Gouache ist eine wasserbasierte, deckende Malfarbe aus fein gemahlenem Pigment, Bindemittel und einem Weiß- oder Füllstoff, die in der Kalligrafie verdünnt als deckende Schreibfarbe dient.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Werkzeuge & Materialien · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Deckfarbe, Gouachefarbe, opaque watercolour, Tempera (verwandt)
Was ist Gouache?
Gouache ist eine deckende, wasserlösliche Farbe, die sich in der Kalligrafie hervorragend für Schrift auf farbigem oder dunklem Untergrund eignet. Anders als transparente Tinte legt sich Gouache als deckende Farbschicht auf das Papier und behält dabei eine kräftige, matte Leuchtkraft.
Erklärung
Gouache besteht aus Pigment, einem wasserlöslichen Bindemittel (meist Gummi arabicum) und einem inerten Füllstoff wie Kreide, der die Deckkraft erhöht. Für die Kalligrafie wird Gouache nicht pastos aufgetragen, sondern mit Wasser zu einer flüssigen, tintenähnlichen Konsistenz angerührt. Erfahrene Kalligrafinnen/Kalligrafen streben die Konsistenz von Sahne oder dünner Milch an, damit die Farbe sauber durch die Feder fließt, ohne zu klumpen oder die Haarlinien verlaufen zu lassen.
Der große Vorteil der Gouache ist ihre Deckkraft: Weiße oder helle Schrift auf schwarzem oder farbigem Papier gelingt damit zuverlässig, was mit transparenten Tinten kaum möglich ist. Zugleich lässt sich Gouache frei mischen, sodass jeder gewünschte Farbton entsteht. Da das Bindemittel wasserlöslich bleibt, kann eingetrocknete Gouache jederzeit mit etwas Wasser reaktiviert werden – praktisch beim Arbeiten, aber heikel bei der Endfixierung, da feuchte Hände oder Tropfen die fertige Schrift verwischen können.
Beispiele
- Weiße Schrift auf Schwarz: Permanentweiß-Gouache, dünn angerührt, für Hochzeitskarten auf dunklem Karton.
- Metallische Anmutung: Mischung aus Gouache und Perlglanzpigment für schimmernde Akzente.
- Farbverläufe: Zwei angerührte Gouachetöne in der Feder kombiniert für Regenbogen-Lettering.
- Heraldik & Illumination: Deckende Flächen in Wappen und Initialen historischer Vorlagen.
- Aquarell-Hybrid: Gouache für deckende Schrift über einem transparenten Aquarellhintergrund.
In der Praxis
Gouache wird mit einem Pinsel angerührt und mit demselben Pinsel seitlich in die Feder geladen, nicht eingetaucht. Die richtige Konsistenz ist entscheidend: zu dick verstopft die Spitze, zu dünn verliert die Deckkraft. Ein Tropfen Gummi arabicum verbessert Fluss und Haftung. Marken wie Schmincke oder Winsor & Newton bieten Künstler/innen-Gouache mit hoher Pigmentdichte. Nach Gebrauch trocknet Gouache in der Feder schnell ein und sollte sofort mit Wasser abgespült werden.
Vergleich & Abgrenzung
Gouache wird häufig mit Aquarell und mit reiner Tinte verwechselt. Aquarell ist transparent und lasierend, Gouache deckt. Tinte ist meist farbstoffbasiert und fließfertig, Gouache muss erst angerührt werden.
| Merkmal | Gouache | Tinte |
|---|---|---|
| Deckkraft | hoch, deckend | meist transparent |
| Anwendung | anrühren, Pinsel laden | fertig, eintauchen |
| Farbmischung | frei mischbar | begrenzt |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Gouache und Aquarell? Gouache enthält einen Füllstoff und deckt den Untergrund ab, während Aquarell transparent bleibt und durchscheint. Für helle Schrift auf dunklem Papier ist Gouache die richtige Wahl.
Wie rührt man Gouache für die Feder an? Etwas Gouache mit Wasser zu einer milch- bis sahneartigen Konsistenz verrühren und die Feder seitlich mit dem Pinsel laden. Die Mischung soll fließen, aber nicht durchsichtig werden.
Weiterführend
- Mediavilla, Claude (2006): Calligraphy: From Calligraphy to Abstract Painting. Scirpus Publications.
- Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. Dorling Kindersley.
- Schmincke (Hrsg.) (2020): Technische Hinweise zu Gouachefarben. H. Schmincke & Co.

