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Plakatfeder ist eine besonders breite Schreibfeder für große Schriften und Plakate, die viel Tusche fasst und breite, gleichmäßige Striche zieht.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Werkzeuge & Materialien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: poster nib, Automatic Pen, Breitzugfeder, Schildfeder

Was ist eine Plakatfeder?

Die Plakatfeder ist eine sehr breite Variante der Breitfeder, die für große Formate wie Plakate, Banner und Schilder gedacht ist. Ihre Schreibkante ist deutlich breiter als die einer normalen Breitfeder und fasst entsprechend mehr Tusche, sodass lange, breite Striche in einem Zug gelingen. Wer großformatige Kalligrafie schreibt, kommt an der Plakatfeder nicht vorbei.

Erklärung

Wie die Plakatfeder funktioniert

Die Plakatfeder löst ein praktisches Problem: Wer große Buchstaben schreiben will, braucht eine breite Kante und ein großes Tintenreservoir. Viele Plakatfedern arbeiten daher mit zwei aufeinanderliegenden Metallblättern (Doppelkante), zwischen denen die Tusche kapillarisch gehalten wird. Das bekannteste Beispiel ist der Automatic Pen. Andere Plakatfedern sind einfach sehr breit dimensionierte Bandzugfedern.

Die Tusche wird nicht durch Tauchen, sondern mit einem Pinsel zwischen die Blätter eingestrichen, was die Schreibdauer pro Befüllung stark verlängert und dickflüssige Farben wie Gouache ermöglicht.

Automatic Pen: Modellnummern und Breiten

Der Automatic Pen ist die meistverbreitete Plakatfeder weltweit. Er wird in einer durchnummerierten Serie angeboten, wobei die Zahl grob der Schreibbreite entspricht:

  • Nr. 1: schmalste Variante, ca. 3–4 mm Strichbreite
  • Nr. 2–3: mittlere Breiten für normale Plakate und Poster
  • Nr. 4–6: breite Federn für große Buchstaben (ca. 10–15 mm)
  • Nr. 8–10: sehr breite Federn für Großformat-Beschriftung
  • Nr. 12: breiteste Standardvariante, ca. 25 mm Strichbreite

Zusätzlich gibt es Zähne-Varianten: Eine Automatic-Pen-Feder mit 4 oder 6 Zähnen an der Kante zieht mehrere parallele Linien gleichzeitig. Das erzeugt dekorative Effekte, wie sie für historische Schaufenster-Beschriftungen typisch waren.

Wie man den Automatic Pen befüllt

Das Befüllen unterscheidet sich von anderen Federn:

  1. Einen mittelweichen Pinsel in Tusche oder Gouache tauchen.
  2. Den Pinsel zwischen die beiden Metallblätter des Automatic Pen einführen.
  3. Die Farbe gleichmäßig in den Spalt einstreichen, nicht in den Stiel.
  4. Auf einem Probepapier testen, bis der Strich gleichmäßig fließt.

Wichtig: Den Automatic Pen nicht in Tusche tauchen wie eine normale Feder. Die Kapillarwirkung zwischen den Blättern funktioniert nur bei kontrollierter, pinselweiser Befüllung. Zu viel Farbe läuft unkontrolliert aus.

Speedball B-Serie und Mitchell Poster Nibs

Neben dem Automatic Pen gibt es weitere Plakatfedern:

Speedball B-Serie: Amerikanische Breitfedern mit oval-runder Kante, breiter als die klassische C-Serie. Die B-Serie erzeugt gleichmäßige, kräftige Striche und ist für große Initialen und Display-Schriften geeignet. Sie wird in einen Standard-Penhalter gesteckt und in Tusche getaucht.

Mitchell Poster Nibs: Die britische Marke Mitchell bietet ebenfalls breite Bandzugfedern für Plakatschriften. Besonders die breiten Poster-Nummern (etwa Mitchell No. 0 und No. 00) liefern Strichbreiten von 4–6 mm, ideal für große Unciale oder Gothische Plakate.

Gouache vs. Acrylfarbe bei Plakatfedern

Da Plakatfedern für deckende, sichtbare Farben gebaut sind, werden sie häufig mit Gouache oder Acrylfarbe eingesetzt:

Gouache: Die klassische Wahl für Plakatfedern. Gouache lässt sich leicht mit Wasser auf die richtige Konsistenz verdünnen (cremig, nicht zu flüssig), haftete gut auf den Metallblättern und läuft gleichmäßig. Nach dem Trocknen ist sie wasserlöslich, die Feder lässt sich einfach reinigen.

Acrylfarbe: Intensivere Farben, nach dem Trocknen wasserfest. Vorteil bei Außenplakaten oder wenn das Schriftstück nicht wischfest sein soll. Nachteil: Acryl trocknet schnell in der Feder ein. Bei längeren Pausen muss die Feder sofort gereinigt werden, sonst sind die Metallblätter verleimt.

Tusche bleibt die günstigste und einfachste Option für Übungen.

Papierempfehlungen für Plakatschriften

Wegen der großen Farbmenge, die eine Plakatfeder abgibt, sind nicht alle Papiere geeignet:

  • Kraftpapier: Günstiges, saugfähiges Papier in Natur- oder Brauntönen. Tusche und Gouache haften gut, das Papier wellt sich kaum. Ideal für Übungen und Entwürfe.
  • Zeitungspapier: Sehr günstig, absorbiert schnell. Gut für erste Übungen mit dem Automatic Pen, da kein Material verschwendet wird. Kein Archivmaterial.
  • Plakatpapier 120 g: Höhere Grammatur verhindert Durchschlagen und Wellen. Für fertige Plakate und Präsentationsarbeiten geeignet.
  • Beschichtetes Offsetpapier: Farbe trocknet langsamer, Kanten schärfer. Für Präzisionsarbeiten mit Gouache.

Historische Verwendung

Die Plakatfeder hat ihre Wurzeln in der Schaufenster-Beschriftung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Bevor Leuchtreklame und Folienbeschriftung verbreitet waren, wurden Preisschilder, Aktionsangebote und Verkaufsplakate von geschulten Schriftenmaler/innen von Hand geschrieben. Die breiten, gleichmäßigen Buchstaben mussten aus der Distanz gut lesbar sein.

Auch in der Typografie spielte die Plakatfeder eine Rolle: Schriftgestalter/innen verwendeten breite Federn, um neue Schrifttypen zu entwerfen und die Proportionen großformatig zu prüfen, bevor die Schrift in Metall gegossen wurde.

Beispiele

  • Automatic Pen Nr. 6: Doppelblatt-Feder für große Poster-Buchstaben, mit Pinsel befüllt.
  • Automatic Pen Nr. 4 mit Zähnen: Mehrlinige Effekte für dekorative Überschriften.
  • Speedball B-Serie: Amerikanische Breitfeder für Display-Schriften.
  • Mitchell Poster Nibs: Breite Bandzugfedern für Unciale und Gothische Poster.
  • Schaufenster-Beschriftung: Großformatige Preis- und Aktionsschriften im Handel.

In der Praxis

Plakatfedern werden meist nicht getaucht, sondern mit einem Pinsel zwischen die Blätter mit Tusche oder Gouache befüllt, das erlaubt auch dickflüssige, deckende Farben. Vor dem Schreiben testet man den Strich auf Probepapier, da die große Fläche viel Material abgibt. Wegen der Breite ist eine ruhige, gleichmäßige Führung wichtig. Nach Gebrauch werden die Blätter gründlich gereinigt, damit keine Tusche eintrocknet und die Kapillarwirkung erhalten bleibt. Großformatiges, gut geleimtes Papier verhindert Durchschlagen.

Vergleich & Abgrenzung

Die Plakatfeder unterscheidet sich von normaler Breit- und Redisfeder vor allem durch Größe und Befüllung.

MerkmalPlakatfederBreitfeder (Bandzugfeder)
Strichbreitesehr breit (3–25 mm)fein bis mittel
BefüllungPinsel zwischen BlätterTauchen
EinsatzPlakate, Banner, SchilderBuchschriften, Kalligrafie
FarbeGouache, Acryl, TuscheTusche, Tinte

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Plakatfeder und Breitfeder? Die Plakatfeder ist eine sehr breite, großformatige Feder mit viel Tintenkapazität für Plakate und Banner, oft mit Doppelkante. Die normale Breitfeder (Bandzugfeder) ist feiner und für Buchschriften gedacht. Beide nutzen den Federwinkel für Strichkontrast, aber in sehr unterschiedlichen Größenordnungen.

Wie befüllt man eine Plakatfeder? Viele Plakatfedern werden nicht getaucht, sondern mit einem Pinsel zwischen die Metallblätter mit Tusche oder Gouache eingestrichen. So bleibt die Feder lange schreibfähig und kann auch deckende Farben aufnehmen. Bei Acrylfarbe muss die Feder bei Pausen sofort gereinigt werden.

Welche Papiere eignen sich für die Plakatfeder? Für Übungen ist günstiges Kraftpapier oder Zeitungspapier ideal. Für fertige Arbeiten empfiehlt sich Plakatpapier mit mindestens 120 g/m², das nicht wellt und die Farbe gut hält.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. Dorling Kindersley.
  • Mediavilla, Claude (2006): Kalligraphie. Verlag Hermann Schmidt.
  • Gourdie, Tom (1982): Calligraphic Styles. Taplinger Publishing.
  • Benson, John Howard (1955): The First Writing Book: Arrighi's Operina. Yale University Press.
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