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Charakterdesign ist die visuelle Konzeption und Ausgestaltung fiktiver Figuren für Medien wie Games, Animationsfilm, Comic und Illustration – es verbindet künstlerische Gestaltung mit narrativer Funktion.

Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Illustration & Digital Art · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Character Design, Character Art, Figurendesign

Was ist Charakterdesign?

Charakterdesign ist mehr als das Zeichnen einer Figur. Es ist ein systematischer Prozess, bei dem ein visuelles Konzept entsteht, das Persönlichkeit, Geschichte, Funktion und Ästhetik einer Figur kommuniziert – ohne einen einzigen Satz Text. Ein gut gestalteter Charakter verrät auf den ersten Blick: Wer ist diese Person? Ist sie bedrohlich oder sympathisch? Stark oder verletzlich? Zu welcher Welt gehört sie?

Im professionellen Kontext findet Charakterdesign vor allem in drei Bereichen statt:

  • Games (Character Artist, Concept Artist)
  • Animation & Film (Character Designer, Visual Development Artist)
  • Comics & Graphic Novels (Zeichner, Inker)

Erklärung

Grundprinzipien des Charakterdesigns

1. Silhouette Eine der wichtigsten Regeln: Eine gut gestaltete Figur ist schon an der Silhouette erkennbar. Klassiker wie Darth Vader, Batman oder Pikachu haben ikonische, sofort lesbare Umrisse. Das Silhouetten-Prinzip hat seinen Ursprung in der Animationsschule (Disney, Warner Bros.) und gilt als goldene Regel.

2. Formsprache Runde Formen wirken einladend und sympathisch (Held, Sidekick), eckige Formen stark und manchmal aggressiv (Krieger, Antagonist), spitze Formen unberechenbar oder böse (Schurke). Diese archetypischen Assoziationen sind kulturell gelernt und werden im Design gezielt eingesetzt.

3. Farbpalette Jeder Charakter erhält eine charakteristische Farbpalette. Helden tragen oft wärmere oder leuchtende Farben, Schurken dunklere oder entsättigte Töne. Ausnahmen erzeugen bewussten Kontrast oder Komplexität.

4. Kostüm und Accessoires Kleidung, Waffen, Accessoires erzählen Geschichte: Ein abgetragener Mantel signalisiert Abenteuer und Vergangenheit, ein steriler Anzug Macht und Kälte.

5. Proportionen und Anatomie Realistische, stilisierte oder cartooneske Proportionen definieren den Stil und die Welt, in der der Charakter lebt. Für Games müssen 3D-Charaktere anatomiegerecht gebaut sein, für 2D-Animationen sind stilisierte Proportionen üblich.

Workflow im Charakterdesign

  1. Briefing / Konzept: Wer ist die Figur? Welche Funktion hat sie in der Geschichte?
  2. Thumbnailing: Schnelle, kleine Skizzen zum Erkunden von Silhouetten und Grundformen
  3. Exploration Sketches: Detailliertere Variationen (oft 3–10 Optionen)
  4. Refinement: Ausarbeitung des besten Konzepts
  5. Model Sheet / Turnaround: Figur von vorne, seitlich, von hinten – für Animator oder 3D-Artist
  6. Expression Sheet: Gesichtsausdrücke
  7. Color Guide: Farbpalette mit Hex- oder Pantone-Werten

Beispiele

  • Games: Aloy aus Horizon Zero Dawn (Guerrilla Games, 2017) – ein Paradebeispiel für Charakterdesign, das Herkunft und Persönlichkeit visuell erzählt
  • Animation: Die Charaktere aus Spider-Man: Into the Spider-Verse (Sony, 2018) – jede Figur hat einen eigenen Stil, der ihr Universum widerspiegelt
  • Comics: Die X-Men von Jack Kirby und Stan Lee – einheitliches Team-Design mit individuellen Silhouetten

In der Praxis

Charakterdesigner arbeiten in Studios (Spieleentwickler, Animationsstudios) oder freiberuflich. Software-Standard in der Branche:

Das Portfolio eines Charakterdesigners zeigt in der Regel:

  • Mehrere vollständig ausgearbeitete Charaktere mit Modell-Sheets
  • Konzeptprozess (Thumbnails bis Reinzeichnung)
  • Verschiedene Figuren-Typen und Genres (Held, Schurke, Nebencharakter)

Vergleich & Abgrenzung

KriteriumCharakterdesignConcept ArtIllustration
ZielFigur definierenWelt/StimmungBild erzählen
OutputModel SheetKey VisualsEinzelbild
KontextGames, AnimationGames, FilmAlle Medien

Für den Einstieg in verwandte Bereiche: Concept Art und Comic und Graphic Novel Gestaltung.

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich Anatomie beherrschen, um Charaktere zu designen? Ein solides Verständnis menschlicher (und tierischer) Anatomie hilft enorm, auch wenn der Stil stark stilisiert ist. Viele Figuren brechen bewusst anatomische Regeln, aber das gelingt besser, wenn man die Regeln kennt.

Was ist ein Model Sheet? Ein Model Sheet (auch Turnaround) zeigt eine Figur aus mehreren Blickwinkeln (vorne, Seite, hinten) in neutraler Pose – als Referenz für Animatoren oder 3D-Artists.

Welche Ausbildung braucht man? Ein Studium in Game Design, Illustration oder Animation ist vorteilhaft, aber kein Muss. Das Portfolio zählt mehr als der Abschluss. Plattformen wie ArtStation, Instagram oder Behance sind die wichtigsten Schaufenster.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Bancroft, Tom (2006): Creating Characters with Personality. Watson-Guptill.
  • Mattesi, Mike (2008): Force: Character Design from Life Drawing. Focal Press.
  • Robertson, Scott / Bertling, Thomas (2013): How to Draw. Design Studio Press.
  • ArtStation – Portfolio-Plattform für Character Designer: artstation.com
  • School of Visual Arts (SVA) – Studiengänge Character Design: sva.edu
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