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Branding ist der strategische Prozess, durch den ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Person eine unverwechselbare Identität aufbaut, die in den Köpfen der Zielgruppe ein konsistentes Bild erzeugt.

Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Branding · Niveau: Fortgeschritten


Was ist Branding?

Branding bezeichnet die Gesamtheit aller Maßnahmen, die darauf abzielen, eine Marke im Bewusstsein einer Zielgruppe zu verankern. Es geht dabei weit über das bloße Entwerfen eines Logos hinaus. Branding ist ein strategischer, psychologischer und kommunikativer Prozess, der bestimmt, wie ein Angebot wahrgenommen, bewertet und erinnert wird.

Der Begriff leitet sich vom altnordischen „brandr" ab – dem Brandzeichen, mit dem Viehzüchter ihr Eigentum kennzeichneten. Im modernen Marketing hat Branding diese ursprüngliche Bedeutung zur strategischen Differenzierungsarbeit ausgeweitet.


Erklärung

Die drei Kernbegriffe: Marke, Logo, Corporate Design

Diese drei Begriffe werden im Alltag häufig synonym verwendet, bezeichnen aber grundlegend verschiedene Ebenen:

Marke (Brand) Die Marke ist das Gesamtbild, das Menschen von einem Unternehmen, Produkt oder einer Person haben. Sie existiert nicht auf Papier oder Bildschirm, sondern im Kopf der Konsumenten. David Ogilvy definierte Marke als „the intangible sum of a product's attributes" (Ogilvy 1985). Eine Marke umfasst Assoziationen, Gefühle, Erwartungen und Erfahrungen. Apple ist nicht nur ein Computerunternehmen – Apple steht für Kreativität, Design-Exzellenz und eine bestimmte Lebenshaltung.

Logo Das Logo ist das visuelle Symbol, das stellvertretend für die Marke steht. Es ist ein Teilaspekt des Corporate Designs. Ein Logo kann eine reine Wortmarke sein (z. B. Coca-Cola), ein Bildzeichen (Nike Swoosh), eine Kombination aus beidem oder ein Emblem (Harley-Davidson). Das Logo ist nicht die Marke – es ist ihr sichtbarster Ausdruck. Ein neues Logo ändert nicht die Marke; es verändert allenfalls ihre visuelle Repräsentation.

Corporate Design (CD) Das Corporate Design ist das vollständige visuelle Erscheinungsbild eines Unternehmens. Es umfasst neben dem Logo auch Farben, Typografie, Bildsprache, Formensprache, Layouts und alle weiteren visuellen Elemente. Das Corporate Design ist in Brand Guidelines dokumentiert und regelt, wie alle visuellen Elemente konsistent einzusetzen sind. Es ist ein Teil der Corporate Identity.

Corporate Identity (CI)

Die Corporate Identity ist das Selbstbild eines Unternehmens – seine Gesamtpersönlichkeit. Sie gliedert sich in mehrere Dimensionen:

  • Corporate Design (CD): Visuelles Erscheinungsbild
  • Corporate Communication (CC): Sprache, Tone of Voice, Kommunikationsstil
  • Corporate Behaviour (CB): Verhalten gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Gesellschaft
  • Corporate Culture (CC): Gelebte Werte, interne Unternehmenskultur

Branding ist der aktive Prozess, diese Identität zu gestalten, zu kommunizieren und zu pflegen.

Das Markenversprechen (Brand Promise)

Jede starke Marke basiert auf einem klaren Markenversprechen: Was kann die Zielgruppe von der Marke immer und zuverlässig erwarten? Das Markenversprechen von FedEx war jahrzehntelang implizit: „Overnight delivery, absolutely, positively." Es war nicht nur ein Slogan, sondern eine operative Verpflichtung.

Warum Branding wichtig ist

Konsequentes Branding schafft Wiedererkennung, Vertrauen und emotionale Bindung. Marken mit starker Identität können höhere Preise durchsetzen (Premiumpreisbildung), binden Kunden stärker und sind widerstandsfähiger in Krisenzeiten. McKinsey & Company zeigen in der „Brand Premium"-Studie, dass starke Marken ihren Wettbewerbern beim Umsatzwachstum um durchschnittlich drei Prozentpunkte jährlich überlegen sind (McKinsey 2020).


Beispiele

Nike: Das Branding basiert nicht auf Produkteigenschaften, sondern auf dem Versprechen menschlicher Leistung und Selbstüberwindung. „Just Do It" kommuniziert eine Haltung, kein Produkt.

IKEA: Demokratisches Design trifft schwedische Werte. Das Branding verbindet funktionales Möbeldesign mit Zugänglichkeit, Nachhaltigkeit und einem unverwechselbaren Ton.

Patagonia: Hier wird Branding zur Positionierung gegenüber gesellschaftlichen Werten. Die Marke kommuniziert konsequent Umweltverantwortung – nicht als Marketing-Add-on, sondern als Kernidentität.


In der Praxis

Branding beginnt nicht mit dem Designbriefing, sondern mit strategischen Grundfragen:

  1. Wer sind wir? — Werte, Mission, Vision, Persönlichkeit
  2. Für wen sind wir da? — Zielgruppen-Definition und Verständnis
  3. Was unterscheidet uns? — USP und Markenpositionierung
  4. Wie kommunizieren wir? — Sprache, Ton, visuelle Sprache

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, beginnt die visuelle Gestaltungsarbeit. Das Logo ist das Ergebnis strategischer Arbeit, nicht ihr Ausgangspunkt. Designer, die direkt mit der visuellen Umsetzung beginnen, ohne Strategie, riskieren ästhetisch ansprechende, aber bedeutungsleere Ergebnisse.


Vergleich & Abgrenzung

BegriffWas es istWo es existiert
Marke (Brand)GesamtwahrnehmungIm Kopf der Konsumenten
LogoVisuelles SymbolAuf Trägermaterialien
Corporate DesignVisuelles SystemIn Designdokumenten
Corporate IdentityGesamtpersönlichkeitIn Strategie & Verhalten
BrandingAktiver GestaltungsprozessIn allen Unternehmensbereichen

Häufige Fragen (FAQ)

Ist ein neues Logo ein Rebranding? Nein. Ein neues Logo ist eine visuelle Überarbeitung. Ein echtes Rebranding (Rebranding-Prozess) betrifft die strategische Neuausrichtung der Markenidentität. Oft verändert sich nur das Erscheinungsbild ohne zugrundeliegende Strategieänderung – das ist ein Brand Refresh, kein Rebranding.

Braucht ein Startup sofort professionelles Branding? Früh investiertes Branding zahlt sich aus: Es verhindert spätere, teurere Korrekturen und schafft von Beginn an Vertrauen. Allerdings sollte das Branding zur Wachstumsphase passen – zu aufwändige Systeme können für frühe Startups überdimensioniert sein.

Kann man eine Marke ohne Budget aufbauen? Ja, besonders im Bereich Personal Branding. Konsistenz, authentische Kommunikation und ein klares Versprechen kosten kein Budget, sondern Zeit und strategisches Denken.


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Weiterführend

  • Aaker, David A. (1991): Managing Brand Equity. New York: Free Press.
  • Kapferer, Jean-Noël (2012): The New Strategic Brand Management. 5. Aufl. London: Kogan Page.
  • Ogilvy, David (1985): Ogilvy on Advertising. New York: Vintage Books.
  • Olins, Wally (2003): Wally Olins: On Brand. London: Thames & Hudson.
  • McKinsey & Company (2020): The Brand Premium: Defining What Makes Brands Strong. McKinsey Insights.
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