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Breitfeder ist ein flaches Kalligrafie-Schreibwerkzeug mit gerader, breiter Schreibkante, das die für Breitschriften typischen Hell-Dunkel-Kontraste allein durch die Federhaltung erzeugt – nicht durch Druck.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Werkzeuge & Materialien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Bandzugfeder, Breitkielfeder, broad-edge nib, broad nib

Was ist eine Breitfeder?

Die Breitfeder ist eine Metallfeder mit gerader, abgeflachter Kante, die im Federhalter steckt und in Tusche getaucht wird. Anders als die Spitzfeder spreizt sich die Breitfeder nicht – die Strichbreite entsteht ausschließlich durch den Winkel, in dem die breite Kante über das Papier geführt wird.

Erklärung

Die Breitfeder ist das klassische Werkzeug der historischen Buchschriften wie Unziale, Karolingische Minuskel, Textura und Italic. Ihre Schreibkante ist je nach Modell zwischen unter einem Millimeter und mehreren Millimetern breit. Wird die Feder in einem konstanten Winkel (typisch 30 bis 45 Grad zur Grundlinie) geführt, entstehen breite Abstriche und dünne Aufstriche – der charakteristische Kontrast der Breitschrift.

Die Bezeichnung „Bandzugfeder" geht auf die deutsche Schreibgerätefirma Brause zurück, deren Bandzugfedern bis heute ein Standard sind. Viele Breitfedern besitzen ein aufgesetztes Tintenreservoir (Blättchen), das die Schreibdauer pro Tauchgang verlängert. Der Federwinkel bleibt beim Schreiben gleich; verändert man ihn, ändern sich Kontrast und Strichcharakter sofort. Genau diese Abhängigkeit macht die Breitfeder zum Lehrwerkzeug Nummer eins für das Verständnis von Schriftkonstruktion. Wer mit der Breitfeder schreibt, lernt, dass die Form der Buchstaben aus dem Werkzeug selbst entsteht.

Beispiele

  • Brause Bandzugfeder: Klassische deutsche Breitfeder in Breiten von 0,5 bis 5 mm, mit Reservoirblättchen.
  • Mitchell Roundhand: Englische Breitfeder-Serie mit separat aufschiebbaren Reservoiren.
  • Speedball C-Serie: In den USA verbreitete Breitfedern für Foundational Hand und Italic.
  • Automatic Pen: Sehr breite Doppelkanten-Breitfeder für Plakate und große Schriften.
  • Unterricht: Anfänger/innen üben Foundational Hand meist mit einer 2- bis 3-mm-Breitfeder.

In der Praxis

Vor dem ersten Gebrauch sollte die Breitfeder entfettet werden (kurz durch eine Flamme ziehen oder mit Spülmittel reinigen), damit die Tusche gleichmäßig fließt. Getaucht wird nur bis knapp über das Reservoir, nicht tiefer. Für gleichmäßige Striche hält man den Federwinkel konstant – Lineaturen und Winkelhilfen unterstützen dabei. Nach dem Schreiben wird die Feder mit Wasser gereinigt und getrocknet, sonst rostet sie. Linkshänder/innen verwenden oft schräg geschnittene („oblique") Breitfedern.

Vergleich & Abgrenzung

Die Breitfeder wird häufig mit der Spitzfeder verwechselt. Beide stecken im selben Halter, funktionieren aber gegensätzlich.

MerkmalBreitfederSpitzfeder
Strichkontrast durchFederwinkelDruck/Spreizung
Spitzegerade, breitspitz, biegsam
Typische SchriftenItalic, Unziale, TexturaKupferstich, Spencerian

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Breitfeder und Spitzfeder? Die Breitfeder erzeugt Strichkontraste durch ihren konstanten Winkel und die breite Kante, die Spitzfeder durch Druck, der die biegsamen Spitzenhälften spreizt. Beide ergeben völlig unterschiedliche Schriftbilder.

Wozu verwendet man eine Breitfeder? Man verwendet die Breitfeder für klassische Breitschriften wie Italic, Foundational Hand, Unziale und gebrochene Schriften. Sie ist das Standard-Lernwerkzeug der kalligrafischen Grundausbildung.

Weiterführend

  • Mediavilla, Claude (2006): Kalligraphie. Vom Schriftzeichen zur Kunst der Schrift. Verlag Hermann Schmidt.
  • Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. Dorling Kindersley.
  • Pott, Gottfried (2005): Kalligrafie. Intensiv Training. Verlag Hermann Schmidt.
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