Korsett und Krinoline sind formgebende Unterkonstruktionen historischer Mode: Das Korsett schnürte die Taille, die Krinoline weitete den Rock zur Glockenform.
Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modegeschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Schnürmieder, Reifrock, Krinolinengestell, corset and crinoline
Was sind Korsett und Krinoline?
Korsett und Krinoline sind die wichtigsten formgebenden Hilfsmittel der historischen Damenmode. Das Korsett formte den Oberkörper und verschmälerte die Taille, während die Krinoline als Reifgestell dem Rock Weite und Volumen gab.
Erklärung
Das Korsett (auch Schnürmieder) ist ein versteiftes, eng geschnürtes Kleidungsstück für den Oberkörper. Es war vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert das zentrale Mittel, um die modisch geforderte schmale Taille und eine aufrechte Haltung zu erzeugen. Versteift wurde es mit Fischbein (Barten des Wals), später mit Stahl. Es schuf die berühmte Sanduhr-Silhouette der viktorianischen Mode.
Die Krinoline ergänzte das Korsett als Unterkonstruktion für den Rock. Ursprünglich aus rosshaarverstärktem Stoff, ab 1856 als leichtes Reifgestell aus Stahlbändern gefertigt, ersetzte sie die zahlreichen schweren Unterröcke und ermöglichte enorm weite Glockenröcke. In ihrer Hochphase um 1860 erreichten Krinolinen mehrere Meter Umfang.
Korsett und Krinoline arbeiteten zusammen: Das Korsett verengte oben, die Krinoline weitete unten — der Kontrast ließ die Taille noch schmaler wirken. Mit dem Aufkommen der Tournüre verlagerte sich das Volumen nach hinten, und im frühen 20. Jahrhundert verschwanden beide schrittweise zugunsten bequemerer, reformierter Kleidung.
Beispiele
- Beispiel 1: Das fischbeinverstärkte Korsett des Barock zur Erzeugung einer kegelförmigen Oberkörperform.
- Beispiel 2: Die viktorianische Sanduhr-Silhouette durch enges Schnüren.
- Beispiel 3: Die stählerne Reifkrinoline ab 1856 als Massenprodukt.
- Beispiel 4: Die ausladenden Glockenröcke der 1860er-Jahre.
- Beispiel 5: Das Reformkleid um 1900 als Gegenbewegung zum Korsettzwang.
In der Praxis
Im historischen Kostümbau sind Korsett und Krinoline unverzichtbar, da sie die korrekte Silhouette erzeugen. Moderne Repliken nutzen Stahlspiralstäbe statt Fischbein. Beim Anfertigen ist exakte Maßnahme entscheidend. Erhaltene Stücke in Museen und zeitgenössische Schnittbücher dienen Schneider/innen und Kostümbildner/innen als Vorlage. Auch in der Burlesque- und Brautmode lebt das Korsett bis heute fort.
Vergleich & Abgrenzung
Korsett und Krinoline werden oft verwechselt, sind aber funktional verschieden: Das Korsett formt den Oberkörper, die Krinoline den Rock.
| Merkmal | Korsett | Krinoline |
|---|---|---|
| Körperzone | Oberkörper/Taille | Rock/Hüfte |
| Wirkung | Verschmälert | Verbreitert |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Korsett und Krinoline? Das Korsett ist ein geschnürtes Mieder für den Oberkörper, das die Taille verschmälert; die Krinoline ist ein Reifgestell für den Rock, das diesem Weite und eine Glockenform verleiht.
Wann wurden Korsett und Krinoline getragen? Das Korsett war vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert verbreitet, die Reifkrinoline vor allem zwischen 1850 und 1870, bevor die Tournüre und später bequemere Mode sie ablösten.
Weiterführend
- Steele, Valerie (2001): The Corset: A Cultural History. Yale University Press.
- Waugh, Norah (1954): Corsets and Crinolines. Routledge, London.
- Loschek, Ingrid (2005): Reclams Mode- und Kostümlexikon. Reclam, Stuttgart.

