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NCS (Natural Color System) ist ein schwedisches Farbordnungssystem, das Farben auf Basis der menschlichen Farbwahrnehmung nach den vier psychologischen Urfarben Gelb (Y), Rot (R), Blau (B) und Grün (G) sowie Weiß und Schwarz klassifiziert.

Was ist das NCS?

Das Natural Color System wurde ab den 1960er Jahren in Schweden am Scandinavian Colour Institute entwickelt und 1979 als schwedische Norm (SS 01 91 02) standardisiert. Heute ist es die offizielle Farbnorm in Schweden, Norwegen und Spanien und wird von zahlreichen Unternehmen weltweit als Farbkommunikationsstandard eingesetzt – vor allem in Architektur, Innenarchitektur und Produktdesign.

Das NCS basiert auf der psychologischen Farbwahrnehmungstheorie von Ewald Hering (1834–1918), der vier psychologische Urfarben postulierte: Gelb, Rot, Blau und Grün. Diese vier Farben erscheinen dem menschlichen Auge als „rein" und ohne Beimischung anderer Farbtöne. Alle anderen Farben werden als Mischungen dieser Urfarben beschrieben (Hering, 1874).

Erklärung

Grundprinzip: Psychologische Urfarben

NCS geht davon aus, dass jede Farbe als Mischung von maximal zwei der vier chromatischen Urfarben (Gelb Y, Rot R, Blau B, Grün G) plus dem achromatischen Anteil aus Weiß (W) und Schwarz (S) beschrieben werden kann.

Jede bunte Farbe besteht aus:

  • Anteil Schwarz (s): Wie schwärzlich wirkt die Farbe? (0–100 %)
  • Anteil Chromatisch/Buntheit (c): Wie farbig wirkt sie gegenüber einem Grau gleicher Helligkeit? (0–100 %)
  • Anteil der Urfarbenmischung (Hue): Welche zwei Urfarben und in welchem Verhältnis?

Die Summe aller Anteile (s + w + c = 100 %) ergibt immer 100 %. Weiß (w) wird nicht separat notiert, sondern ergibt sich aus 100 − s − c.

NCS-Notation

Eine NCS-Farbe wird notiert als: NCS S XXXX-XXYY

Beispiel: NCS S 2030-Y90R bedeutet:

  • S: Standard-Farbe (Standardnotation)
  • 20: Schwarzgehalt (20 %)
  • 30: Chromatischer Anteil / Buntheit (30 %)
  • Y90R: Farbton: 90 % Richtung Rot von Gelb (also fast vollständiges Orange-Rot)

Beispiel: NCS S 0500-N bedeutet:

  • 05: Schwarzgehalt 5 %
  • 00: Buntheit 0 % (achromatisch)
  • N: Neutral (kein Farbton)

→ Sehr helles, fast weißes Grau

Das NCS-Farbraummodell

Der NCS-Farbraum wird als doppelter Farbkegel visualisiert:

  • Vertikale Achse: Weiß (oben) – Schwarz (unten)
  • Horizontale Achsen: Die vier Urfarben in einem Kreis (Y, R, B, G)
  • Jede Farbe ist ein Punkt auf der Oberfläche oder im Innern des Doppelkegels

Der NCS-Farbkreis zeigt die 40 Hue-Schritte zwischen den vier Urfarben. Der NCS-Farbton-Dreieck (für jeden Farbton) zeigt alle möglichen Kombinationen von Schwarzgehalt und Buntheit.

NCS-Farbbuch

Das NCS Colour Atlas enthält 1.950 physische Farbproben auf Ausklappkarten, strukturiert nach Farbton-Dreiecken. Es ist das Standard-Referenzwerk für Designer und Architekten in Nordeuropa und vielen anderen Ländern.

NCS Digital bietet digitale Farbwerte (LAB, RGB, HEX) für alle NCS-Farben an – allerdings als Näherungswerte, da NCS primär für physische Farbfächer entwickelt wurde.

NCS in der Architektur

In der Architektur wird NCS häufig für die Farbplanung von Fassaden, Innenräumen und Möbeln eingesetzt. Viele Lackhersteller und Farbhersteller in Europa bieten NCS-Kataloge an – die Farbe eines Anstrichmittels wird durch NCS-Codes kommuniziert. Der Maler kann aus seinem Katalog die NCS-Farbe wählen und das Mischlabor stellt sie her.

Unterschied zu anderen Systemen

Das Besondere an NCS ist die rein wahrnehmungsbasierte Grundlage: Während RAL und Pantone primär industriell-pragmatische Farbsammlungen sind, beschreibt NCS, wie Menschen Farben tatsächlich wahrnehmen. Das macht NCS zu einem nützlichen Werkzeug für:

  • Farbplanung mit Bezug auf menschliche Wahrnehmung
  • Kommunikation über Farbe, auch ohne physisches Farbmuster
  • Farbharmonie-Analyse (nahe NCS-Codes harmonieren wahrnehmungspsychologisch)

Beispiele

Beispiel 1 – Fassadenplanung: Ein Architekt plant ein Bürogebäude und wählt NCS S 1015-B für die helle Fassade (leichtes Blau, sehr helles Grau-Blau). Der Farbcode wird in der Ausschreibung angegeben. Der Maler kann bei jedem NCS-lizenzierten Farbhersteller die exakte Farbe bestellen.

Beispiel 2 – Innenraumdesign: Eine Innenarchitektin wählt für ein Büro drei harmonische Wandfarben aus dem NCS-System: S 2010-Y (warmes Hellgrau mit Gelbanteil), S 4010-Y (dunkleres Graubeige) und S 0500-N (fast Weiß) als Akzentfarbe. Die NCS-Notation garantiert, dass alle drei Farben wahrnehmungspsychologisch harmonieren.

Beispiel 3 – Produktdesign: Ein skandinavisches Möbelunternehmen definiert seine Kollektionsfarben in NCS. Lieferanten in verschiedenen Ländern erhalten die NCS-Codes und können lokal die passenden Lacke oder Stoffe bestellen.

In der Praxis

NCS in Deutschland

In Deutschland ist NCS weniger verbreitet als RAL (Industrie) oder Pantone/HKS (Druck). Es wird jedoch von Architekten, Innenarchitekten und Designern, die international oder skandinavisch orientiert arbeiten, eingesetzt. Zunehmend werden NCS-Codes auch in deutschen Architektur-Ausschreibungen verlangt.

NCS-Händler: Farbkarten und Atlanten sind über das Scandinavian Colour Institute und autorisierte Händler erhältlich.

NCS Digital und digitale Workflows

Für digitale Workflows bietet NCS auf seiner Website und über die NCS Digital-Plattform LAB-, RGB- und HEX-Werte für alle NCS-Farben. Diese Werte sind für sRGB-Bildschirme definiert und ermöglichen die digitale Kommunikation von NCS-Farben in Präsentationen und Moodboards.

Wichtig: RGB/HEX-Werte für NCS sind Bildschirm-Näherungen. Für farbverbindliche Produktion müssen physische NCS-Proben verwendet werden.

NCS und Farbkonsistenz

Da NCS auf Wahrnehmung basiert, nicht auf chemischen Rezepturen, ist die Reproduzierbarkeit indirekt: Die Farbe muss so sein, dass sie sich für den Beobachter wie NCS S 2030-Y90R anfühlt – nicht nach einer festgelegten Spektralkurve. Das macht NCS universeller als rezepturbasierte Systeme, aber auch anfälliger für Interpretationsspielräume bei der Umsetzung.

Vergleich & Abgrenzung

AspektNCSMunsellRALPantone
GrundlagePsychologische WahrnehmungPerceptual/empirischPragmatisch-industriellPragmatisch-industriell
Primärer MarktSkandinavien, ArchitekturUSA, WissenschaftDeutschland, Europa, IndustrieGlobal, Druck
FarbanteileSchwarz, Chroma, HueHue, Value, ChromaNummerNummer
ReproduktionWahrnehmungsbasiertPigmentbasiertRezepturRezeptur

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich NCS und RAL ineinander umrechnen? Näherungsweise über LAB-Werte beider Systeme. Eine exakte 1:1-Umrechnung gibt es nicht, da beide auf unterschiedlichen Prinzipien basieren. LAB-basiertes Delta-E-Matching liefert die beste Annäherung.

Warum hat NCS 1.950 Farben, wenn es nur 4 Urfarben gibt? Die 1.950 Farben sind definierte Schritte im kontinuierlichen NCS-Farbraum. Der Raum selbst ist endlos; die 1.950 Proben sind eine praktische Auswahl der nützlichsten Positionen.

Ist NCS besser als Pantone für den Druck? Nein – NCS wurde nicht für die Druckindustrie entwickelt. Für Farbkommunikation im Offsetdruck sind Pantone oder HKS (mit definierten Tintenrezepturen) besser geeignet. NCS ist besser für Architektur, Innenausstattung und allgemeine Designkommunikation.

Weiterführend

  • Hering, E. (1874). Zur Lehre vom Lichtsinne. Carl Gerold's Sohn.
  • Hard, A. & Sivik, L. (1981). NCS – Natural Color System: A Swedish Standard for Color Notation. Color Research & Application, 6(3), 129–138.
  • Scandinavian Colour Institute: www.ncscolour.com
  • SS 01 91 02:2004 – Colour Notation: The Natural Colour System (NCS) (Schwedische Norm)
  • Fairchild, M. D. (2005). Color Appearance Models (2. Aufl.). Wiley-IS&T.
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