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Gummi arabicum ist ein wasserlösliches Naturharz aus dem Saft afrikanischer Akazienarten, das in der Kalligrafie als Bindemittel dient, Pigmente am Untergrund verankert und den Tintenfluss reguliert.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Werkzeuge & Materialien · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Akaziengummi, Gum arabic, Gummiarabikum, E 414

Was ist Gummi arabicum?

Gummi arabicum ist ein natürliches Bindemittel, das aus dem getrockneten Saft von Akazienbäumen (vor allem Acacia senegal und Acacia seyal) gewonnen wird. In der Kalligrafie bindet es Pigmente von Tinten und Farben, sodass sie nach dem Trocknen am Papier haften und nicht abreiben. Ohne dieses Bindemittel würden Pigmente nach dem Trocknen als loses Pulver von der Oberfläche fallen.

Herkunft und Beschaffung

Hauptlieferant von Gummi arabicum ist der Sudan, speziell die Sahel-Zone zwischen Senegal und Äthiopien. Dort zapfen Bäuerinnen und Bauern den natürlich austretenden Harzsaft der Acacia senegal und trocknen ihn zu bernsteinfarbenen Klumpen. Der Sudan liefert historisch gesehen mehr als 70 Prozent der weltweiten Produktion; weitere Exportländer sind Tschad, Nigeria und Senegal.

Im Handel ist Gummi arabicum in drei Formen erhältlich:

  • Körner (Harzbrocken): Die naturbelassenste Form. Körner müssen einige Stunden oder über Nacht in kaltem Wasser aufgelöst werden. Das Ergebnis ist eine konzentrierte Lösung, die man selbst verdünnt.
  • Pulver: Schnell löslich, oft in Apotheken oder Künstlerbedarf-Shops erhältlich. In kaltem Wasser einrühren, bis eine klare, leicht klebrige Flüssigkeit entsteht.
  • Fertige Lösung (Flüssig): In Winsor & Newton-, Schmincke- oder Golden-Flaschen abgefüllt. Bequem und dosiergenau, aber teurer als Pulver oder Körner.

Einkaufsquellen: Apotheken führen Gummi arabicum pharmazeutischer Qualität, Künstlerbedarf-Shops (Boesner, Gerstaecker, Jackson's Art) bieten größere Mengen, Online-Apotheken und Spezial-Tintenläden liefern Pulver im Kilogramm-Gebinde für die intensive Praxis.

Qualitätsgrade

Im Fachhandel unterscheidet man mehrere Gütegrade, am bekanntesten ist die sogenannte Kharita-Klassifikation aus dem Sudan. Die höchste Handelsqualität (Grade 1) enthält wenig Fremdmaterial, löst sich klar und zeigt beim Trocknen kaum Trübung. Niedrigere Grade (Grade 2 und 3) können leicht trüb sein oder einen Gelbton haben; für einfache Schreibtinten reicht das, für feine Aquarelle oder Illuminationen sollte man Grade-1-Qualität wählen. Im Künstlerbedarf entspricht die Apotheken- oder „pharmazeutische" Qualität in der Regel Grade 1.

Erklärung

Gummi arabicum ist seit der Antike das wichtigste Bindemittel für Tinten und Wasserfarben. Es löst sich vollständig in Wasser zu einer klaren, leicht klebrigen Flüssigkeit. Beim Trocknen bildet es einen dünnen Film, der die Farbpartikel umhüllt und mechanisch am Untergrund fixiert. In der historischen Eisengallustinte und in nahezu jeder Gouache ist Gummi arabicum als Bindemittel enthalten.

In der Praxis nutzen Kalligrafinnen und Kalligrafen Gummi arabicum gezielt, um Tinte oder selbst angerührte Pigmente zu verbessern. Ein kleiner Zusatz erhöht die Haftung pigmentierter oder metallischer Farben und verleiht der getrockneten Schrift einen leichten Glanz. Zugleich reguliert es den Fluss: Etwas Gummi arabicum macht eine zu dünne Tinte geschmeidiger und verhindert das Ausbluten auf saugfähigem Papier. Allerdings ist die Dosierung entscheidend. Zu viel Gummi arabicum macht die Tinte zäh, lässt sie spröde auftrocknen und kann beim Schreiben Fäden ziehen. Erfahrene Anwender/innen geben es daher tropfenweise hinzu und testen die Wirkung auf einem Probeblatt.

Rolle in der historischen Buchmalerei

In der Illumination mittelalterlicher Handschriften war Gummi arabicum unverzichtbar. Es diente als Bindemittel für Blattgold auf Gesso-Grundierung, als Trägerstoff für Lapislazuli-Pigmente in Ultramarin-Blau und als Grundlage der Tempera-Malerei, bei der Ei und Gummi arabicum kombiniert wurden. Illuminatoren mischten es mit Safran für leuchtendes Gelb, mit Kermesrot für tiefe Rottöne oder mit Zinnober. Viele der erhaltenen Stundenbücher und Psalterien aus dem 12. bis 15. Jahrhundert nutzen Rezepturen, die im Kern noch heute gültig sind.

Mischrezepte für selbst gemachte Tinte

Ein einfaches Grundrezept für eine pigmentierte Kalligrafietinte:

  1. Gummi arabicum (Pulver) in kaltem Wasser im Verhältnis 1:4 anrühren, etwa 20 Minuten quellen lassen.
  2. Pigmentpulver (z. B. Elfenbeinschwarz, Ultramarin, Ocker) mit einigen Tropfen Wasser zur Paste anreiben.
  3. Gummi-Lösung schrittweise unterrühren, bis die Viskosität einer flüssigen Tinte erreicht ist.
  4. Ein paar Tropfen Oxgall (Ochsengalle) verbessern die Spreitung auf glattem Papier.
  5. Auf dem Probeblatt testen: Die Schrift soll nach dem Trocknen nicht abreiben und nicht reißen.

Für Metallic-Tinten aus Bronzepulver gilt ein ähnliches Prinzip: Das Metallpulver wird zunächst trocken im Tiegelchen mit einem Pinsel aufgewirbelt und dann langsam mit der Gummi-Lösung verrührt, bis ein gleichmäßiger Brei entsteht. Zu viel Wasser lässt die Metallpartikel absinken.

Kombination mit Pigmenten

Nicht jedes Pigment verhält sich gleich mit Gummi arabicum:

  • Rußpigmente (Carbon Black, Elfenbeinschwarz): lösen sich problemlos, liefern tiefes Schwarz.
  • Ultramarin, Preußischblau: gute Haftung, leicht körnige Textur bei hoher Konzentration.
  • Ockertöne, Siena: einfach zu verarbeiten, gute Deckkraft.
  • Kadmium, Zinnoberrot: hohe Dichte, mehr Bindemittel nötig, um Absetzen zu verlangsamen.
  • Perlglanzpigmente (Mica): brauchen etwas mehr Gummi arabicum als mineralische Pigmente, da die Plättchen leicht an der Oberfläche schwimmen.

Gummi arabicum als Fixiermittel und Resist

Weniger bekannt, aber in der Praxis sehr nützlich:

  • Fixiermittel: Ein dünner Anstrich auf fertige Kalligrafie versiegelt die Tinte leicht. Dieser Einsatz ist mit Vorsicht zu genießen, da zu viel die Oberfläche verändert.
  • Resist-Technik: In der Aquarellmalerei wird Gummi arabicum (verdünnt) als Maskierflüssigkeit auf Bereiche aufgemalt, die beim Lasieren freigehalten werden sollen. Nach dem Trocknen der Deckfarbe lässt es sich abrubbeln und gibt die maskierten Stellen frei. Das Ergebnis ist weicher als bei Masking Fluid, aber ausreichend für Pinsel-Kalligrafie-Hintergründe.

Schimmelschutz konkret

Da Gummi arabicum eine organische Lösung ist, kann sie bei Feuchtigkeit und Wärme schimmeln. Effektive Konservierung:

  • Nelkenöl: 1 bis 2 Tropfen auf 100 ml Lösung hemmen das Schimmelwachstum wirksam. Geruch verflüchtigt sich nach dem Trocknen.
  • Thymol: als Kristalle zugeben (eine Messerspitze auf 100 ml), löst sich langsam und konserviert zuverlässig. In Apotheken erhältlich.
  • Kühlschranklagerung: Die gebrauchsfertige Lösung in einem verschlossenen Glas bei 4 bis 8 °C aufbewahren; hält so mehrere Monate.

Beispiele

  • Tinte binden: Pigmentpulver mit Wasser und Gummi arabicum zu Schreibtinte verrühren.
  • Gouache strecken: ein Tropfen verbessert Haftung und Glanz.
  • Metallictinte: Bronzepulver wird erst mit Gummi arabicum schreibfähig.
  • Eisengallustinte: historisches Rezept mit Gummi arabicum als Bindemittel.
  • Resist-Technik: Gummi arabicum als Maskierung beim Aquarellieren von Hintergründen.
  • Illumination: Bindemittel für Pigmente in mittelalterlicher Buchmalerei.

In der Praxis

Gummi arabicum wird sparsam tropfenweise zugegeben und gut verrührt. Als Faustregel gilt: gerade so viel, dass die Farbe nach dem Trocknen nicht abreibt, aber noch sauber fließt. Pulverform löst sich am schnellsten, Harzbrocken müssen über Nacht in Wasser quellen. Die Lösung kühl und dunkel lagern; Nelkenöl oder Thymol konservieren gegen Schimmel.

Vergleich & Abgrenzung

Gummi arabicum wird gelegentlich mit synthetischen Bindern oder mit Klebstoff verwechselt. Es ist jedoch ein wasserlösliches Naturharz, das jederzeit reaktivierbar bleibt und nicht dauerhaft verklebt.

MerkmalGummi arabicumAcrylbinder
HerkunftAkaziensaft (Sudan, Sahel)synthetisch
Löslichkeitwasserlöslichwasserfest nach Trocknung
Reaktivierbarjanein
Einsatz Illuminationhistorisch belegtnicht geeignet

Häufige Fragen (FAQ)

Wofür braucht man Gummi arabicum in der Kalligrafie? Es bindet Pigmente, sodass die getrocknete Tinte am Papier haftet und nicht abreibt. Außerdem reguliert es den Tintenfluss, verbessert die Haftung von Metallic- und Gouachefarben und verleiht einen leichten Glanz.

Was passiert bei zu viel Gummi arabicum? Die Tinte wird zäh, zieht beim Schreiben Fäden und trocknet spröde auf, sodass sie reißen oder abplatzen kann. Deshalb gibt man Gummi arabicum nur tropfenweise hinzu und testet das Ergebnis vorab.

Wo kauft man Gummi arabicum in guter Qualität? Apotheken führen pharmazeutische Qualität (entspricht Grade 1). Künstlerbedarf-Shops (Boesner, Gerstaecker) bieten Pulver und Lösungen. Für größere Mengen lohnt sich der Kauf von Fachversänden wie Kalligrafie-Shops oder Pigmentlieferanten online.

Wie lange hält selbst gemachte Gummi-arabicum-Lösung? Im Kühlschrank, konserviert mit Nelkenöl oder Thymol, hält eine 20-prozentige Lösung 3 bis 6 Monate. Ohne Konservierung schimmelt sie bei Zimmertemperatur innerhalb weniger Wochen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Mediavilla, Claude (2006): Calligraphy. Scirpus Publications.
  • Thompson, Daniel V. (1956): The Materials and Techniques of Medieval Painting. Dover Publications.
  • Lamb, C. M. (Hrsg.) (1956): The Calligrapher's Handbook. Faber & Faber.
  • Cennini, Cennino d'Andrea (ca. 1400/1933): Il Libro dell'Arte. Übers. D. V. Thompson, Yale University Press.
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