Barock und Rokoko bezeichnen die höfische Mode des 17. und 18. Jahrhunderts, geprägt von Pracht, Reifröcken, Spitzen, Perücken und verspielter Eleganz.
Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modegeschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: höfische Mode, Mode des Absolutismus, baroque and rococo fashion
Was ist die Mode von Barock und Rokoko?
Barock und Rokoko umfassen die Kleidung der absolutistischen Höfe Europas. Der Barock (17. Jh.) setzte auf schwere Pracht, das Rokoko (18. Jh.) auf leichtere, verspielte Eleganz mit Pastelltönen und feinen Verzierungen.
Erklärung
Die Mode von Barock und Rokoko war eng mit dem höfischen Leben verbunden, insbesondere mit dem französischen Hof unter Ludwig XIV. und seinen Nachfolgern. Der Barock brachte dramatische, opulente Formen: Männer trugen Justaucorps (lange Röcke), Spitzenkragen und Allongeperücken, Frauen schwere Roben mit weiten Röcken. Pracht und Würde standen im Vordergrund — Versailles wurde zum Maßstab der europäischen Mode.
Das Rokoko verfeinerte diese Pracht zu spielerischer Leichtigkeit. Charakteristisch wurde die Robe à la française mit Watteaufalten im Rücken, getragen über einem seitlich ausladenden Reifrock (Panier). Pastellfarben, Blumenmuster, Spitzen, Schleifen und aufwändige Frisuren prägten das Bild. Das Korsett formte die Taille, während der Reifrock die Hüften extrem verbreiterte — die Silhouette wirkte breit und flach von vorn.
Beide Epochen verband ein enormer Materialaufwand: Seide, Brokat, Spitze und Stickereien zeigten Reichtum. Die Mode von Barock und Rokoko war ein Instrument der Repräsentation und der höfischen Etikette und endete erst mit der Französischen Revolution, die schlichtere Stile durchsetzte.
Beispiele
- Beispiel 1: Der Justaucorps Ludwigs XIV. mit reich besticktem Stoff und Spitzenmanschetten.
- Beispiel 2: Die Robe à la française mit rückwärtigen Watteaufalten.
- Beispiel 3: Der seitlich ausladende Reifrock (Panier) am Hof von Versailles.
- Beispiel 4: Die hochgetürmten Pouf-Frisuren der Marie Antoinette.
- Beispiel 5: Die Allongeperücke barocker Adliger als Statussymbol.
In der Praxis
Barock- und Rokoko-Kostüme sind in Oper, Theater und historischem Film gefragt. Der Bau eines Reifrocks und das korrekte Schnüren des Korsetts sind dabei aufwändig. Authentische Stoffe sind Seide und Brokat. Gemälde von Antoine Watteau und François Boucher sowie erhaltene Roben in Museen wie dem Palais Galliera dienen Kostümbildner/innen als Referenz.
Vergleich & Abgrenzung
Barock und Rokoko werden oft gleichgesetzt, unterscheiden sich aber: Der Barock ist schwerer und prächtiger, das Rokoko leichter, verspielter und pastellfarben.
| Merkmal | Barock | Rokoko |
|---|---|---|
| Stimmung | Schwer, prächtig | Leicht, verspielt |
| Farben | Kräftig, golden | Pastell |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Barock- und Rokoko-Mode? Die Barockmode des 17. Jahrhunderts war schwer und prachtvoll, während die Rokokomode des 18. Jahrhunderts leichter, verspielter und mit Pastelltönen sowie feinen Verzierungen gestaltet war.
Was ist ein Reifrock? Ein Reifrock (Panier) ist ein Gestell aus Reifen, das den Rock seitlich oder rundum ausweitet und der Silhouette in Barock und Rokoko ihre charakteristische Breite verlieh.
Weiterführend
- Ribeiro, Aileen (2002): Dress in Eighteenth-Century Europe 1715–1789. Yale University Press.
- Loschek, Ingrid (2005): Reclams Mode- und Kostümlexikon. Reclam, Stuttgart.
- Boucher, François (1996): 20.000 Years of Fashion. Harry N. Abrams, New York.

