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Leitsystem-Design ist die systematische Planung und visuelle Gestaltung aller Orientierungselemente in einem Raum – von Wegweisern und Raumbezeichnungen bis hin zu Bodenmarkierungen und digitalen Displays.

Rubrik: Messe, Event & Ausstellungsdesign · Unterrubrik: Wayfinding · Niveau: Fortgeschritten


Was ist Leitsystem-Design?

Ein Leitsystem ist die physische und gestalterische Manifestation eines Wayfinding-Konzepts. Es handelt sich um ein ganzheitliches Kommunikationssystem, das Menschen in einem definierten Raum zuverlässig von Eingang bis Ziel führt. Professionelles Leitsystem-Design verbindet Informationsarchitektur, Typografie, Farbkonzepte, Materialwahl und Montagelösungen zu einer kohärenten Einheit.

Der Begriff kommt aus dem Deutschen und hat im internationalen Fachdiskurs Eingang gefunden; im Englischen spricht man von Environmental Graphic Design (EGD) oder Signage System Design. Die Society for Environmental Graphic Design (SEGD) ist die weltweit wichtigste Berufsorganisation für dieses Fachgebiet.


Erklärung

Strukturebenen eines Leitsystems

Ein professionelles Leitsystem arbeitet auf mindestens drei Ebenen:

1. Makroebene – Orientierung im Gesamtgebäude: Eingangs-Schilder, Übersichtspläne, Geländekarten, Hauptwegweiser. Diese Elemente orientieren beim ersten Betreten und geben die Gesamtstruktur vor.

2. Mesoebene – Bereichsidentifikation: Bereichs- und Etagen-Schilder, Farbzonen, Raumgruppen-Bezeichnungen. Die Mesoebene unterteilt das Gebäude in logische, erkennbare Einheiten.

3. Mikroebene – Raumidentifikation und Handlung: Türschilder, Raumbezeichnungen, Pfeile, Notausgangsschilder, Bodenmarkierungen. Hier erfolgt die letzte Entscheidung des Nutzers.

Diese Hierarchie ist entscheidend: Fehlt eine Ebene oder widersprechen sich Informationen zwischen den Ebenen, bricht das System zusammen.

Der Designprozess

Der Prozess eines professionellen Leitsystem-Designs gliedert sich nach Mollerup (2005) und Gibson (2009) in folgende Phasen:

  1. Analyse: Raumstruktur erfassen, Nutzerpfade kartieren, Stakeholder-Interviews, bestehende Probleme dokumentieren. Methoden: Begehungsprotokoll, Cognitive Mapping-Workshops, Beobachtungsstudien.
  2. Konzept: Informationsarchitektur entwickeln, Typologien der Schilderarten festlegen, Zonenkonzept erarbeiten.
  3. Gestaltung: Typografie, Farbe, Piktogramme, Materialien festlegen. Alle Elemente müssen dem Corporate Design des Auftraggebers entsprechen und Barrierefreiheit nach DIN 18040 gewährleisten.
  4. Prototyping: Physische Mock-ups im Maßstab 1:1 testen, Nutzertests durchführen, Lesbarkeit auf Distanz prüfen.
  5. Ausschreibung & Produktion: Technische Zeichnungen, Materialspezifikationen, Fertigungsunterlagen.
  6. Montage: Montageplanung, Koordination mit Architektur und Bauleitung.
  7. Evaluierung: Nach Inbetriebnahme Nutzerbeobachtung, Fehlerbehebung, Dokumentation.

Typologien von Leitsystem-Elementen

  • Richtungsweiser (Directional Signs): Wegweiser mit Pfeil und Zielangabe
  • Identifikationsschilder (Identification Signs): Benennen einen Raum oder Bereich
  • Informationsschilder (Informational Signs): Lagepläne, Öffnungszeiten, Notfallinformationen
  • Regulatorische Schilder (Regulatory Signs): Verbots- und Gebotsschilder, Sicherheitshinweise
  • Dekorative Schilder: Branding-Elemente, Willkommensbotschaften

Beispiele

  • Neue Messe München: Das Leitsystem des Münchener Messegeländes leitet jährlich Millionen Besucher durch 18 Messehallen mit einem konsistenten Farbzonen-Konzept.
  • Bundestagsgebäude Berlin: Das von Moniteurs gestaltete Leitsystem verbindet historische Architektur mit moderner Informationsgestaltung.
  • Hamburger Flughafen: Dreisprachiges System (Deutsch, Englisch, Arabisch) mit ICAO-konformen Piktogrammen und hohem Kontrast für internationale Reisende.

In der Praxis

Im Messekontext ist Zeit kritisch: Besucher haben oft nur wenige Stunden und wollen keinen Moment mit Orientierungssuche verschwenden. Leitsystem-Planung beginnt idealerweise parallel zur Hallenplanung, damit Montagesysteme für Schilder & Displays und Schilderstandorte in die Bauplanung einfließen können.

Temporäre Messen erfordern modular aufgebaute Montagesysteme für Schilder & Displays, die schnell auf- und abgebaut werden können. Hier kommen häufig Klemmsysteme, Spannseile und freistehende Displays zum Einsatz. Die Materialwahl beeinflusst Gewicht, Stabilität und Wiederverwendbarkeit entscheidend.


Vergleich & Abgrenzung

AspektLeitsystemBeschilderungCorporate Signage
UmfangGanzheitliches SystemEinzelne SchilderMarkenkommunikation im Raum
PlanungStrategisch, konzeptionellReaktiv, bedarfsorientiertMarkenstrategisch
ZielOrientierungInformationIdentifikation/Werbung
Lebensdauer10–20 JahreVariabel3–10 Jahre

Häufige Fragen (FAQ)

Wer gestaltet ein Leitsystem professionell? Environmental Graphic Designer, Kommunikationsdesigner mit Spezialisierung auf Signaletik, oder interdisziplinäre Teams aus Architekten, Designern und Typografen.

Was kostet ein Leitsystem? Die Spanne ist enorm: Kleine Gebäude beginnen ab 10.000 €, komplexe Krankenhäuser oder Flughäfen können mehrere Millionen Euro erreichen. Maßgeblich sind Anzahl der Schilder, Materialqualität und gestalterischer Aufwand.

Wie lange hält ein Leitsystem? Hochwertige Leitsysteme sind für 15–20 Jahre ausgelegt, wenn Materialien und Montagesysteme entsprechend gewählt werden. Temporäre Event-Systeme sind auf Tage bis Wochen ausgelegt.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Mollerup, Per (2005): Wayshowing: A Guide to Environmental Signage Principles and Practices. Lars Müller Publishers, Baden.
  • Gibson, David (2009): The Wayfinding Handbook. Princeton Architectural Press, New York.
  • Calori, Chris; Vanden-Eynden, David (2015): Signage and Wayfinding Design. Wiley, Hoboken.
  • Society for Environmental Graphic Design (SEGD): SEGD Design Standards. Washington D.C., laufend aktualisiert.
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