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ICC-Profile sind standardisierte Dateien, die die Farbeigenschaften eines Geräts oder Farbraums in einem geräteunabhängigen Referenzraum beschreiben und so die Grundlage für konsistentes Farbmanagement bilden.

Was sind ICC-Profile?

Das International Color Consortium (ICC) wurde 1993 von acht Unternehmen – darunter Apple, Kodak und Adobe – gegründet, um einen offenen Standard für Farbmanagement zu schaffen. Das Ergebnis ist die ICC-Profilspezifikation: ein Dateiformat (typischerweise mit der Endung .icc oder .icm), das beschreibt, wie ein bestimmtes Gerät – Monitor, Drucker, Scanner, Kamera – oder ein definierter Farbraum Farben darstellt oder aufzeichnet.

ICC-Profile sind die Sprache, in der Geräte über Farbe kommunizieren. Ohne sie würde jede Farbübertragung zwischen verschiedenen Systemen im Blindflug stattfinden (Green & MacDonald, 2002).

Erklärung

Aufbau eines ICC-Profils

Ein ICC-Profil besteht aus einem Header (Metadaten wie Profiltyp, Datum, Geräteklasse, Verbindungsfarbraum) und einem Tag-Bereich, der die eigentlichen Farbdaten enthält. Die wichtigsten Tags sind:

  • Colorimetric Tags (AToB/BToA): Beschreiben die Farbkonvertierung als mehrdimensionale Tabellen (LUT) oder als Matrix + TRC (Tone Reproduction Curve)
  • Media White Point Tag: Definiert den Weißpunkt des Geräts
  • Gamut Tag: Gibt die Grenzen des darstellbaren Farbraums an
  • Copyright/Description Tags: Metadaten zur Identifikation

Profilklassen

Das ICC-Standard unterscheidet mehrere Profilklassen:

KlasseKürzelBeschreibung
Input ProfilescnrScanner, Digitalkameras
Display ProfilemntrMonitore, Projektoren
Output ProfileprtrDrucker, Pressen
Device Link ProfilelinkDirekte Gerät-zu-Gerät-Konvertierung
Abstract ProfileabstKreative Farbeffekte
Color Space ProfilespacDefiniert Farbräume (z. B. sRGB, Adobe RGB)
Named Color ProfilenmclVolltonfarben (Pantone, HKS)

Der Profile Connection Space (PCS)

Das geniale Konzept hinter ICC-Profilen ist der geräteunabhängige Verbindungsfarbraum (PCS). Anstatt n² Konvertierungstabellen zu benötigen (jedes Gerät mit jedem anderen), konvertiert jedes Geräteprofil nur in den PCS und zurück. Als PCS wird entweder CIELAB (Lab) oder CIEXYZ* verwendet – beide sind geräteunabhängige, auf der menschlichen Farbwahrnehmung basierende Farbräume, die 1931 von der CIE (Commission Internationale de l'Éclairage) standardisiert wurden.

Wichtige Standardprofile

sRGB (IEC 61966-2-1:1999): Der universelle Standard-Farbraum für Bildschirme und Web. Entwickelt 1996 von HP und Microsoft, später von der IEC standardisiert. Deckt ca. 35 % des sichtbaren Farbraums (CIE-Normfarbtafel) ab.

Adobe RGB (1998): Erweiterter RGB-Farbraum mit größerem Grün-Kanal, der viele druckbare Farben des CMYK-Raums enthält. Ca. 50 % des sichtbaren Farbraums.

ProPhoto RGB: Sehr großer Farbraum, der alle von Ausgabegeräten reproduzierbaren Farben enthält. Wird in professionellen Fotoworkflows als Bearbeitungsfarbraum eingesetzt.

ISO Coated v2 (ECI): Standard-CMYK-Profil für europäischen Offsetdruck auf gestrichenem Papier. Basis vieler Druckstandards.

ISO Uncoated Yellowish: Für ungestrichene (matte) Papiere im Offsetdruck.

PSO Coated v3 (Fogra51): Aktualisierter Standard der Fogra für gestrichenes Papier, 2016 eingeführt.

Beispiele

Monitor-Profil: Nach der Kalibrierung erstellt i1Display Pro ein individuelles .icc-Profil für den spezifischen Monitor und installiert es im Betriebssystem. macOS und Windows nutzen dieses Profil bei jeder Farbdarstellung.

Druckerprofil: Ein Tintenstrahldrucker liefert mit dem Papier Fujiflex ein eigenes ICC-Profil mit. Photoshop nutzt dieses Profil beim Drucken, um die Farbkonvertierung von sRGB oder Adobe RGB in die druckerspezifischen CMYK/Tintenwerte vorzunehmen.

Embedded Profile: Ein Bild in Photoshop hat das Profil Adobe RGB eingebettet. InDesign liest dieses Profil und stellt das Bild korrekt dar – unabhängig davon, auf welchem Monitor InDesign läuft.

In der Praxis

Profile installieren und verwalten

Auf macOS werden Profile im Ordner /Library/ColorSync/Profiles/ (systemweit) oder ~/Library/ColorSync/Profiles/ (nutzerspezifisch) gespeichert. ColorSync Dienstprogramm ermöglicht die Verwaltung.

Auf Windows werden Profile in C:\Windows\System32\spool\drivers\color\ gespeichert. Rechtsklick auf eine .icc-Datei → „Profil installieren".

In Photoshop sind Profile über Bearbeiten → Farbeinstellungen zugänglich. In InDesign über Bearbeiten → Farbeinstellungen, zusätzlich über Bearbeiten → Farben konvertieren für dokumentweite Konvertierungen.

Profil-Validierung mit ColorThink

Das Werkzeug ColorThink Pro (Chromix) ermöglicht die dreidimensionale Visualisierung von ICC-Profilen als Gamut-Hüllen. So lässt sich erkennen, welche Farben eines Quellraums beim Konvertieren in einen Zielraum außerhalb des Gamuts liegen und geclippt oder komprimiert werden müssen.

Soft- und Hardproof

Mit einem korrekt eingebetteten Ausgabeprofil und einem kalibrierten Monitor kann Photoshop einen Softproof (Bildschirmsimulation des Druckergebnisses) erzeugen. Ein Hardproof (physischer Probedruck) muss nach ISO 12647-7 zertifiziert sein, um als farbverbindlich zu gelten.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalICC-ProfilDevice Link Profil
KonvertierungswegGerät → PCS → GerätGerät → direkt → Gerät
FlexibilitätHoch (universell)Gering (spezifisch)
QualitätGutSehr hoch (GCR/UCR möglich)
EinsatzStandard-WorkflowProduktions-Workflows

Device Link Profile werden in Produktionsumgebungen eingesetzt, wo höchste Farbgenauigkeit und spezifische Tintensteuerung (z. B. Gesamtfarbauftrag, schwarzer Kanal) wichtig sind (Sharma, 2003).

Häufige Fragen (FAQ)

Was passiert, wenn ein Bild kein eingebettetes Profil hat? Anwendungen weisen dem Bild einen Standardfarbraum zu – oft sRGB. Das kann korrekt sein, muss es aber nicht. Professionelle Workflows sollten immer Profile einbetten (Happe, 2012).

Können Profile selbst erstellt werden? Ja – mit Hardware wie dem X-Rite i1Pro (Spektrophotometer) und Software wie i1Profiler oder basICColor können individuelle Drucker- und Monitor-Profile erstellt werden.

Was ist der Unterschied zwischen .icc und .icm? Rein die Konvention: .icm (Image Color Matching) wird vorwiegend unter Windows verwendet, .icc auf macOS und Linux. Beide folgen demselben ICC-Standard.

Weiterführend

  • International Color Consortium (2022). ICC Profile Format Specification (ICC.1:2022). www.color.org
  • Fraser, B., Murphy, C. & Bunting, F. (2005). Real World Color Management (2. Aufl.). Peachpit Press.
  • Sharma, G. (Hrsg.) (2003). Digital Color Imaging Handbook. CRC Press.
  • Green, P. & MacDonald, L. (Hrsg.) (2002). Colour Engineering: Achieving Device Independent Colour. Wiley.
  • IEC 61966-2-1:1999 – Multimedia systems and equipment – Colour measurement and management – Part 2-1: Colour management – Default RGB colour space – sRGB
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