← Zurück zu Messe & Event
Schildmaterialien bestimmen Haltbarkeit, Optik, Gewicht und Nachhaltigkeit eines Leitsystems – die Materialwahl ist eine der kritischsten Entscheidungen in der Produktion.

Rubrik: Messe, Event & Ausstellungsdesign · Unterrubrik: Wayfinding · Niveau: Fortgeschritten


Was sind die wichtigsten Schildmaterialien?

Die Materialwahl für ein Leitsystem beeinflusst nicht nur Optik und Kosten, sondern auch Langlebigkeit, Wartungsaufwand, Beschriftungsverfahren und Nachhaltigkeit. Für permanente Systeme (Krankenhäuser, Flughäfen) gelten andere Anforderungen als für temporäre Messe-Aufbauten oder mobile Event-Systeme.


Erklärung

Aluminium

Aluminium ist der Klassiker unter den Schildträgermaterialien. Eloxiertes oder pulverbeschichtetes Aluminium ist witterungsbeständig, korrosionsfest und gut zu verarbeiten.

Varianten:

  • Aluminiumverbundplatten (Dibond/Alucobond): Zwei dünne Aluminiumdeckschichten, verklebt mit einem Polyethylen-Kern. Sehr leicht (ca. 3 kg/m² bei 3 mm), formstabil, gut zu fräsen und zu beschriften. Preis-Leistungs-Optimum für viele Anwendungen.
  • Massiv-Aluminium (Alu-Sheet): Schwerer als Dibond, aber biegefester und durch Fräsung vollständig gestaltbar. Für hochwertige Türschilder und Design-Elemente.
  • Eloxiertes Aluminium: Anodisiertes Aluminium mit oxidierter Oberfläche in Silber, Gold, Schwarz oder Farbe. Extrem kratzfest, für Außenschilder und hochwertige Innenbeschilderung.

Anwendung: Wegweiser, Wandschilder, Türschilder, Freisteher-Systeme. Gut geeignet für Messe- und Dauereinsatz.

Acrylglas (PMMA / Plexiglas)

Acrylglas (Polymethylmethacrylat) zeichnet sich durch hohe Lichtdurchlässigkeit (92 %, besser als Glas), exzellente Witterungsbeständigkeit und gute Bearbeitbarkeit (Laser, Fräse, Säge) aus.

Varianten:

  • Klares Acryl: Für Hinterleuchtung und stilvolle transparente Schilder
  • Opakes Acryl (gedeckte Farbe): Vollflächig eingefärbtes Material, direkter Druck oder Folie
  • Acrylglas mit UV-Direktdruck: Drucktinte direkt auf das Material aufgedruckt, sehr witterungsbeständig
  • 3 mm / 5 mm / 8 mm Stärken: Gängige Dicken; ab 5 mm selbsttragend für freistehende Verwendung

Anwendung: Wandschilder (Raumbezeichnung), Türschilder, LED-hinterleuchtete Logos, dekorative Leitelemente.

Vorsicht: Acryl splittert bei Beschädigung; für stark frequentierte oder vandalismusgefährdete Standorte weniger geeignet. Kratzer sind sichtbar.

Edelstahl

Edelstahl (V2A/V4A) ist das hochwertigste und dauerhafteste Schildmaterial. Korrosionsbeständig, repräsentativ, schwer und teuer.

Verarbeitung: Laserschnitt, Ätzen, Sandstrahlen, Fräsen, Biegen. Beschriftung durch Siebdruck, Ätzung oder aufgeklebte Folie.

Oberflächen: Gebürstet (Satinato), Hochglanz, gesandstrahlt, pulverbeschichtet. Jede Oberfläche verändert die Wirkung erheblich.

Anwendung: Eingangs-Namensschilder, repräsentative Raumbezeichnungen, Außenschilder, langlebige Wegweiser-Systeme. Standard in hochwertigen Bürogebäuden, Kliniken, Hotels.

Gewicht: Ca. 7–8 kg/m² bei 1,5 mm Stärke → Montage muss entsprechend dimensioniert sein.

Hartschaumplatte (Forex / PVC-Hartschaum)

Hartschaumplatten aus PVC sind das Standard-Material für temporäre Beschilderung. Sehr leicht (ca. 0,5 kg/m² bei 3 mm), günstig, gut digital druckbar.

Vorteile: Extrem kostengünstig, schnell produzierbar, leicht zu montieren (Klemmung, Klebung, Schrauben). Nachteile: Nicht dauerhaft (vergilbt unter UV-Einfluss), nicht repräsentativ, nicht witterungsbeständig für Außeneinsatz.

Anwendung: Temporäre Messe-Schilder, Event-Beschilderung, Wegweiser bei kurzer Laufzeit.

Holzwerkstoffe

MDF (mitteldichte Faserplatte) und Multiplex werden für gestalterisch ambitionierte Leitsysteme eingesetzt. Warm, natürlich, gut fräsbar.

  • MDF: Gut fräsbar, homogen, aber feuchtigkeitsempfindlich. Nur für Innenanwendungen.
  • Birken-Multiplex: Stabiler als MDF, sichtbare Schichtenstruktur an Kanten, dekorativer Effekt.
  • Massivholz: Selten, teuer, für Designobjekte.

Sonstige Materialien

  • Verbundglas / Sicherheitsglas: Hochwertig, schwer, teuer. Für exklusive Empfangsschilder.
  • Keramik: Für Straßen- und Hausnummern im öffentlichen Raum (100+ Jahre Haltbarkeit).
  • Textil / Soft Signage: Bedruckte Stoffe auf Spannrahmen. Leicht, transportierbar, gut für Messe und Events. Wachsende Bedeutung (→ Nachhaltige Materialien in der Signaletik).

Beispiele

  • Krankenhaus-Leitsysteme: Standardmäßig Aluminium (Dibond oder eloxiert) für Wegweiser, Edelstahl für Türschilder, weil diese täglich angefasst werden und Robustheit brauchen.
  • Messe-Beschilderung: Hartschaumplatten für ständig wechselnde Inhalte, Dibond für Dauerschilder (Hallenbezeichnungen, Haupwegweiser).
  • Museums-Beschriftungen: Hochdrucklaminate (HPL) oder Acryl für die Ausstellungsbeschriftung, Edelstahl für permanente Institutionsschilder.

In der Praxis

Die Materialwahl im Projektprozess erfolgt auf Basis von:

  1. Einsatzdauer: Temporär (< 1 Jahr) → Hartschaum/Folie; Semi-permanent (1–10 Jahre) → Dibond/Acryl; Permanent → Edelstahl/Aluminium massiv
  2. Umgebung: Innen / Außen / Feuchtbereich (Bäder, Küchen → V4A Edelstahl oder spezielle Außenqualitäten)
  3. Budget: Hartschaum am günstigsten, Edelstahl und Glas am teuersten
  4. Optik und Positionierung: Hochwertige Umgebungen verlangen entsprechendes Material

Vergleich & Abgrenzung

MaterialLebensdauerKostenEinsatz
Hartschaum (PVC)1–3 JahreSehr geringTemporär, Event
Dibond (Alu-Verbund)10–20 JahreMittelMesse, Büro, Klinik
Elox. Aluminium20+ JahreMittel-HochAußen, hochwertig
Acrylglas10–15 JahreMittelInnen, dekorativ
Edelstahl50+ JahreHochRepräsentativ, außen

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist Dibond? Dibond ist ein eingetragenes Markenzeichen der Firma 3A Composites für ihre Aluminiumverbundplatte. Es hat sich zum Gattungsbegriff entwickelt. Ähnliche Produkte: Alucobond (Arconic), Reynolds Composites.

Welches Material eignet sich am besten für Messen? Für die temporäre Nutzung bei Messen ist Hartschaum (3 mm Forex) das kostenoptimale Material. Für Dauerschilder (Hallenkennzeichnung) ist Dibond 3 mm die erste Wahl. Beide Materialien sind mit Digitaldruck und Folie beschriftbar.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Böhm, Thomas; Bohle, Dorothea (2020): Handbuch Beschriftungstechnik. Grafische Betriebe Fachverlag, Stuttgart.
  • 3A Composites (2022): Verarbeitungshinweise Dibond. Technisches Datenblatt, Bad Wimpfen.
  • Calori, Chris; Vanden-Eynden, David (2015): Signage and Wayfinding Design. Wiley, Hoboken.
  • Bundesverband Druck und Medien (2021): Materialhandbuch Digitaldruck. BVDM, Wiesbaden.
← Zurück zu Messe & Event
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar