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Das Bauhaus und die Schrift stehen für die Abkehr von handschriftlicher Kalligrafie hin zu geometrisch konstruierter, funktionaler Typografie, exemplarisch in Herbert Bayers Entwurf „Universal" (1925).

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Geschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Bauhaus-Typografie, Bauhausschrift, geometrische Bauhaus-Schrift

Was ist die Beziehung von Bauhaus und Schrift?

Das Bauhaus (1919–1933) war eine deutsche Kunst-, Design- und Architekturschule, deren Schriftauffassung sich radikal von der kalligrafischen Tradition abwandte. Statt handgeführter Schrift propagierte das Bauhaus eine geometrisch konstruierte, funktionale Typografie. Bauhaus und Schrift markieren damit einen historischen Bruch innerhalb der Schriftgeschichte.

Erklärung

Während die Arts-and-Crafts-Bewegung und die Kalligrafie-Renaissance die handgeführte Breitfeder wiederbelebten, verfolgte das Bauhaus das Gegenprogramm: Schrift sollte sachlich, normiert und maschinengerecht sein. Herbert Bayer entwarf 1925 die Versuchsschrift „Universal" – eine rein geometrische, ausschließlich kleingeschriebene Alphabetkonstruktion ohne Serifen. Die Argumentation: Großbuchstaben seien überflüssig, weil man nur in einer Lautschrift spreche.

Das Bauhaus verstand Schrift als Bestandteil funktionaler Kommunikation, nicht als kalligrafische Kunst. László Moholy-Nagy und Joost Schmidt arbeiteten an typografischer Gestaltung mit klaren Rastern, asymmetrischer Anordnung und elementarer Form. Diese Haltung floss in die „Neue Typographie" ein, die Jan Tschichold 1928 theoretisch fasste. Bauhaus und Schrift wirkten so prägend für die spätere serifenlose Gebrauchsgrafik – auch wenn die handgeführte Kalligrafie als Gegentradition fortbestand. Es ist wichtig zu betonen, dass das Bauhaus selbst keine Kalligrafie pflegte, sondern deren funktionale Ablösung vorantrieb.

Beispiele

  • Herbert Bayer „Universal" (1925): geometrische, kleingeschriebene Versuchsschrift.
  • Bauhaus-Drucksachen: asymmetrische Typografie, Grundfarben, klare Raster.
  • Joost Schmidt, Werkstatt für Druck und Reklame: funktionale Gestaltung.
  • László Moholy-Nagy, „Typofoto": Verbindung von Schrift und Fotografie.
  • Kleinschreibung im Bauhaus-Schriftverkehr: programmatischer Verzicht auf Versalien.

In der Praxis

Für das Verständnis der Schriftgeschichte ist das Bauhaus ein wichtiger Kontrastpunkt: Es zeigt, dass parallel zur kalligrafischen Wiederbelebung eine gegenläufige, maschinenorientierte Schriftauffassung entstand. Wer Schriftgestaltung studiert, vergleicht die geometrische Bauhaus-Logik mit der handwerklichen Breitfedertradition, um beide Pole zu begreifen. Bayers „Universal" blieb ein Experiment, beeinflusste aber spätere geometrische Groteskschriften wie die Futura und prägte das Bild einer sachlichen, modernen Schrift bis heute nachhaltig.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalBauhaus-SchriftKalligrafische Tradition
Formgeometrisch konstruierthandgeführt
Haltungfunktional, maschinengerechtkünstlerisch, handwerklich
Versalienabgelehnt (Kleinschreibung)beibehalten

Häufige Fragen (FAQ)

Pflegte das Bauhaus Kalligrafie? Nein. Das Bauhaus lehnte die handgeführte Kalligrafie ab und propagierte stattdessen eine geometrisch konstruierte, funktionale Typografie.

Was war Bayers „Universal"? Eine geometrische, serifenlose und ausschließlich kleingeschriebene Versuchsschrift von 1925, die das Bauhaus-Ideal sachlicher Schrift verkörpert.

Weiterführend

  • Droste, Magdalena (2019): Bauhaus 1919–1933. Taschen.
  • Bayer, Herbert (1967): Herbert Bayer: Painter, Designer, Architect. Reinhold.
  • Tschichold, Jan (1928): Die neue Typographie. Verlag des Bildungsverbandes.
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