← Zurück zu Mediendesign & Digitale Medien
Augmented Reality (AR) ist eine Technologie, die computererzeugte Inhalte in Echtzeit über das Bild der realen Welt legt und so die Wahrnehmung der Nutzerin oder des Nutzers mit digitalen Informationen anreichert.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: AR & VR · Niveau: Einsteiger


Was ist Augmented Reality?

Augmented Reality (AR) bezeichnet die computergestützte Erweiterung der menschlichen Realwahrnehmung durch digitale Elemente. Im Unterschied zu Virtual Reality bleibt die reale Umgebung sichtbar – digitale Inhalte werden lediglich eingeblendet, überlagert oder in den Raum projiziert. Die Darstellung erfolgt über das Display eines Smartphones, Tablets, einer AR-Brille (z.B. Microsoft HoloLens, Magic Leap) oder – im einfachsten Fall – eine Web-Anwendung im Browser.

AR ist längst kein Nischenthema mehr: Allein die ARKit-Plattform von Apple ist auf über einer Milliarde Geräten aktiv (Apple, 2021). Von Instagram-Filtern über industrielle Wartungsanleitungen bis hin zu medizinischen Overlays – AR-Anwendungen prägen zunehmend den Alltag.

Das Grundprinzip der AR besteht aus drei Schritten: (1) Erkennung der Umgebung durch Kameras und Sensoren, (2) Berechnung der räumlichen Position und Ausrichtung (Tracking), (3) Einblenden digitaler Inhalte in korrekter Perspektive und Skalierung.


Erklärung

Markerbasierte AR

Bei der markerbasierten AR dient ein visuell erkennbarer Anker – ein sogenannter Marker – als Referenzpunkt für die Platzierung digitaler Inhalte. Der Marker ist in der Regel ein gedrucktes Bild, ein QR-Code oder ein speziell gestaltetes Muster. Die AR-Anwendung erkennt diesen Marker über die Kamera, berechnet Position und Orientierung relativ zur Kamera und legt die 3D-Objekte oder Animationen präzise darüber.

Vorteile markerbasierter AR:

  • Sehr hohe Präzision bei der Positionierung
  • Zuverlässiges Tracking auch auf schwacher Hardware
  • Einfache Implementierung (z.B. mit AR.js, Vuforia)
  • Kontrollierbare Platzierung (der Nutzer bringt den Marker mit)

Nachteile:

  • Marker muss physisch vorhanden und sichtbar sein
  • Begrenzte Flexibilität im Raum
  • Ästhetischer Einschränkung durch Marker-Designs

Typische Einsatzfelder: Produktverpackungen mit AR-Erlebnissen, Lernmaterialien, Visitenkarten, Museumsführer, Printmedien mit digitalem Mehrwert.

Wichtige Tools: Vuforia (Unity-Integration), AR.js (WebAR), ZapWorks, Wikitude.

Markerlose AR

Markerlose AR benötigt keinen vordefinierten visuellen Anker. Stattdessen analysieren Algorithmen die Kamerabilder und Sensordaten (Gyroskop, Beschleunigungssensor, Tiefenkamera) in Echtzeit, um die Umgebung zu verstehen und digitale Objekte stabil im Raum zu verankern.

Drei Hauptverfahren der markerlosen AR:

1. Surface Detection (Oberflächenerkennung) Algorithmen erkennen flache Oberflächen (Böden, Tische, Wände) und ermöglichen das Platzieren von 3D-Objekten darauf. Grundlage der meisten Smartphone-AR-Apps (IKEA Place, Google Lens).

2. SLAM (Simultaneous Localization and Mapping) SLAM kartiert die Umgebung gleichzeitig mit der Positionsbestimmung des Geräts. Das System baut eine interne Karte des Raums auf und kann Objekte persistent und stabil darin verankern. SLAM ist die Grundlage von ARKit (Apple) und ARCore (Google).

3. Image Recognition (Bilderkennung) Ein reales Bild oder Objekt (z.B. ein Buchumschlag, ein Gemälde) dient als „natürlicher Marker", ohne explizit als Marker designt zu sein. Die App erkennt das Bild und überlagert es mit Inhalten.

Vorteile markerloser AR:

  • Keine physischen Marker nötig
  • Flexibel einsetzbar in beliebigen Umgebungen
  • Natürlicheres Nutzungserlebnis
  • Ermöglicht große AR-Erlebnisse (Raumskala, Outdoor-AR)

Nachteile:

  • Höhere Rechenanforderungen
  • Tracking kann in schlechten Lichtverhältnissen oder bei eintönigen Oberflächen versagen
  • Weniger präzise als markerbasierte Verfahren bei kleinen Objekten

Beispiele

  • Markerbasiert: Eine Museumskarte enthält gedruckte Marker; die Besucher-App erkennt sie und spielt historische Videos über den jeweiligen Exponaten ab.
  • Markerlos (Surface): IKEA Place (iOS/Android) – Nutzer platzieren Möbel in ihrem Zimmer, indem die App den Boden erkennt.
  • Markerlos (SLAM): Pokémon GO (niantic) – Die AR-Funktion positioniert Pokémon stabil in der erkannten Umgebung.
  • Image Recognition: Die Artivive-App erkennt Kunstwerke in Museen und überlagert sie mit Animationen.

In der Praxis

Für Mediengestaltende beginnt die Arbeit mit AR bei der Entscheidung: Marker oder markerlos? Für kontrollierte, präzise Szenarien (z.B. Produktmarketing, Druckmedien) ist markerbasierte AR oft die bessere Wahl. Für erkundende, raumbasierte Erlebnisse empfiehlt sich SLAM-basierte Lösung.

Wichtige Plattformen und Frameworks:

  • ARKit (Apple, ab iOS 11): State-of-the-Art SLAM für iPhone und iPad
  • ARCore (Google, ab Android 7.0): Äquivalent für Android
  • WebXR (W3C): AR im Browser ohne App-Download – mehr im Eintrag WebXR: AR/VR im Browser
  • Unity AR Foundation: Plattformübergreifende AR-Entwicklung
  • Spark AR (Meta): AR-Filter für Instagram und Facebook – mehr im Eintrag AR-Filter für Instagram & Snapchat erstellen
  • 8th Wall: Professionelle WebAR-Plattform

Die Verbindung von AR mit Marketing und Werbung ist besonders relevant – mehr dazu im Eintrag AR in Marketing & Werbung: Fallstudien.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalMarkerbasiertMarkerlos
AnkerGedruckter Marker/QRUmgebung/Oberfläche
PräzisionSehr hochMittel bis hoch
FlexibilitätGeringHoch
Hardware-AnforderungNiedrigMittel bis hoch
Typische ToolsVuforia, AR.jsARKit, ARCore, Unity AR Foundation

Häufige Fragen (FAQ)

Kann AR ohne App funktionieren? Ja, über WebXR im Browser (z.B. mit 8th Wall oder Google's Modelviewer) sind AR-Erlebnisse ohne App-Download möglich.

Wie gut funktioniert AR im Dunkeln? Markerlose AR degradiert stark bei schlechter Beleuchtung, da die Kamerabild-Analyse fehlschlägt. Tiefensensoren (LiDAR in neueren iPhones) verbessern die Robustheit erheblich.

Was ist LiDAR und warum ist es wichtig für AR? LiDAR (Light Detection and Ranging) misst Abstände mittels Laserpulsen und erstellt präzise Tiefenkarten der Umgebung. In iPhones (ab Pro-Modellen) und iPad Pros verbessert LiDAR die Geschwindigkeit und Qualität des AR-Trackings erheblich.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Schmalstieg, Dieter / Höllerer, Tobias (2016): Augmented Reality: Principles and Practice. Addison-Wesley, Boston.
  • Apple Developer Documentation (2024): ARKit Overview. developer.apple.com.
  • Google Developers (2024): ARCore Overview. developers.google.com/ar.
  • Azuma, Ronald T. (1997): A Survey of Augmented Reality. In: Presence: Teleoperators and Virtual Environments, 6(4), S. 355–385.
  • Krevelen, D.W.F. van / Poelman, R. (2010): A Survey of Augmented Reality Technologies, Applications and Limitations. In: International Journal of Virtual Reality, 9(2), S. 1–20.
← Zurück zu Mediendesign & Digitale Medien
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar
Augmented Reality: Markerbasiert vs. markerlos — Wiki | Lazi Akademie | Lazi Akademie Esslingen