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AR im Marketing bezeichnet den Einsatz von Augmented-Reality-Technologien, um Kundinnen und Kunden interaktive, immersive Markenerlebnisse zu bieten – von virtuellen Produktanproben bis hin zu erlebnisreichen OOH-Kampagnen.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: AR & VR · Niveau: Einsteiger


Was ist AR im Marketing?

Augmented Reality hat sich zu einem wichtigen Werkzeug im modernen Marketing-Mix entwickelt. Im Gegensatz zu passiven Medien (Banner, TV-Spot) schafft AR eine aktive Interaktion zwischen Konsument und Marke: Nutzerinnen und Nutzer werden zu Teilnehmenden des Erlebnisses, nicht nur zu Empfangenden. Diese Interaktivität erzeugt höhere Markenerinnerung, längere Aufmerksamkeit und stärkere emotionale Bindung.

Eine Studie von Deloitte Digital (2019) zeigt: 88 % der Konsumentinnen möchten AR beim Online-Shopping einsetzen; 40 % würden mehr bezahlen für ein Produkt, das sie via AR ausprobieren konnten. Snap Inc. berichtet, dass AR-Experiences auf Snapchat durchschnittlich 30 Sekunden lang genutzt werden – deutlich über normaler Werbung.


Erklärung

AR-Marketing-Formate

1. Try-On AR (Virtuelle Anprobe) Nutzerinnen können Produkte virtuell anprobieren: Make-up, Brillen, Schmuck, Kleidung, Schuhe. Technisch nutzt das Face- oder Body-Tracking mit 3D-Mesh-Overlay.

2. Product-in-Environment AR (Produkt im Raum) 3D-Modelle von Produkten werden im realen Raum platziert: Möbel auf dem Boden, Elektronik auf dem Tisch, Fahrzeuge in der Einfahrt. Technisch: SLAM-basierte markerlose AR (ARKit/ARCore).

3. Branded AR-Filter auf Social Media Marken erstellen eigene Instagram- oder Snapchat-Filter, die Nutzerinnen im Alltag verwenden und teilen. Mehr zu den technischen Grundlagen im Eintrag AR-Filter für Instagram & Snapchat erstellen.

4. Packaging-AR (Verpackungs-AR) Produktverpackungen werden als Marker erkannt und zeigen Videos, Rezepte, Produktinformationen oder Spiele via App oder WebAR.

5. Out-of-Home AR (OOH-AR) AR-Erlebnisse, die über Plakatstellen, Schaufenster oder öffentliche Oberflächen ausgelöst werden. Spezielle Aufmerksamkeitswirkung durch überraschenden, ortsgebundenen Charakter.

6. WebAR-Kampagnen AR-Erlebnisse ohne App-Download, direkt im Smartphone-Browser über WebXR oder kommerzielle Plattformen (8th Wall). Reduziert die Einstiegshürde drastisch – mehr im Eintrag WebXR: AR/VR im Browser.


Fallstudien

IKEA Place (2017, App Store Bestseller)

IKEA launcht 2017 mit ARKit (iOS 11) eine der ersten erfolgreichen Consumer-AR-Apps: Nutzerinnen platzieren IKEA-Möbel maßstabsgetreu in ihrer eigenen Wohnung. Die App nutzt SLAM-basiertes Tracking für stabile Platzierung auf dem Boden. Ergebnis: Weniger Retouren (Kunden kaufen, was sie virtuell ausprobiert haben), 30 % höhere Kaufbereitschaft bei AR-Nutzern vs. Non-AR-Nutzern.

Snapchat × Pepsi (2019, Pepsi Max Unbelievable)

Pepsi erstellte eine Custom AR-Lens auf Snapchat, die das Snapchat-Logo auf dem Pepsi-Becher erkannte und ein Spiel auslöste. Die Kampagne erzielte über 14 Millionen Lens-Anwendungen in wenigen Tagen. Ausgezeichnet bei Cannes Lions.

L'Oréal Virtuose / NYX Try-On (2020–laufend)

L'Oréal entwickelt über seine AR-Tochter Modiface (akquiriert 2018) Virtual-Try-On-Technologie für Lippenstift, Lidschatten und Haarfarben. Integration in den L'Oréal-Onlineshop, Amazon und Instagram: Nutzerinnen sehen sich mit Produkten in Echtzeit via Kamera, bevor sie kaufen. Modiface berichtet eine Verdopplung der Conversionrate gegenüber Produkten ohne AR-Try-On.

Burberry AR (2020, Google Search)

Burberry integrierte AR-Modelle in Google-Suche: Wer nach Burberry-Produkten suchte, konnte sie per AR-Button im eigenen Raum oder auf dem Körper betrachten – ohne App. Technisch: Google Scene Viewer und model-viewer-Tag. Erste große Luxusmarke mit Google-AR-Integration.

Gucci Snapchat Sneaker Try-On (2020)

Gucci ermöglichte via Snapchat-Lens das virtuelle Anprobieren von Sneakern – an den Füßen der Nutzerin, mit Fußtracking. Die Lens wurde 18,9 Millionen Mal auf Snapchat geteilt. Ein klarer Beleg für das Viral-Potenzial von AR-Mode-Inhalten.

Heinz – Hunt for the Ketchup (2021)

Heinz lancierte eine Kampagne, bei der Nutzerinnen mit einer AR-App den spezifischen Farbton „Heinz-Tomatenrot" (Pantone 485C) in ihrer Umgebung scannten und im Gegenzug Prämien erhielten. Gamification verbunden mit AR – sehr hohe Engagement-Daten.

Volkswagen – AR Konfigurator (2022, WebAR)

VW ermöglichte via 8th Wall (WebAR) einen vollständig browserbasierten 3D-Fahrzeugkonfigurator, der auf dem Smartphone ohne App das Fahrzeug in der realen Umgebung zeigte. Farbe, Felgen, Ausstattung in Echtzeit konfigurierbar. Eliminierung der App-Store-Hürde führte zu deutlich höheren Interaktionszahlen.


In der Praxis

Erfolgsfaktoren für AR-Marketing-Kampagnen:

  1. Klarer Nutzwert für die Konsumentin: Probiere ich wirklich das Produkt aus? Erhalte ich nützliche Information? Mache ich Spaß?
  2. Niedrige Einstiegshürde: WebAR > App-Download; QR-Code-Verlinkung direkt auf AR
  3. Social-Sharing-Design: Ergebnisse müssen so aussehen, dass man sie teilen möchte (ästhetisch, witzig, überraschend)
  4. Markenkonsistenz: AR ist ein Touchpoint der Brand Experience – CI und Ton müssen stimmen
  5. Performance: Lags oder fehlerhafte Tracking-Übertragungen zerstören den Eindruck sofort
  6. Messung: Engagement (Session-Länge), Social Shares, AR-to-Purchase-Conversion als KPIs definieren

Budgetrahmen:

  • Einfacher Snapchat/Instagram-Filter: 3.000–15.000 €
  • WebAR-Kampagne (8th Wall): 15.000–60.000 € inkl. 3D-Asset-Erstellung
  • Eigene AR-App mit vollständigem 3D-Konfigurator: 80.000–500.000 €

Vergleich & Abgrenzung

FormatReichweiteEinstiegshürdeAufwand
Social AR FilterSehr hoch (Instagram/Snap)NiedrigMittel
WebARHoch (Link reicht)Sehr niedrigMittel–Hoch
App-ARMittelHoch (App-Download)Hoch
Packaging-ARMittel (Produktkäufer)MittelNiedrig–Mittel

Häufige Fragen (FAQ)

Welches AR-Format hat die höchste Reichweite? Instagram- und Snapchat-Filter durch die bereits installierten Apps mit Milliarden Nutzenden. WebAR hat das Potenzial für noch breitere Reichweite, da kein App-Download nötig.

Wie messe ich den ROI einer AR-Kampagne? Für Try-On: AR-to-Purchase-Conversionrate vs. Non-AR-Browsern. Für Social AR: Impressions, Shares, Nutzer pro Tag. Für Packaging-AR: App-Opens, Session-Dauer, Folgekäufe.

Ist AR im Marketing nur für große Marken? Nein. Mit Platforms wie Spark AR (kostenlos) und 8th Wall (ab ~50 USD/Monat) können auch kleine Unternehmen und Agenturen AR-Kampagnen umsetzen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Dacko, Scott G. (2016): Enabling Smart Retail Settings via Mobile Augmented Reality Shopping Apps. In: Technological Forecasting and Social Change, 124, S. 243–256.
  • Rauschnabel, Philipp A. u.a. (2019): What is Augmented Reality Marketing? In: Psychology & Marketing, 36(9), S. 860–877.
  • Deloitte Digital (2019): Augmented Shopping: The Quiet Revolution. Deloitte, New York.
  • Snap Inc. (2023): AR is Everywhere: The State of Augmented Reality Report. snap.com/news.
  • Javornik, Ana (2016): Augmented Reality: Research Agenda for Studying the Impact of its Media Characteristics on Consumer Behaviour. In: Journal of Retailing and Consumer Services, 30, S. 252–261.
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