Die Keilschrift ist das in Mesopotamien entstandene Schriftsystem, bei dem keilförmige Zeichen mit einem Griffel in feuchten Ton gedrückt wurden – eines der ältesten der Welt.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Geschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: cuneiform, Keilschriftzeichen
Was ist Keilschrift?
Die Keilschrift ist ein Schriftsystem, das ab etwa 3300 v. Chr. im südlichen Mesopotamien entstand. Ihren Namen verdankt sie der charakteristischen Keilform der Zeichen, die durch das Eindrücken eines Schreibgriffels in Tontafeln entsteht.
Erklärung
Die Keilschrift entwickelte sich aus frühen Bildzeichen der Sumerer. Anfangs zeichnete man Gegenstände noch erkennbar nach; doch das Ritzen runder Linien in Ton war mühsam. Daher ging man dazu über, mit einem dreieckig geschnittenen Rohr- oder Holzgriffel kurze, keilförmige Abdrücke zu setzen. Aus diesen Keilen setzten sich die Zeichen zusammen – das prägende Merkmal der Keilschrift.
Über Jahrhunderte wandelte sich die Keilschrift von einer überwiegend logografischen zu einer gemischt logografisch-silbischen Schrift. Sie wurde von vielen Völkern übernommen und an unterschiedliche Sprachen angepasst, darunter Akkadisch, Babylonisch, Assyrisch und Hethitisch. Damit war die Keilschrift über rund drei Jahrtausende das dominierende Schriftsystem des Vorderen Orients, bis sie in den letzten Jahrhunderten v. Chr. allmählich durch Alphabetschriften verdrängt wurde.
Bedeutend ist die Entzifferung im 19. Jahrhundert: Georg Friedrich Grotefend und später Henry Rawlinson lieferten Schlüsselbeiträge, indem sie mehrsprachige Inschriften wie die von Behistun analysierten.
Beispiele
- Beispiel 1: Wirtschaftstexte sumerischer Tempel auf Tontafeln.
- Beispiel 2: Das babylonische Gesetzeswerk, der Kodex Hammurapi.
- Beispiel 3: Das Gilgamesch-Epos in akkadischer Keilschrift.
- Beispiel 4: Die dreisprachige Behistun-Inschrift des Dareios.
- Beispiel 5: Diplomatische Briefe aus dem Archiv von Amarna.
In der Praxis
Für die Kalligrafie ist die Keilschrift weniger Schreibvorlage als historisches Vorbild für den Zusammenhang von Werkzeug und Form: Der Griffel formt die Keile, so wie später die Breitfeder die lateinische Schrift prägt. In Museen und Schreibwerkstätten werden gelegentlich Tontafeln nachgebildet, um die Schreibtechnik der Keilschrift erlebbar zu machen.
Vergleich & Abgrenzung
Keilschrift und Hieroglyphen entstanden fast zeitgleich, unterscheiden sich aber in Material und Form: Keile im Ton gegenüber gemalten und gemeißelten Bildzeichen.
| Merkmal | Keilschrift | Hieroglyphen |
|---|---|---|
| Material | Tontafel | Stein, Papyrus |
| Form | Keile | Bildzeichen |
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Keilschrift ein Alphabet? Nein. Die Keilschrift ist überwiegend eine logografisch-silbische Schrift; sie bildet Wörter und Silben ab, nicht systematisch einzelne Laute wie ein Alphabet.
Womit wurde Keilschrift geschrieben? Mit einem keilförmig geschnittenen Schreibgriffel aus Rohr oder Holz, der in noch feuchten Ton gedrückt wurde. Die Tafeln trockneten anschließend oder wurden gebrannt.
Weiterführend
- Walker, Christopher B. F. (1987): Cuneiform. British Museum Press.
- Glassner, Jean-Jacques (2003): The Invention of Cuneiform. Johns Hopkins University Press.
- Haarmann, Harald (2004): Geschichte der Schrift. C.H. Beck.

