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Mode des 19. Jahrhunderts bezeichnet die Kleidungsentwicklung von 1800 bis 1900 — vom schlichten Empire-Stil über die Krinoline bis zur Tournüre.

Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modegeschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: viktorianische Mode, Mode des Industriezeitalters, 19th century fashion

Was ist die Mode des 19. Jahrhunderts?

Die Mode des 19. Jahrhunderts umfasst rasch wechselnde Silhouetten innerhalb eines einzigen Jahrhunderts: vom hochtaillierten Empire-Kleid über die weite Krinoline bis zur rückwärts ausladenden Tournüre. Industrialisierung und Nähmaschine veränderten die Herstellung grundlegend.

Erklärung

Die Mode des 19. Jahrhunderts lässt sich in mehrere Phasen gliedern. Um 1800 dominierte der Empire-Stil: hochgesetzte Taille direkt unter der Brust, schlichte, fließende Kleider nach antikem Vorbild. Es folgte das Biedermeier (ca. 1815–1848) mit wieder tiefergesetzter Taille, Schinkenärmeln und glockigen Röcken.

Ab Mitte des Jahrhunderts wuchs die Rockweite enorm — gestützt durch die Krinoline, ein Reifgestell. In den 1870er- und 1880er-Jahren verlagerte sich das Volumen nach hinten zur Tournüre (Cul de Paris). Das Korsett blieb das ganze Jahrhundert hindurch zentral und formte die Sanduhr-Silhouette der viktorianischen Mode.

Prägend war die Industrialisierung: Die Nähmaschine (ab den 1850ern) und die aufkommende Konfektionskleidung machten Mode breiteren Schichten zugänglich. In Paris begründete Charles Frederick Worth die Haute Couture und damit den modernen Modedesigner. Die Mode des 19. Jahrhunderts steht damit am Übergang von handwerklicher Maßanfertigung zur industriellen Bekleidungsproduktion.

Beispiele

  • Beispiel 1: Das hochtaillierte Empire-Kleid um 1805 nach antikem Vorbild.
  • Beispiel 2: Die Schinkenärmel und glockigen Röcke des Biedermeier.
  • Beispiel 3: Die ausladende Krinoline der 1860er-Jahre.
  • Beispiel 4: Die rückwärtige Tournüre (Cul de Paris) der 1880er.
  • Beispiel 5: Charles Frederick Worths erste Pariser Haute-Couture-Modelle.

In der Praxis

Die Mode des 19. Jahrhunderts ist im Kostümfilm allgegenwärtig — von Jane-Austen-Verfilmungen (Empire) bis zu viktorianischen Dramen. Kostümbildner/innen müssen die Unterstützungskonstruktionen (Korsett, Krinoline, Tournüre) korrekt nachbauen, da sie die Silhouette bestimmen. Modejournale wie „Le Follet" und erhaltene Originale dienen als Quellen.

Vergleich & Abgrenzung

Die Mode des 19. Jahrhunderts wird oft mit der Belle Époque verwechselt, die als Übergangsphase bereits ins frühe 20. Jahrhundert hineinreicht.

MerkmalMode 19. Jh.Belle Époque
Zeitraum1800–1900ca. 1890–1914
SilhouetteWechselnd (Krinoline, Tournüre)S-Kurve

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Silhouetten prägten die Mode des 19. Jahrhunderts? Nacheinander dominierten die hohe Empire-Taille, das glockige Biedermeier, die weite Krinoline und schließlich die rückwärtige Tournüre — das Jahrhundert kannte also mehrere stark unterschiedliche Silhouetten.

Wie veränderte die Industrialisierung die Mode? Die Nähmaschine und die Konfektionsproduktion machten Kleidung schneller und günstiger herstellbar, sodass modische Kleidung erstmals auch breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich wurde.

Weiterführend

  • Foster, Vanda (1984): A Visual History of Costume: The Nineteenth Century. Batsford, London.
  • Steele, Valerie (1985): Fashion and Eroticism. Oxford University Press.
  • Loschek, Ingrid (2005): Reclams Mode- und Kostümlexikon. Reclam, Stuttgart.
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