Model Release und Property Release sind schriftliche Einwilligungserklärungen, die bei Foto- und Filmproduktionen von abgebildeten Personen bzw. Eigentümern abgebildeter Objekte und Orte eingeholt werden müssen, um eine rechtssichere kommerzielle Nutzung zu ermöglichen.
Rubrik: Recht & Wirtschaft · Unterrubrik: Urheberrecht · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Personenfreigabe, Eigentumsfreigabe, Fotoeinwilligung, Bildrechtevertrag, § 22 KUG
Hinweis: Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten rechtlichen Fragen und vor der Erstellung von Release-Formularen wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Rechtsanwältin oder einen qualifizierten Rechtsanwalt.
Was sind Model Release und Property Release?
Bei professionellen Foto- und Filmproduktionen reicht es nicht, nur die Kamera zu bedienen und urheberrechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Es gibt zwei weitere Rechtspositionen, die eine Nutzung des erstellten Materials einschränken können: Das Recht am eigenen Bild abgebildeter Personen (§§ 22–24 KUG) und das Hausrecht oder Eigentumsrecht von Eigentümern abgebildeter Orte und Gegenstände. Beide Rechte werden durch entsprechende Release-Dokumente geklärt.
Erklärung
Model Release – Die Einwilligung zur Bildnutzung
#### Was ist ein Model Release?
Ein Model Release (Personenfreigabe) ist eine schriftliche Einwilligungserklärung einer Person, deren Bildnis auf Fotos oder in Filmen zu sehen ist. Nach § 22 KUG darf das Bildnis einer Person – ihr erkennbares Gesicht oder auch ihr erkennbarer Körper – nur mit ihrer Einwilligung veröffentlicht und gewerblich genutzt werden.
#### Wann ist ein Model Release erforderlich?
Ein Model Release wird benötigt, wenn:
- Personen erkennbar auf dem Bild sind (Gesicht, markante Merkmale)
- Das Bild kommerziell genutzt werden soll (Werbung, Stockfoto-Verkauf, Produktverpackungen, Unternehmenswebsite)
- Das Bild für redaktionelle Zwecke genutzt wird, die über die Ausnahmen des § 23 KUG hinausgehen
Wann ist es nicht zwingend erforderlich? Nach § 23 KUG gibt es Ausnahmen für:
- Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte (Politiker, Prominente in ihrer öffentlichen Funktion)
- Personen als Beiwerk in Landschafts- oder Ortsbildern
- Versammlungen und öffentliche Aufzüge
Wichtig: Diese Ausnahmen gelten nicht für die Werbenutzung. Selbst bei Politikerfotos ist eine Nutzung in Werbeanzeigen ohne Einwilligung nicht gestattet.
#### Was regelt ein Model Release?
Ein vollständiger Model Release enthält:
- Identifikation der Parteien (Fotograf/Produzent und abgebildete Person)
- Beschreibung des Projekts (Shooting-Datum, -Ort, Art des Materials)
- Umfang der Einwilligung – welche Nutzungsarten sind erlaubt? (Druck, Web, Social Media, Werbung, TV...)
- Räumlicher Geltungsbereich (national, international, weltweit)
- Zeitliche Geltung (befristet oder unbefristet)
- Bearbeitungsrecht – darf das Bild bearbeitet werden? (Freistellen, Retuschieren, Montagen)
- Vergütung (auch: Einwilligung unentgeltlich)
- Widerruflichkeit – kann die Einwilligung widerrufen werden?
- Minderjährige – Unterschrift der Eltern/Erziehungsberechtigten
- Datum und Unterschriften
#### Minderjährige und besondere Personengruppen
Bei minderjährigen Personen (unter 18 Jahren) müssen die Erziehungsberechtigten einwilligen; die eigene Unterschrift des Kindes ist zusätzlich empfehlenswert, aber nicht allein ausreichend. Bei sehr jungen Kindern entfällt die eigene Unterschrift. Für Personen mit eingeschränkter Geschäftsfähigkeit gilt Entsprechendes.
#### Digitale und KI-Erweiterungen
Mit dem Aufkommen von KI-Bildbearbeitungstools und Deepfake-Technologien reicht ein klassischer Model Release allein nicht mehr aus. Es empfiehlt sich, bei neuen Produktionen explizit zu regeln, ob das Bildmaterial für KI-Training, für synthetische Medien oder für Deepfakes verwendet werden darf.
Property Release – Die Freigabe für Orte und Objekte
#### Was ist ein Property Release?
Ein Property Release (Eigentumsfreigabe) ist eine Einwilligungserklärung des Eigentümers oder Hausrechtsinhabers für die fotografische oder filmische Nutzung von Gebäuden, Räumen, Fahrzeugen oder anderen Gegenständen.
#### Wann ist ein Property Release erforderlich?
Ein Property Release wird benötigt bei:
- Innenaufnahmen in privatem oder gewerblichem Eigentum (Hotels, Restaurants, Büros, Privatwohnungen)
- Außenaufnahmen auf privatem Gelände (Fabrikhöfe, Firmengelände, Privatgrundstücke)
- Markanter Architektur mit Designschutz (bestimmte Bauwerke können urheberrechtlich geschützt sein)
- Fahrzeugen und Produkten mit schutzfähigem Design
Nicht erforderlich in der Regel bei:
- Öffentlichen Straßen, Parks und Plätzen (Panoramafreiheit, § 59 UrhG)
- Gebäuden, die dauerhaft von öffentlich zugänglichen Orten aus sichtbar sind (Panoramafreiheit)
#### Was regelt ein Property Release?
Ein Property Release enthält:
- Identifikation des Eigentümers/Hausrechtsinhabers
- Beschreibung des Objekts/Ortes
- Erlaubte Nutzungen (redaktionell, kommerziell, Werbung)
- Zeitlicher und räumlicher Umfang
- Ggf. Vergütung
- Unterschriften und Datum
Stockfoto-Plattformen und Release-Anforderungen
Stockfoto-Plattformen wie Getty Images, Shutterstock oder Adobe Stock verlangen für alle kommerziell lizenzierbaren Fotos mit erkennbaren Personen (Model Release) und mit relevanten Gebäuden oder Privateigentum (Property Release). Ohne diese Dokumente werden Bilder nur als redaktionell eingestuft und können nicht für Werbezwecke lizenziert werden – was ihren kommerziellen Wert erheblich senkt.
Beispiele
- Fotograf und Werbe-Shooting: Ein Fotograf schießt Porträts für eine Smartphone-Werbung. Er holt vor dem Shooting Model Releases aller Models ein, definiert darin die Nutzung für internationale Werbung (Print, Digital, OOH) und bewahrt die unterschriebenen Dokumente dauerhaft auf.
- Agentur-Kontext: Eine Kreativagentur dreht einen Unternehmensfilm in einem Hotel. Ohne Property Release des Hotels darf das Filmmaterial nicht für die Unternehmenskommunikation genutzt werden – auch wenn die Drehgenehmigung erteilt wurde.
- Social Media: Ein Lifestyle-Blogger postet ein Foto aus einer Freund's Wohnung. Privat und nicht-kommerziell ist das ohne Release unproblematisch. Wird das Bild für gesponserte Posts genutzt, ist das Einverständnis der abgebildeten Personen und des Wohnungsinhabers zu empfehlen.
- Grenzfall Prominente: Ein Fotograf schießt auf einer Pressekonferenz ein Foto eines Politikers. Das Bild darf redaktionell genutzt werden (§ 23 KUG: Zeitgeschichte) – nicht aber für Werbung oder Produktendorsement ohne ausdrückliche Einwilligung.
- Korrekte Handhabung: Eine professionelle Fotoagentur nutzt standardisierte Model- und Property-Release-Formulare, die von einem Anwalt geprüft wurden, lässt diese digital unterzeichnen und archiviert die Dokumente zusammen mit den entsprechenden Bilddateien.
In der Praxis
Vor jedem Shooting prüfen:
- [ ] Sind erkennbare Personen im Bild? → Model Release einholen
- [ ] Werden Minderjährige fotografiert? → Eltern/Erziehungsberechtigte unterzeichnen lassen
- [ ] Findet das Shooting auf privatem Gelände statt? → Property Release einholen
- [ ] Ist das Gebäude architektonisch schutzfähig? → Urheberrechtliche Prüfung (Panoramafreiheit?)
- [ ] Sollen Tiere oder Haustiere abgebildet werden, die Eigentümern gehören? → Property Release sinnvoll
- [ ] Releases vor dem Shooting unterschreiben – nicht nach Erschöpfung am Ende des Tages
Vergleich & Abgrenzung
| Dokument | Schützt | Gesetzliche Grundlage |
|---|---|---|
| Model Release | Recht am eigenen Bild der Person | §§ 22–24 KUG, DSGVO |
| Property Release | Hausrecht, ggf. Urheberrecht Architektur | § 1004 BGB, § 59 UrhG |
| Fotoerlaubnis/Drehgenehmigung | Zutrittsrecht für Shooting | Hausrecht |
| DSGVO-Einwilligung | Datenschutz bei Personenfotos | Art. 7 DSGVO |
Wichtig: Eine Drehgenehmigung ist nicht dasselbe wie ein Property Release. Eine Genehmigung erlaubt das Betreten und Fotografieren – ein Release erlaubt die Nutzung des entstandenen Materials.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann eine einmal gegebene Einwilligung im Model Release widerrufen werden? Im deutschen Recht ist der Widerruf einer Einwilligung grundsätzlich möglich – allerdings nur für zukünftige Nutzungen, nicht für solche, die bereits stattgefunden haben. Bei Verträgen gegen Vergütung ist der Widerruf erschwert. Eine gute Release-Formulierung regelt die Widerruflichkeit explizit. Im konkreten Fall unbedingt anwaltlichen Rat einholen.
Reicht eine mündliche Einwilligung für ein Model Release? Rechtlich ist eine mündliche Einwilligung zunächst gültig. Jedoch ist sie im Streitfall kaum beweisbar. § 22 KUG schreibt keine Schriftform vor, aber Schriftform ist aus praktischen Gründen zwingend zu empfehlen. Stockfoto-Plattformen akzeptieren grundsätzlich nur schriftliche Releases. Digitale Signaturen (z. B. per DocuSign) sind schriftlichen Unterzeichnungen in der Regel gleichgestellt.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Fricke, M. / Gerecke, M. (2021): Recht der Fotografie. C.H.Beck.
- Dreier, T. / Schulze, G. (2022): UrhG – Urheberrechtsgesetz. Kommentar. 7. Aufl. C.H.Beck.
- Online: irights.info – Recht am eigenen Bild; dejure.org – §§ 22–24 KUG; bundesjustizamt.de
