Margarethe von Trotta (* 21. Februar 1942 in Berlin) ist eine deutsche Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin und gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen des Neuen Deutschen Films sowie als Pionierin des feministisch-politischen Autorenkinos in Deutschland.
Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: von Trotta, Margarethe von Trotta-Schlöndorff (zeitweise)
Wer ist Margarethe von Trotta?
Margarethe von Trotta ist eine der bekanntesten Regisseurinnen des deutschsprachigen Kinos. Nach Anfängen als Schauspielerin (u. a. bei Rainer Werner Fassbinder) wurde sie ab Mitte der 1970er Jahre zur prägenden Stimme des Neuen Deutschen Films, der erste deutsche Regisseurin mit einem Goldenen Löwen in Venedig (1981) und eine Wegbereiterin politischer Frauenporträts im Mainstream-Kino. Ihre Filme verhandeln meist starke historische Frauenfiguren, Schwesternschaft und politische Verantwortung.
Leben und Werk
Geboren 1942 in Berlin, wuchs Margarethe von Trotta in München auf. Nach einem Studium der Germanistik und Romanistik in München und Paris begann sie als Schauspielerin am Theater und im Film – sichtbar etwa in Schlöndorffs Baal (1969) oder in Fassbinders Götter der Pest (1970). Ab 1971 schrieb sie Drehbücher gemeinsam mit Volker Schlöndorff, mit dem sie auch verheiratet war.
1975 inszenierten beide Die verlorene Ehre der Katharina Blum (nach Heinrich Böll), einen der definierenden Filme des deutschen Politkinos der 1970er Jahre. Ihre erste eigene Regiearbeit Das zweite Erwachen der Christa Klages (1978) thematisiert die Radikalisierung einer jungen Frau – ein Stoff, den sie mit Die bleierne Zeit (1981) zu ihrem internationalen Durchbruch entwickelte: Der Film über zwei Schwestern, eine Journalistin und eine RAF-Terroristin (lose inspiriert von Christiane und Gudrun Ensslin), gewann den Goldenen Löwen in Venedig.
In den 1980er und 1990er Jahren entstanden biographische Frauenporträts: Rosa Luxemburg (1986, mit Barbara Sukowa), Die andere Frau (2003) sowie Vision über Hildegard von Bingen (2009). Mit Hannah Arendt (2012) gelang ihr ein internationaler Spätwerk-Erfolg: Das Porträt der Philosophin während des Eichmann-Prozesses wurde in mehr als 30 Ländern gezeigt. Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste (2023) setzt diese Linie fort. Von Trotta ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste und wurde 2019 mit dem Goldenen Ehrenpreis der Berlinale für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Wichtige Filme
- Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975, Co-Regie mit Schlöndorff): Medienkritik nach Heinrich Böll.
- Schwestern oder Die Balance des Glücks (1979): Frühes Schwesterndrama mit Jutta Lampe.
- Die bleierne Zeit (1981): Goldener Löwe, Schlüsselfilm zur Aufarbeitung der RAF.
- Rosa Luxemburg (1986): Biopic mit Barbara Sukowa, Bester-Darstellerinnen-Preis in Cannes.
- Hannah Arendt (2012): Internationale Wiederentdeckung; Porträt der Philosophin und ihres Konzepts der „Banalität des Bösen".
- Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste (2023): Spätfilm über die Schriftstellerin und ihre Beziehung zu Max Frisch.
In der Praxis
Margarethe von Trotta ist eine Schlüsselreferenz für mehrere Fragestellungen, die im Medienwiki immer wieder auftauchen: Wie erzählt man politische Stoffe im Spielfilm, ohne in Pamphlet zu verfallen? Wie portraitiert man historische Frauenfiguren ohne Hagiographie? Wie funktioniert ein Autorenfilm-Modell im deutschen Förder- und Sender-System? Ihre langjährige Zusammenarbeit mit Schauspielerinnen wie Barbara Sukowa und Jutta Lampe ist außerdem ein Lehrbuchbeispiel für tragfähige Regie-Schauspiel-Allianzen. Für Studierende mit Interesse an feministischer Filmgeschichte sind Die bleierne Zeit, Rosa Luxemburg und Hannah Arendt Pflichtprogramm.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Margarethe von Trotta | Chantal Akerman |
|---|---|---|
| Herkunft | Deutschland | Belgien |
| Stil | Klassisch-erzählend, politische Biographie | Strukturalistisch, lange Einstellungen, Alltag |
| Hauptthemen | Schwesternschaft, politische Verantwortung | Zeit, Körper, weibliche Subjektivität |
| Schlüsselfilm | Die bleierne Zeit (1981) | Jeanne Dielman (1975) |
Beide gelten als zentrale Vertreterinnen des europäischen Frauen-Autorenkinos – stilistisch jedoch sehr unterschiedlich. Nicht zu verwechseln mit ihrer Schauspielkollegin Hanna Schygulla oder mit Helma Sanders-Brahms, einer anderen Pionierin des Neuen Deutschen Films.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der bekannteste Film von Margarethe von Trotta? International ist Hannah Arendt (2012) am bekanntesten, in Deutschland gilt Die bleierne Zeit (1981, Goldener Löwe) als ihr Schlüsselwerk.
War sie mit Volker Schlöndorff verheiratet? Ja, von 1971 bis 1991. Aus dieser Zeit stammen mehrere gemeinsame Arbeiten, u. a. Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975).
Welche Auszeichnungen hat sie erhalten? Goldener Löwe Venedig (1981), Goldener Ehrenpreis der Berlinale (2019), Deutscher Filmpreis (mehrfach), Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik (2014).
Weiterführend
- Hehr, Renate (2000): Margarethe von Trotta – Filmen, um zu überleben. Edition Axel Menges.
- Di Carlo, Adriana (2017): The Films of Margarethe von Trotta. Bloomsbury Academic.
- Deutsche Akademie der Künste: Bestand Margarethe von Trotta.
- Filmportal.de: Margarethe von Trotta – Filmografie.
