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Radiergummi und Korrekturmittel sind die Hilfsmittel der Kalligrafie zum spurlosen Entfernen von Bleistift-Hilfslinien und zum Ausbessern von Tintenfehlern, von weichem Knetgummi über Deckweiß bis zum Auskratzen.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Werkzeuge & Materialien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Knetradierer, Deckweiß, Korrekturweiß, Tintenkiller, eraser

Was sind Radiergummi und Korrekturmittel?

Radiergummi und Korrekturmittel dienen in der Kalligrafie dazu, Bleistift-Hilfslinien nach dem Schreiben zu entfernen und kleine Fehler in der Tinte zu kaschieren. Da Tinte meist nicht radierbar ist, kommen je nach Untergrund unterschiedliche Korrekturtechniken zum Einsatz.

Erklärung

Hilfslinien werden in der Kalligrafie immer mit Bleistift vorgezeichnet und nach dem vollständigen Trocknen der Tinte ausradiert. Hierfür eignet sich ein weicher Knetgummi (Kneadable Eraser), der die Graphitspuren aufnimmt, ohne die Papieroberfläche aufzurauen oder die Tinte zu verschmieren. Ein harter Radierer kann dagegen die Schreibfläche beschädigen und matte Tinte abreiben. Wichtig ist, erst zu radieren, wenn die Tinte absolut trocken ist, sonst entstehen Schlieren.

Bei Tintenfehlern hängt das Korrekturmittel vom Untergrund ab. Auf Papier lässt sich Tinte kaum entfernen; kleine Patzer kaschiert man mit Deckweiß (weiße Gouache oder ein spezielles Korrekturweiß), über das nach dem Trocknen wieder geschrieben werden kann. Auf festem Papier oder Karton hilft vorsichtiges Abkratzen der obersten Faserschicht mit einem scharfen Messer oder einer Rasierklinge, anschließend wird die Stelle mit dem Falzbein geglättet. Auf Pergament und Vellum und Vellum ist das Auskratzen mit dem Federmesser die klassische und beste Methode, weil die Tinte dort nicht tief einzieht.

Radiergummi-Typen mit Produktempfehlungen

Knetgummi (Kneadable Eraser)

Der Knetgummi ist das wichtigste Werkzeug zum Entfernen von Bleistift-Hilfslinien in fertigen Kalligrafien. Er wird durch Tupfen und leichtes Rollen statt durch Reiben verwendet, nimmt das Graphit auf, ohne die Papieroberfläche aufzurauen.

Empfohlene Produkte:

  • Faber-Castell Kneadable Eraser: gut formbar, nimmt Graphit sauber auf, rückstandsfrei.
  • Staedtler Mars Kneadable Eraser (Art. 5427): ähnliche Qualität, etwas weicher, kommt häufig in Sets.

Weiche PVC-freie Radierer

Für größere Graphitflächen oder wenn der Knetgummi nicht ausreicht, kommen weiche Kunststoffradierer zum Einsatz. PVC-freie Modelle schonen Papier und Tinte besser als ältere PVC-Varianten.

  • Staedtler Mars Plastic (430): der Klassiker für sauberes Radieren auf empfindlichem Papier, weich, schnittfest.
  • Tombow Mono Zero: ein Stift-Radierer mit 2,3 mm runder oder 2,5 × 5 mm rechteckiger Spitze, ideal für das präzise Entfernen einzelner Graphitlinien zwischen engen Buchstaben.

Glasfaserstift (Glasfiberstift)

Ein Glasfiberstift enthält feine Glasfasern, die mechanisch Tinte und Beschichtung von der Papieroberfläche abtragen. Er ist das wirkungsvollste Werkzeug gegen hartnäckige Tintenreste, raut die Oberfläche dabei jedoch auf. Danach empfiehlt sich ein Glätten mit dem Falzbein und eventuell ein Hauch Gummi arabicum, damit wieder geschrieben werden kann. Der Glasfiberstift eignet sich besonders auf Karton und glattem Zeichenpapier, weniger auf empfindlichen Oberflächen.

Deckweiß-Optionen

Deckweiß überdeckt Tintenfehler auf Papier. Die Auswahl des richtigen Produkts ist entscheidend, da nicht jedes Weiß übermalbar ist.

  • Dr. Ph. Martin's Bleedproof White: in der Kalligrafie-Community sehr beliebt, extrem deckend, trocknet schnell und kann nach dem Trocknen wieder mit Tinte beschriftet werden. Aus dem Fläschchen mit Pinsel oder Stab auftragen.
  • Winsor & Newton Permanent White Gouache: klassische Option, sehr ergiebig, deckend, nach dem Trocknen wieder beschreibbar. Muss aus der Tube mit etwas Wasser angerührt werden.
  • Daler-Rowney Pro White: ähnlich Bleedproof White, etwas dickflüssiger, gut für präzise Korrekturen mit feinem Pinsel.

Tipp für Deckweiß: Mehrere dünne Schichten bringen bessere Ergebnisse als eine einzige dicke. Eine dicke Schicht trocknet ungleichmäßig, reißt leicht und lässt sich schlecht wieder beschriften. Jede Schicht vollständig trocknen lassen, bevor die nächste aufgetragen wird.

Nach der Korrektur wieder schreiben: Sobald das Deckweiß vollständig trocken ist (mindestens 10 bis 15 Minuten, bei dickem Auftrag länger), kann direkt darüber geschrieben werden. Wichtig ist, den Untergrund nicht mit dem Finger anzufassen, da Hautfett die Haftung der neuen Tinte verschlechtert. Bei empfindlichen Tinten lohnt es sich, einen Probestrich auf einem Abfallblatt mit derselben Deckweiß-Schicht zu testen.

Skalpell und Klinge für Pergament

Auf Pergament und Vellum und hartem Karton lässt sich Tinte durch Auskratzen entfernen. Die klassische Technik der mittelalterlichen Buchmalerei nutzt ein scharfes Federmesser, heutige Kalligrafinnen und Kalligrafen greifen zu Skalpellen:

  • Skalpellklinge Nr. 10A: Standardform für breite, flächige Korrekturen.
  • Klinge Nr. 15: schmale, gebogene Klinge, ideal für präzise Korrekturen in engen Stellen.

Die Klinge wird mit sehr flachem Winkel und äußerst leichtem Druck geführt, um nur die oberste Schicht zu entfernen. Nach dem Kratzen mit dem Falzbein oder dem Fingernagel glätten, damit die Fasern wieder geschlossen werden und eine neue Tinte gleichmäßig aufgenommen werden kann.

Beispiele

  • Knetgummi: nimmt Graphit auf, ohne die Tinte zu verschmieren.
  • Weicher Radierer (Plastik/PVC-frei): für größere Graphitflächen.
  • Deckweiß (Gouache): überdeckt Tintenfehler auf Papier.
  • Glasfiberstift: reibt hartnäckige Tintenspuren auf Karton ab.
  • Skalpell Nr. 10A oder 15: kratzt Tinte auf festem Karton und Pergament aus.

In der Praxis

Vor dem Radieren prüft man mit dem Finger, ob die Tinte vollständig trocken ist. Der Knetgummi wird durch Tupfen statt Reiben verwendet, um die Oberfläche zu schonen. Deckweiß deckt am besten in mehreren dünnen Schichten. Beim Auskratzen mit dem Skalpell arbeitet man mit flachem Klingenwinkel und sehr leichtem Druck. Nach jeder mechanischen Korrektur (Skalpell, Glasfiberstift) die Stelle mit dem Falzbein glätten, damit die Faser sich wieder schließt.

Vergleich & Abgrenzung

Deckweiß und Radiergummi werden manchmal verwechselt: Der Radiergummi entfernt Bleistift, das Deckweiß überdeckt Tinte.

MerkmalKnetgummiDeckweißGlasfiberstift
ZielGraphitTinte überdeckenTinte entfernen
Wirkungentferntüberdecktreibt ab
UntergrundPapierPapierKarton, beschichtetes Papier

Häufige Fragen (FAQ)

Wie entfernt man Hilfslinien, ohne die Schrift zu verschmieren? Erst nach vollständigem Trocknen der Tinte radieren und einen weichen Knetgummi verwenden, den man eher tupft als reibt. So nimmt er das Graphit auf, ohne die Schreibfläche oder die Schrift zu beschädigen.

Kann man Tintenfehler in der Kalligrafie korrigieren? Auf Papier kaum durch Radieren, aber durch Überdecken mit Deckweiß (Dr. Ph. Martin's Bleedproof White, Winsor & Newton Permanent White Gouache) oder vorsichtiges Abkratzen auf festem Karton. Auf Pergament und Vellum lässt sich die Tinte am besten mit dem Skalpell (Klinge Nr. 10A oder 15) herauskratzen.

Welches Deckweiß lässt sich am besten wieder überschreiben? Dr. Ph. Martin's Bleedproof White und Winsor & Newton Permanent White Gouache sind in der Praxis am beliebtesten, weil sie nach dem vollständigen Trocknen ohne besondere Vorbehandlung wieder beschriftet werden können. Mehrere dünne Schichten sind dabei immer besser als eine dicke.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. Dorling Kindersley.
  • Gordon, Lydia (1990): The Calligrapher's Handbook. A & C Black.
  • Mediavilla, Claude (2006): Calligraphy. Scirpus Publications.
  • Child, Heather (Hrsg.) (1985): The Calligrapher's Handbook. Taplinger Publishing.
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