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Mode-Produktfotografie ohne Model zeigt Kleidung und Accessoires entweder durch die Ghost-Mannequin-Technik (Kleidung auf unsichtbarem Mannequin) oder als Flatlay (von oben auf flacher Fläche), um E-Commerce-Plattformen mit effizienten, hochwertigen Produktbildern zu beliefern.

Rubrik: Fotografie · Unterrubrik: Produktfotografie · Niveau: Einsteiger


Was ist Mode-Produktfotografie?

Millionen Kleidungsstücke werden täglich im E-Commerce verkauft — und fast jedes Stück braucht professionelle Produktbilder. Mode ist nach Consumer Electronics das umsatzstärkste E-Commerce-Segment und gleichzeitig das schwierigste für Produktfotografie: Stoff ist weich, fällt je nach Körperform anders, und ein flaches Foto zeigt nie, wie das Stück am echten Körper wirkt.

Die Lösung: Ghost-Mannequin oder Flatlay. Beide Techniken liefern skalierbare, konsistente Produktbilder ohne teures Model-Shooting.


Erklärung

Ghost-Mannequin-Technik

Der Ghost Mannequin (auch: Hollow Man, Invisible Mannequin) ist eine Retusche-Technik, bei der ein Kleidungsstück auf einem Mannequin fotografiert und das Mannequin anschließend in der Nachbearbeitung entfernt wird. Das Ergebnis: Die Kleidung sieht aus, als würde sie von einem unsichtbaren Körper getragen — dreidimensional, mit natürlichem Fall und erkennbarer Körperform.

Vorgehen Ghost Mannequin:

  1. Aufnahme mit Mannequin: Kleidungsstück auf Mannequin anziehen, bügeln/dämpfen für faltenfreien Look. Frontale Aufnahme auf weißem Hintergrund.
  2. Aufnahme des Innensäums: Kleidungsstück vom Mannequin nehmen, umdrehen und von innen fotografieren. Der sichtbare Innensäum (Kragen, Ärmelbündchen) wird für die Montage benötigt.
  3. Retusche in Photoshop:

- Mannequin via Clipping/Maske entfernen - Innensäum-Aufnahme einblenden und an Kragen/Ärmeln ergänzen - Hintergrund bereinigen, Falten retuschieren - Ergebnis: schwende, körperbetonte Kleidungsdarstellung ohne sichtbares Mannequin

Geeignete Mannequins:

  • Spezielle Ghost-Mannequins mit abnehmbaren Teilen (Hals, Schultern, Ärmel)
  • Günstigere Variante: Standard-Mannequin, Hals und Schultern in Retusche entfernen
  • Modulare Mannequins für verschiedene Kleidungsarten

Flatlay für Kleidung

Beim Flatlay wird Kleidung auf einer ebenen Fläche ausgebreitet und von oben fotografiert. Details zur Flatlay-Technik allgemein: Flatlay-Fotografie: Styling & Komposition

Besonderheiten bei Kleidungs-Flatlay:

  • Bügeln/Dämpfen: Kleidung muss absolut knitterfrei sein — jede Falte ist im Overhead-Shot sichtbar
  • Stecken und Formen: Kleidung wird mit Stecknadeln, Klebeband (Doppelklebeband unten am Stoff) und kleinen Schaumstoffstücken in Form gehalten
  • Styling: Kragen aufklappen, Ärmel ausrichten, Schleifen formen — jeder Zentimeter muss sorgfältig gestylt werden
  • Sysmmetrie: Bei Symmetrie-Outfits (T-Shirts, Jacken): streng spiegelachsengerecht ausrichten

Vorteile Flatlay:

  • Kein Mannequin nötig
  • Schnell für einfache Teile (T-Shirts, Blusen, Hosen)
  • Gut für Layering-Looks (mehrere Teile übereinander)
  • Niedrige Kosten

Nachteile Flatlay:

  • Zeigt Passform nicht
  • Weniger überzeugend für 3D-Cuts (Blazer, Kleider)
  • Aufwändiges Styling für Top-Ergebnisse

Licht für Mode-Produktfotografie

Ghost-Mannequin-Ausleuchtung:

  • Gleichmäßiges, weiches Frontlicht — keine harten Schatten
  • Key Light vorne leicht seitlich (30°), Fill Light gegenüber oder Reflektor
  • Hintergrundlicht separat auf weißen Hintergrund
  • Kein hartes Licht, das Stofftexturen zu stark betont

Flatlay-Ausleuchtung:

Kleidungstypen und Techniken

KleidungstypEmpfohlene TechnikBesonderheit
T-Shirts, PolosFlatlay oder GhostEinfachste Kategorie
Hemden, BlusenGhost (bevorzugt)Kragen-Detail wichtig
Jacken, BlazerGhost3D-Silhouette entscheidend
KleiderGhost + RockunterteilVolumen zeigen
HosenGhost oder FlatlayPassform wichtig
UnterwäscheGhost-Body + FlatlayDelikat: passende Puppe
AccessoiresFlatlay oder PackshotProps erlaubt

Nachbearbeitung Mode

Für Ghost-Mannequin-Bilder:

  • Mannequin-Entfernung via Maske und Ebene
  • Innensäum einblenden (Kragen, Ärmelbündchen)
  • Hintergrundbereinigung
  • Faltenretusche (dezent — natürliche Drapeierung erhalten)
  • Farbkalibrierung: Farbechte Wiedergabe ist bei Kleidung besonders wichtig

Für Flatlay-Bilder:

  • Perspektivkorrektur (Kamera war nicht 100 % senkrecht?)
  • Stecknadelspuren retuschieren
  • Gleichmäßige Helligkeit des Hintergrunds

Details: Nachbearbeitung für Produktfotos: Retusche, Clipping


Beispiele

Weißes Hemd (Ghost Mannequin): Hemd auf Mannequin, weiß auf Weiß — gleichmäßige Ausleuchtung mit doppeltem Schlagschatten. Mannequin retuschiert. Kragen steht auf, Knöpfe geschlossen, Ärmel natürlich fallend. Für Herrenmoden-Shop.

Denim-Jacke (Flatlay): Jacke flach auf hellgrauem Hintergrund, Ärmel leicht geöffnet nach unten, Kragen aufgestellt, Taschen leicht geöffnet. Von oben fotografiert, gleichmäßiges Licht. Zusatz: Jeans darunter für Look-Komposition.

Sommerkleid (Ghost Mannequin + Retusche): Kleid auf Ganzfigur-Mannequin, Rock fällt natürlich, Oberteil anliegend. Nach Retusche: Mannequin unsichtbar, natürliche Silhouette. Hintergrund leicht hellgrau statt reinweiß für weichere Optik.


In der Praxis

Skalierung für Massenproduktion

E-Commerce-Händler mit hunderten Produkten brauchen effizienten Workflow:

  1. Fester Set-Aufbau: Kamera nicht bewegen zwischen Aufnahmen
  2. Mannequin-Markierungen: klare Positionsmarkierungen auf dem Tisch
  3. Beleuchtung konstant: einmal einstellen, nicht mehr anpassen
  4. Batch-Retusche: Lightroom-Voreinstellungen und Photoshop-Actions
  5. Export-Voreinstellungen: plattformgerechte Größen automatisch

Kosten Überblick

MethodeAufwandKosten EinmaligKosten Pro Bild
Model-ShootingSehr hochModell, Location50–200 €
Ghost MannequinMittelMannequin 50–300 €15–50 €
FlatlayGeringStative, Props5–20 €

Vergleich & Abgrenzung

Ghost MannequinFlatlayModel
Passform sichtbarGutNeinSehr gut
ProduktionskostenMittelGeringHoch
SkalierbarkeitHochSehr hochGering
Lifestyle-WirkungGeringMittelHoch
E-Commerce-StandardJaJaEmpfohlen

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Ghost Mannequin schwer zu retuschieren? Mit etwas Übung in Photoshop gut erlernbar. Die Technik ist klarer Prozess: Mannequin maskieren, Innensäum einsetzen. YouTube-Tutorials gibt es zahlreich.

Welcher Mannequin-Typ ist der beste? Für den Einstieg ein günstiger weißer Mannequin ohne Kopf (ca. 50–100 €). Für professionelle Ergebnisse: modulare Ghost-Mannequins mit abnehmbaren Schultern, Armen und Hals (150–400 €).

Wie vermeide ich Knitterfalten im Flatlay? Kleidung direkt vor dem Shooting bügeln oder dämpfen (Dampfbügeleisen oder Dampfer). Stoff unter Spannung halten mit Stecknadeln oder doppelseitigem Klebeband.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Sheppard, Rob: Photographing Products. Amherst Media, 2016.
  • Johnson, Neil: Product Photography. Rocky Nook, 2015.
  • Amazon Seller Central: Image Requirements for Apparel. Amazon, 2024.
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