Redaktionsplan ist ein strukturiertes Planungsdokument, das Themen, Formate, Kanäle, Frequenzen und Verantwortlichkeiten für die Social-Media-Kommunikation eines Unternehmens über einen definierten Zeitraum festlegt.
Was ist ein Redaktionsplan?
Der Redaktionsplan – im englischen Sprachraum als Editorial Plan oder Editorial Calendar bezeichnet – bildet die thematisch-strukturelle Planungsebene oberhalb des operativen Content-Kalender erstellens. Während der Content-Kalender einzelne Posts verwaltet, definiert der Redaktionsplan den übergeordneten Rahmen: Welche Themen werden in welchem Zeitraum behandelt? Welche Formate kommen zum Einsatz? Wer ist verantwortlich?
Ursprünglich aus der Print-Redaktion stammend (Zeitschriften, Zeitungen), hat der Redaktionsplan sich als Konzept vollständig auf digitale und Social-Media-Kommunikation übertragen und ist heute Standard in professionellen Marketing-Teams.
Erklärung
Ein Redaktionsplan für Social Media enthält typischerweise drei Ebenen:
Ebene 1 – Strategische Ebene (Quartal/Jahr)
- Übergeordnete Themenfelder und Kampagnenphasen
- Saisonale Schwerpunkte (z. B. Sommer-Aktion, Weihnachten)
- Geplante Produktlaunches, Events oder Messen
- Content-Mix nach Content Pillars (Inhaltssäulen)
Ebene 2 – Taktische Ebene (Monat)
- Konkrete Themenblöcke pro Woche
- Format-Mix (Reels, Carousel, Story, Text)
- Geplante Kooperationen oder UGC-Aktionen (siehe UGC – User Generated Content)
- Kampagnen-Start und -Ende
Ebene 3 – Operative Ebene (Woche)
- Einzelne Beiträge mit Datum, Zeit, Caption-Entwurf
- Verantwortlichkeiten: Autor, Grafik, Freigabe
- Status-Tracking
- Hashtag-Auswahl (siehe Hashtag-Strategie)
Verantwortlichkeiten im Redaktionsplan: In Teams werden Rollen klar zugewiesen:
- Content Creator (Text, Bild, Video)
- Designer (Grafik-Assets)
- Social Media Manager (Koordination, Publishing)
- Freigabe (Teamleitung, Abteilung, ggf. Rechtsabteilung bei sensiblen Themen)
Beispiele
Beispiel: Monatlicher Redaktionsplan für eine Modemarke
| KW | Thema | Format | Kanal | Verantwortlich |
|---|---|---|---|---|
| KW 1 | Frühjahrsneuheiten | Reels, Carousel | Lena (CM) | |
| KW 2 | Behind the Scenes | Stories, Video | Instagram, TikTok | Max (Video) |
| KW 3 | Kundenstimmen | UGC-Reposts | Lena (CM) | |
| KW 4 | Produkt-Feature | LinkedIn-Artikel | Maria (Texter) |
Beispiel: Redaktionsplan einer B2B-Agentur
- Wöchentlicher Thought-Leadership-Artikel auf LinkedIn
- Zweiwöchentlicher Case-Study-Post
- Monatlicher "State of the Industry"-Content
- Quartalsweise: Whitepaper-Release mit begleitender Content-Serie
In der Praxis
Schritt 1: Ziele und Strategie ableiten Der Redaktionsplan muss aus der übergeordneten Content-Strategie – Grundlagen abgeleitet sein. Ohne strategischen Rahmen ist der Plan nur eine Beschäftigungsliste.
Schritt 2: Themen-Inventar erstellen Brainstorming aller möglichen Themen, dann Priorisierung nach Relevanz, Aktualität und strategischem Fit. Tools: Miro, Notion, Trello oder einfache Mind-Maps.
Schritt 3: Redaktionskonferenz einführen In professionellen Teams findet wöchentlich oder zweiwöchentlich eine Redaktionskonferenz statt. Agenda: Review der letzten Woche (Performance via Social Media KPIs & Kennzahlen), Planung der nächsten Wochen, Ressourcenabgleich.
Schritt 4: Freigabeprozess definieren Kritisch: Wer muss welche Inhalte freigeben? Klare Prozesse verhindern Verzögerungen. Bei sensiblen Branchen (Finanzen, Gesundheit, Recht) ist eine rechtliche Prüfung oft notwendig.
Schritt 5: Retrograde Planung Wichtig für aufwändige Inhalte: Vom Veröffentlichungsdatum rückwärts planen. Ein Reels-Video braucht ggf. Dreh (2 Tage vorher), Schnitt (1 Tag), Review (1 Tag) – also 4 Tage Vorlaufzeit.
Vergleich & Abgrenzung
| Begriff | Beschreibung |
|---|---|
| Redaktionsplan | Thematisch-strukturelle Planung (Monate/Quartale) |
| Content-Kalender erstellen | Operative Post-für-Post-Planung (Tage/Wochen) |
| Content-Strategie – Grundlagen | Übergeordneter strategischer Rahmen |
| Projektplan | Projekt-spezifische Milestone-Planung |
Häufige Verwechslung: Redaktionsplan und Content-Kalender werden oft synonym verwendet. In professionellen Kontexten gilt: Der Redaktionsplan ist die Konzeptebene, der Content-Kalender die Umsetzungsebene.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich für jeden Kanal einen eigenen Redaktionsplan erstellen? Nein – empfohlen ist ein kanalübergreifender Masterplan mit kanalspezifischen Bereichen oder Filtern. Das verhindert Doppelplanung und fördert plattformübergreifende Konsistenz.
Wie flexibel sollte der Plan sein? Als Faustregel: 70 % geplante Inhalte, 30 % Puffer für Spontan-Content, Trends (z. B. Newsjacking) und kurzfristige Reaktionen.
Brauche ich spezielle Software? Nein. Google Sheets oder Excel reichen für den Start. Mit wachsender Teamgröße lohnen sich Tools wie Notion, Airtable oder spezialisierte Social-Media-Management-Lösungen (vgl. Social Media Tools im Vergleich (Buffer, Hootsuite, Later)).
Verwandte Einträge
- Content-Kalender erstellen
- Content-Strategie – Grundlagen
- Content Pillars (Inhaltssäulen)
- Social Media KPIs & Kennzahlen
- Social Media Tools im Vergleich (Buffer, Hootsuite, Later)
Weiterführend
- Zerfaß, Ansgar: Unternehmenskommunikation und Kommunikationsmanagement. Springer VS, 2. Aufl. 2019.
- Sprout Social: Index Report 2023 – Content Planning. sproutsocial.com/insights
- Contently: The Content Strategist – Editorial Planning Guide. 2023.
- HubSpot: Free Editorial Calendar Templates. blog.hubspot.com, 2024.
