Anlegen von Blattgold ist der Arbeitsschritt, bei dem hauchdünnes Blattgold vom Vergolderkissen abgenommen, auf das vorbereitete Anlegemittel gelegt, angedrückt und der Überschuss entfernt wird.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Techniken & Übungen · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Blattgold auflegen, Goldauflage, laying gold leaf
Was ist Anlegen von Blattgold?
Das Anlegen von Blattgold ist der zentrale, heikle Schritt innerhalb der Vergoldung: Das nur wenige Tausendstel Millimeter dünne Blattgold wird vorsichtig auf die klebrige Anlegefläche gebracht, dort angedrückt und festgerieben. Erst danach folgt das Entfernen des Überschusses und gegebenenfalls das Polieren.
Erklärung
Blattgold ist extrem dünn und leicht – schon der Atem kann es zerreißen oder wegblasen. Beim Anlegen von Blattgold schneidet man das Blatt zunächst auf einem Vergolderkissen mit dem Vergoldermesser passend zu. Mit einem statisch aufgeladenen Pinsel, dem Anschießer (engl. gilder's tip), nimmt man das Blatt auf und legt es auf die zuvor vorbereitete, klebrige Fläche – das Anlegemittel wird bei manchen Verfahren kurz angehaucht, um es reaktivieren.
Anschließend drückt man das Gold durch ein Seiden- oder Pergaminblatt sanft an, sodass es sich vollständig mit dem Untergrund verbindet. Loses, überstehendes Gold wird mit einem weichen Pinsel abgekehrt; diese Reste (Schabgold) lassen sich aufbewahren. Bei erhabener Vergoldung wird die Fläche danach mit einem Achat-Polierstein zum Glänzen gebracht. Das Anlegen von Blattgold ist der praktische Kern dessen, was der Eintrag Vergolden (Gilding) als Gesamtprozess beschreibt, und verlangt ruhige Hand, windstille Umgebung und Übung.
Beispiele
- Zuschneiden: Blattgold auf dem Vergolderkissen mit dem Messer teilen.
- Aufnehmen: mit dem Anschießer (an Haar/Haut leicht aufgeladen) abheben.
- Auflegen: Blatt auf das angehauchte Anlegemittel platzieren.
- Andrücken: durch Seidenpapier festreiben.
- Polieren: erhabene Vergoldung mit Achatstein auf Hochglanz bringen.
In der Praxis
Man arbeitet zugfrei – Fenster und Lüftung bleiben geschlossen, da jeder Luftzug das Blatt zerstört. Das Vergolderkissen mit Windschutz hält das Gold an Ort und Stelle. Statt loser Blätter erleichtern „Transfergold"-Blätter (auf Trägerpapier) Einsteiger/innen das Anlegen erheblich. Überschüssiges Gold wird erst abgekehrt, wenn das Anlegemittel vollständig durchgetrocknet ist. Die Position der Goldfläche wird zuvor im Layout festgelegt.
Vergleich & Abgrenzung
Loses Blattgold verlangt Kissen und Anschießer; Transfergold haftet auf Trägerpapier und ist anfängerfreundlicher.
| Merkmal | Loses Blattgold | Transfergold |
|---|---|---|
| Handhabung | schwierig, Zug-empfindlich | einfacher |
| Werkzeug | Kissen, Anschießer | Trägerpapier |
| Glanzpotenzial | sehr hoch (polierbar) | etwas geringer |
Häufige Fragen (FAQ)
Warum darf beim Anlegen von Blattgold kein Luftzug herrschen? Blattgold ist nur wenige Tausendstel Millimeter dünn; schon ein Atemstoß oder Luftzug kann es zerreißen oder wegwehen, deshalb arbeitet man in windstiller Umgebung.
Was ist der Unterschied zwischen losem Blattgold und Transfergold? Loses Blattgold liegt frei und wird mit Kissen und Anschießer gehandhabt; Transfergold haftet auf Trägerpapier, lässt sich leichter platzieren und eignet sich gut für Einsteiger/innen.
Weiterführend
- Whitley, Kathleen P. (2000): The Gilded Page: The History and Technique of Manuscript Gilding. Oak Knoll Press.
- Drogin, Marc (1980): Medieval Calligraphy: Its History and Technique. Allanheld & Schram.
- Mediavilla, Claude (2006): Kalligraphie. Vom Schriftblatt zur Kunst der Kalligraphie. Verlag Hermann Schmidt.

