Ein Content-Brief ist ein schriftliches Auftrags- und Arbeitsdokument, das einer Autorin oder einem Autor alle notwendigen Informationen liefert, um einen Inhalt zu erstellen, der strategischen, redaktionellen und SEO-Anforderungen entspricht.
Rubrik: Online-Marketing & Content · Unterrubrik: Content-Strategie · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Redaktionsbriefing, SEO-Brief, Content-Briefing, Texter-Brief
Was ist ein Content-Brief?
Ein Content-Brief ist das Verbindungsglied zwischen Strategie und Umsetzung. Er übersetzt die Anforderungen der Content-Strategie in konkrete Vorgaben für die Person, die den Inhalt tatsächlich erstellt – intern oder extern.
Schlechte oder fehlende Briefs sind eine der häufigsten Ursachen für qualitativ unzureichenden Content. Wenn Autorinnen und Autoren Thema, Zielgruppe, Ton und SEO-Anforderungen selbst interpretieren müssen, entstehen Inhalte, die nicht zur Strategie passen und oft aufwändig überarbeitet werden müssen.
Ein guter Content-Brief spart Zeit und Geld: Weniger Überarbeitungsschleifen, klarere Erwartungen, bessere Ergebnisse.
Erklärung
Bestandteile eines vollständigen Content-Briefs
1. Basics und Kontext
- Arbeitstitel des Artikels
- Veröffentlichungskanal (Blog, Newsletter, Whitepaper, Social Media)
- Ziel des Inhalts: Was soll er bewirken? (Informieren, Konvertieren, Binden, SEO-Rankings)
- Zielperson: Welche Buyer Persona soll angesprochen werden?
- Phase der Customer Journey: Awareness, Consideration oder Decision?
- Wortanzahl (Zielkorridore, z. B. 1.200–1.800 Wörter)
2. SEO-Vorgaben
- Fokus-Keyword (Primary Keyword): das Hauptkeyword, auf das optimiert wird
- Sekundäre Keywords und LSI-Begriffe (semantisch verwandte Begriffe)
- Suchintention: Was erwartet ein Nutzer, der dieses Keyword sucht? (Informational, Navigational, Transactional, Commercial)
- Empfohlenes Keyword-Placement: Titel, H1, erste 100 Wörter, Meta-Description
- Interne Links: Welche anderen Seiten der Website sollen verlinkt werden?
- Empfohlene externe Links: seriöse Quellen, Studien, Referenzen
3. Inhaltliche Vorgaben
- Thesenpapier oder Gliederungsentwurf: Welche Aspekte sollen abgedeckt werden?
- Pflichtthemen (Must Haves): Inhalte, die zwingend enthalten sein müssen
- Vermeidungsthemen (No Goes): Themen, die aus strategischen oder rechtlichen Gründen ausgelassen werden sollen
- Quellenangaben: Studien, Expertenmeinungen, Datenpunkte, die eingebaut werden sollen
- Konkurrierende Inhalte: URLs von Konkurrenz-Artikeln als Vergleich und Orientierung
4. Tone of Voice und Stil
- Sprachliche Ebene: Du oder Sie? Formal oder locker?
- Tonalität: sachlich-informativ, inspirierend, humorvoll, empathisch, direkt?
- Schreibstil: kurze Sätze, einfache Sprache (Flesch-Score-Ziel) oder akademisch-komplex?
- Besonderheiten: Fachbegriffe erklären oder voraussetzen? Abkürzungen erlaubt?
- Verbotene Begriffe oder Phrasen (Corporate-Language-Regeln)
5. Formale Vorgaben
- Deadline (Erstversion) und Deadline (finale Version nach Review)
- Zuständige reviewende Person
- Abgabeformat: Google Doc, Word, direkt im CMS?
- Bildvorgaben: Soll der Autor eigene Bilder einfügen? Welche Alt-Texte?
- Meta-Title und Meta-Description: Vorgaben oder Spielraum für den Autor?
6. Call-to-Action
- Was soll die Leserin oder der Leser am Ende tun?
- Welche CTA-Option wird verlinkt (Newsletter, Kontaktformular, Download)?
- Wo soll der CTA platziert werden?
Gute vs. schlechte Briefs im Vergleich
Schlechtes Briefing: „Schreib einen Artikel über Content Marketing, ca. 1.000 Wörter, für unser Blog."
Gutes Briefing: „Erstelle einen Ratgeberartikel (1.500–2.000 Wörter) für unseren Blog. Fokus-Keyword: 'Content Brief erstellen' (800 monatliche Suchanfragen, Suchintention: how-to). Zielgruppe: Marketing-Managerinnen in KMUs (Persona Martina). Journey-Phase: Consideration. Die Gliederung soll mindestens abdecken: Was ist ein Content Brief, Bestandteile, Template. CTA: Download unseres Content-Brief-Templates. Ton: professionell, aber zugänglich (Du-Ansprache). Deadline: Freitag, 17 Uhr. Abgabe als Google Doc, Link an Lisa."
In der Praxis
Vorlage verwenden: Eine standardisierte Content-Brief-Vorlage im Redaktionskalender oder als Notion-Dokument beschleunigt den Briefing-Prozess und stellt sicher, dass keine Pflichtfelder vergessen werden.
SEO-Brief automatisieren: Tools wie Surfer SEO, Frase.io oder Clearscope generieren KI-gestützte Inhalts-Empfehlungen basierend auf den Top-Ranking-Seiten eines Keywords. Sie können den SEO-Teil des Briefs erheblich beschleunigen.
Brief-Review: Bevor ein Brief an Externe gesendet wird, sollte er kurz auf Vollständigkeit geprüft werden. Ein 10-minütiger Check verhindert stundenlange Überarbeitungen.
Vergleich & Abgrenzung
| Dokument | Zweck | Detailtiefe |
|---|---|---|
| Content-Brief | Anweisung für einzelne Content-Einheit | Hoch (spezifisch) |
| Redaktionsrichtlinien | Allgemeine Stil- und Qualitätsregeln | Mittel (allgemein) |
| Content-Strategie-Dokument | Übergeordnete Ziele und Rahmenbedingungen | Niedrig (strategisch) |
| Redaktionskalender | Planung und Terminierung | Niedrig bis mittel |
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lang sollte ein Content-Brief sein? Zwischen einer halben und zwei Seiten. Zu kurze Briefs lassen zu viel Interpretation offen; zu lange Briefs werden nicht gelesen. Eine strukturierte Vorlage mit Pflichtfeldern ist das beste Format.
Sollte ich auch für interne Autorinnen und Autoren einen Brief schreiben? Unbedingt – besonders wenn mehrere Personen Content erstellen. Interne Briefs sichern Konsistenz und ersparen mündliche Abstimmungsrunden.
Was ist der Unterschied zwischen einem Content-Brief und einem SEO-Brief? Ein SEO-Brief fokussiert ausschließlich auf Suchmaschinenoptimierungs-Anforderungen (Keywords, Struktur, Meta-Daten). Ein vollständiger Content-Brief integriert SEO, aber ergänzt ihn um strategische, inhaltliche und stilistische Vorgaben.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Handley, Ann: Everybody Writes, Wiley, 2014
- Sugarman, Joe: The Adweek Copywriting Handbook, Wiley, 2007
- Surfer SEO: How to Write an SEO Content Brief, surferseo.com/blog, 2023
- HubSpot: How to Write a Creative Brief, blog.hubspot.com
