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Pentagram (gegründet 1972) ist das weltweit bekannteste und einflussreichste unabhängige Designstudio, das als Partnerschaftsmodell ohne klassische Unternehmenshierarchie operiert.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Grafikdesigner & Studios · Niveau: Einsteiger

Was ist Pentagram?

Pentagram ist kein gewöhnliches Designunternehmen, sondern eine Partnerschaft: Jeder Partner bringt sein eigenes Büro, seine eigenen Klienten und sein eigenes Team mit. Die Partner teilen Infrastruktur, Marke und die gemeinsame Philosophie – aber nicht die Aufträge. Dieses Modell macht Pentagram einzigartig in der Designbranche und hat es seit über fünfzig Jahren erfolgreich gemacht. Das Studio ist für Arbeiten in Grafikdesign, Corporate Identity, Produktdesign, Architektur und Innenarchitektur bekannt.

Geschichte und Struktur

Pentagram wurde 1972 in London von fünf Designern gegründet: Alan Fletcher, Theo Crosby, Colin Forbes, Kenneth Grange und Mervyn Kurlansky. Der Name bezieht sich auf den Fünfstern, das geometrische Symbol für die fünf Gründungspartner. Die Idee entstand aus einem früheren Studio, Fletcher/Forbes/Gill, das Forbes und Fletcher bereits in den 1960er-Jahren betrieben hatten.

Das revolutionäre Partnerschaftsmodell bedeutet: Es gibt keinen Geschäftsführer, keine Unternehmenshierarchie im klassischen Sinne. Partner werden durch Abstimmung aller bestehenden Partner aufgenommen und können auch wieder ausscheiden. Jeder Partner leitet sein eigenes Kreativteam und ist direkt für seine Projekte verantwortlich. Das Modell bedingt ein hohes Maß an kreativem Individualismus innerhalb einer gemeinsamen Qualitätsphilosophie.

In den 1970er und 1980er Jahren wuchs Pentagram durch Büros in New York (1978) und San Francisco. Partner wurden aufgenommen, die die Reichweite des Studios in unterschiedliche Designdisziplinen und geografische Märkte erweiterten. In den 1980ern kam unter anderem Paula Scher hinzu, die zum bekanntesten weiblichen Gesicht des Studios wurde. Weitere prominente ehemalige oder aktive Partner sind Michael Bierut, Angus Hyland, Abbott Miller und Natasha Jen.

Pentagram hat im Laufe der Jahrzehnte Identitätssysteme für einige der weltweit bekanntesten Institutionen und Unternehmen geschaffen. Die Bandbreite reicht von Museen und kulturellen Institutionen über Technologieunternehmen bis zu Finanzdienstleistern. Dabei ist jeder Auftrag das persönliche Werk des zuständigen Partners und seines Teams – das Studio selbst tritt nie als kollektive Gestaltungsinstanz auf.

Das Büro in Berlin wurde nach der Jahrtausendwende eröffnet und macht Pentagram zu einem transatlantischen Akteur. Heute (Stand 2026) hat das Studio Partner in London, New York, Berlin, Austin und San Francisco. Die Anzahl der Partner variiert – das Studio hat sich bewusst dagegen entschieden, unbegrenzt zu wachsen, um Qualität und persönliche Verantwortlichkeit zu erhalten.

Wichtige Projekte

  • Neues Corporate Design des Tate Modern (Paula Scher, 2000er) – ikonisches Schriftsystem für das Londoner Kunstmuseum
  • MoMA-Identität (verschiedene Partner, mehrfach überarbeitet) – Leitidentität für das Museum of Modern Art in New York
  • Faber & Faber Buchgestaltung (Alan Fletcher, 1970er–1980er) – prägte die visuelle Identität des britischen Literaturverlags
  • New York City Department of Transportation Leitsystem (Michael Bierut, 2000er) – Neugestaltung der Fußgänger-Wegleitung in New York
  • Mastercard Logo-Redesign (Michael Bierut, 2016) – vereinfachtes, geometrisches Rebranding für den globalen Zahlungsdienstleister

Einfluss und Bedeutung

Pentagram hat die Praxis des Grafikdesigns auf mehreren Ebenen beeinflusst. Erstens durch das Partnerschaftsmodell selbst: Das Studio bewies, dass eine kreative Partnerschaft ohne klassische Unternehmensführung wirtschaftlich tragfähig und über Jahrzehnte lebensfähig ist. Dieses Modell hat zahlreiche Nachahmer gefunden und die Debatte über Unternehmensstrukturen in Kreativbranchen geprägt.

Zweitens hat Pentagram durch die Vielzahl seiner Partner eine breite Designgeschichte verkörpert. Partner wie Alan Fletcher, Paula Scher, Michael Bierut und Angus Hyland repräsentieren unterschiedliche Generationen und Stilströmungen des Grafikdesigns. Das Studio ist damit weniger eine einzelne Stimme als ein lebendiges Archiv der Designentwicklung der letzten fünfzig Jahre.

Drittens hat Pentagram gezeigt, dass Designstudios kulturelle Institutionen sein können. Bücher, Ausstellungen und Veröffentlichungen, die aus dem Studio hervorgegangen sind, haben zur Designtheorie und -geschichtsschreibung beigetragen. Das eigene Verlagsprogramm hat Designkultur aktiv mitgestaltet.

Vergleich & Abgrenzung

Pentagram unterscheidet sich grundlegend von Agenturen wie Wolff Olins, die hierarchisch aufgebaut sind und ein klar definiertes Markenversprechen nach außen kommunizieren. Während Wolff Olins mit einer spezifischen strategischen Markenphilosophie assoziiert wird, ist Pentagram bewusst heterogen: Die Handschriften der verschiedenen Partner unterscheiden sich deutlich voneinander.

Gegenüber kleineren, inhabergeführten Designbüros wie dem von Erik Spiekermann oder Stefan Sagmeister hat Pentagram die institutionelle Dimension und Beständigkeit eines großen Studios, ohne die kreative Freiheit der einzelnen Partner einzuschränken. Das Modell schlägt eine eigentümliche Brücke zwischen Boutique-Atelier und globaler Agentur.

Häufige Fragen (FAQ)

Was macht Pentagrams Struktur besonders? Das Partnerschaftsmodell ohne Hierarchie ist das Kernmerkmal: Jeder Partner leitet sein eigenes Team und ist direkt für seine Kunden verantwortlich. Es gibt keinen Kreativdirektor, der alle Arbeiten verantwortet. Die gemeinsame Marke Pentagram steht für Qualitätsverpflichtung und Unabhängigkeit, nicht für einen einheitlichen Stil.

Wie wird man Partner bei Pentagram? Partner werden durch Abstimmung der bestehenden Partner aufgenommen. Typischerweise handelt es sich um Designerinnen und Designer, die bereits eine eigenständige Karriere aufgebaut haben und ihr bestehendes Büro und ihren Kundenstamm in die Partnerschaft einbringen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Pentagram (Hrsg.): Pentagram: The Compendium, Phaidon Press, 1993
  • Emily King (Hrsg.): Designed by Peter Saville, Frieze, 2003 (Kontext Partnerschaftsstudios)
  • Steven Heller / Veronique Vienne: 100 Ideas that Changed Graphic Design, Laurence King, 2012
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