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GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) ist die deutsche Verwertungsgesellschaft, die Vergütungsansprüche für Komponisten, Textdichter und Musikverleger kollektiv wahrnimmt — für öffentliche Aufführungen, Sendungen, Online-Nutzungen und Vervielfältigungen.

Rubrik: Recht & Wirtschaft · Unterrubrik: Medienrecht · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: GEMA-Gebühr, Musiklizenzing, Tonkunstverwertung


Was ist die GEMA?

Die GEMA wurde 1903 gegründet und ist die älteste und bekannteste Verwertungsgesellschaft Deutschlands. Sie nimmt als treuhänderische Wahrnehmungsgesellschaft Rechte von über 95.000 Mitgliedern (Urheber) wahr und verteilt die eingenommenen Vergütungen nach einem definierten Schlüssel.

Der rechtliche Rahmen ergibt sich aus dem Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG), das 2016 das frühere Urheberrechtswahrnehmungsgesetz (UrhWG) ablöste, sowie aus den Bestimmungen der EU-Richtlinie 2014/26/EU (CRM-Richtlinie).


Erklärung

Was lizenziert die GEMA?

Die GEMA verwaltet folgende Rechte:

  • Öffentliche Aufführungsrechte: Konzerte, Discos, Veranstaltungen, Hintergrundmusik in Geschäften, Warteschleifen
  • Senderechte: Radio, Fernsehen, Streaming-Dienste (Spotify, Apple Music etc.)
  • Online-Nutzungsrechte: Musik auf Websites, Podcasts, YouTube, Apps
  • Mechanische Vervielfältigungsrechte: CD-Pressungen, Download-Stores
  • Kabelweitersendung: Weiterleitung von Rundfunksignalen

Nicht von der GEMA wahrgenommen werden:

Das GEMA-Tarifsystem

Die GEMA erhebt Gebühren nach einem Tarifsystem, das für verschiedene Nutzungsarten eigene Tarife vorsieht. Die wichtigsten Tarife:

Tarif VR-W: Wiedergabe von Tonträgern (z. B. Tanzveranstaltung mit DJ oder Konservenmusik) Tarif VR-Ö: Öffentliche Zugänglichmachung via Streaming / Download Tarif U-K: Konzertveranstaltungen (Unterhaltungsmusik) Tarif E-KU: Konzertveranstaltungen (ernste Musik) Tarif H I: Hintergrundmusik in Gaststätten, Geschäften Tarif M-CD: Mechanische Vervielfältigung auf Tonträgern

Die konkreten Tarife sind auf der GEMA-Website veröffentlicht und werden regelmäßig aktualisiert. Die Berechnungsgrundlage variiert: Bei Veranstaltungen spielen Raumgröße, Eintrittspreise und Veranstaltungsart eine Rolle.

Meldepflicht für Veranstalter

Wer Musik öffentlich aufführt oder zugänglich macht, ist zur Anmeldung und Abrechnung bei der GEMA verpflichtet. Das gilt für:

  • Konzerte, Festivals, Discos, Partys mit Eintritt
  • Hintergrundmusik in Restaurants, Hotels, Arztpraxen
  • Livestreams mit Musik
  • Websites, Apps und Online-Dienste mit Musikeinbindung
  • Podcasts mit Musik (für GEMA-Repertoire)

Anmeldung: Veranstaltungen müssen vor Beginn bei der GEMA angemeldet werden. Bei kurzfristig organisierten Events ist eine Nachmeldung möglich, aber nicht die Regel.

Setlist-Pflicht: Bei Live-Konzerten muss nach der Veranstaltung eine Setlist (Liste der gespielten Werke mit Komponisten) eingereicht werden, damit die GEMA die Einnahmen korrekt verteilen kann.

GEMA-freie Musik

Nicht alle Musik ist GEMA-pflichtig. Musik ist GEMA-frei, wenn:

Für Veranstalter, die ausschließlich GEMA-freie Musik spielen, entfallen GEMA-Gebühren — aber der Nachweis ist erforderlich.

Verteilung an Rechteinhaber

Die eingenommenen Gebühren werden nach einem komplexen Verteilungsplan der GEMA an ihre Mitglieder ausgeschüttet. Die Verteilung richtet sich nach der nachgewiesenen Nutzung (Setlisten, Sendedaten, Streaming-Daten). Urheberrecht und Verlagsanteil werden separat berechnet.


Beispiele

Tanzveranstaltung: Ein Verein richtet einen Sommerball mit DJ auf. Raumgröße: 500 Personen, Eintritt: 15 Euro. Der Verein muss die Veranstaltung vorab bei der GEMA anmelden und nach dem GEMA-Tarif VR-W abrechnen.

Podcast: Ein Podcaster verwendet einen Popsong als Intro und als Hintergrundmusik. Das Musikstück ist GEMA-Mitglieds-Repertoire. Er muss eine GEMA-Onlinelizenz erwerben (Tarif VR-Ö). Die Podcast-Plattform kann unter Umständen eine Pauschallizenz haben.

Zahnarztpraxis mit Wartemusik: Radio-Hintergrundmusik ist über die Rundfunkgebühren bereits pauschal lizenziert. Eigene Playlist-Wiedergabe über einen Lautsprecher ist zusätzlich GEMA-pflichtig (Tarif H I).

Eigenkomposition im Livestream: Ein Musiker streamt eigene Werke, an denen er alle Rechte hält und die nicht im GEMA-Repertoire sind. Kein GEMA-Pflicht — aber er sollte das der Plattform gegenüber ggf. dokumentieren.


In der Praxis

Für Veranstalter:

  • Vor der Planung prüfen, ob und welcher GEMA-Tarif anfällt (gema.de/tarife)
  • Anmeldung frühzeitig — spätestens zwei Wochen vor dem Event
  • Nach dem Event Setlisten einreichen (Konzerte, Live-Acts)
  • GEMA-Rechnungen innerhalb der Frist begleichen

Für Online-Creator:

  • GEMA-freie Quellen bevorzugen (Epidemic Sound, Artlist, Pixabay Music, ccMixter)
  • Bei GEMA-Repertoire: Online-Lizenz über GEMA-Website beantragen
  • YouTube-Nutzer: YouTube hat Pauschalverträge mit der GEMA — aber nur für YouTube, nicht für den Podcast oder die Website

Für Agenturen und Unternehmen:

  • Hintergrundmusik in Showrooms, Messestände, Events: GEMA-Anmeldung nicht vergessen
  • Wartemusik in Telefonanlagen: Eigene GEMA-pflichtige Nutzungsform

Vergleich & Abgrenzung

GEMA vs. GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten): Die GVL ist das Pendant zur GEMA auf Seiten der ausführenden Künstler und Tonträgerhersteller. Bei öffentlichen Aufführungen können sowohl GEMA-Gebühren (für Komposition) als auch GVL-Gebühren (für die Aufnahme) anfallen.

GEMA vs. [VG Bild-Kunst: Vergütung für Bildautoren](/wiki/recht-wirtschaft/medienrecht/vg-bild-kunst/): Die VG Bild-Kunst ist die entsprechende Verwertungsgesellschaft für Bildende Künstler, Fotografen und Filmschaffende — analog zur GEMA, aber für visuelle Werke.

GEMA in Deutschland vs. international: Die GEMA hat Gegenseitigkeitsverträge mit über 90 ausländischen Verwertungsgesellschaften (z. B. SACEM in Frankreich, PRS in UK). Das bedeutet: Deutsche Komponisten erhalten Vergütung auch für internationale Nutzung — und umgekehrt.


Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich GEMA zahlen, wenn ich selbst alle Rechte halte? Wenn Sie eigene Werke spielen und selbst GEMA-Mitglied sind, läuft die Vergütung intern über die GEMA. Wenn Sie kein GEMA-Mitglied sind und kein GEMA-Repertoire spielen, fallen keine GEMA-Gebühren an.

Was passiert, wenn ich keine GEMA-Gebühren zahle? Die GEMA kann Schadensersatz und Nachzahlung fordern. Bei wiederholten Verstößen drohen Abmahnungen und gerichtliche Schritte.

Gibt es Ausnahmen für kleine Veranstaltungen? Es gibt vergünstigte Tarife für kleine Veranstaltungen mit geringem Einnahmen. Eine vollständige Befreiung gibt es nur für bestimmte gemeinnützige Ausnahmen oder wenn ausschließlich GEMA-freie Musik gespielt wird.

Wie melde ich eine Veranstaltung an? Online über das GEMA-Portal (gema.de/veranstaltungen) oder telefonisch bei der zuständigen GEMA-Bezirksdirektion.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • GEMA: Tarife & Preise, gema.de/tarife, Stand 2024
  • Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG), aktuelle Fassung, bundesjustizamt.de
  • EU-Richtlinie 2014/26/EU (CRM-Richtlinie — kollektive Rechtewahrnehmung)
  • Müller, Stefan: Das Recht der Verwertungsgesellschaften in Deutschland und Europa, Mohr Siebeck, Tübingen 2018
  • Wandtke, Artur-Axel / Bullinger, Winfried: Praxiskommentar zum Urheberrecht, 6. Aufl., C. H. Beck, 2022 — Abschnitt Verwertungsgesellschaften

Kein Rechtsrat. Für konkrete GEMA-Fragen steht das GEMA-Serviceteam unter gema.de zur Verfügung.

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