscheide ich Naturpapier und Recyclingpapier? Naturpapier kann aus Frischfasern oder Recycling-Material bestehen – der Begriff bezeichnet primär die ungestrichene Oberfläche. Recyclingpapier definiert sich über den Altpapier­anteil und ist meist (aber nicht zwingend) ungestrichen. Es gibt also Naturpapiere, die zugleich Recyclingpapiere sind.

Lassen sich Farbfotos auf Naturpapier hochwertig drucken? Ja, aber mit anderem Charakter. Fotos wirken zurück­haltender, mit weicheren Kontrasten und matter Oberfläche. Hautfarben und Vollton-Schwarz erfordern gezielte Bildbearbeitung. Für plakative Werbefotografie ist Bilderdruck weiterhin überlegen, für Editorial und Reportage ist Naturpapier oft die ästhetisch bessere Wahl.

Weiterführend

  • Bundesverband Druck und Medien (2024): Materialkunde Papier. bvdm-online.de
  • Arctic Paper (2024): Munken Design Guide. arcticpaper.com
  • Blauer Engel (2024): RAL-UZ 14 Recyclingpapier. blauer-engel.de
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