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NFT (Non-Fungible Token) ist ein auf einer Blockchain gespeichertes, einzigartiges digitales Zertifikat – der Kauf eines NFT überträgt jedoch in der Regel kein Urheberrecht und häufig auch kein exklusives Nutzungsrecht an dem damit verbundenen Werk.

Rubrik: Recht & Wirtschaft · Unterrubrik: Urheberrecht · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Non-Fungible Token, digitales Echtheitszertifikat, Krypto-Art, Token-gebundene Lizenz


Hinweis: Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Die Rechtslage zu NFTs ist in vielen Punkten noch ungeklärt und entwickelt sich weiter. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Rechtsanwältin oder einen qualifizierten Rechtsanwalt.

Was ist ein NFT im rechtlichen Sinne?

Ein Non-Fungible Token (NFT) ist ein auf einer Blockchain – meist Ethereum – gespeicherter Datensatz, der ein einzigartiges digitales Objekt repräsentiert. Technisch ist ein NFT ein Smart Contract, der einen Eigentumsvermerk in einem dezentralen, unveränderlichen Register enthält. Was viele Käufer nicht wissen: Der NFT selbst ist meist nur ein Verweis auf eine Datei – das Bild, die Musik oder das Video liegt oft gar nicht auf der Blockchain, sondern auf einem separaten Server (z. B. IPFS oder einem zentralen Speicherdienst). Der NFT ist also ein digitales Zertifikat, keine Werkdatei.

Erklärung

Was überträgt der Kauf eines NFT?

Der Kauf eines NFT überträgt nach deutschem Recht das Eigentum am Token – also an dem Blockchain-Eintrag. Dieser Eintrag ist ein eigenständiger Vermögenswert, vergleichbar mit einem Wertpapier oder einem Sammlerstück. Was er nicht automatisch überträgt:

  • Urheberrecht: Das Urheberrecht verbleibt beim Künstler (§ 29 UrhG: unveräußerlich).
  • Nutzungsrechte: Es entstehen keine automatischen Nutzungsrechte, es sei denn, diese werden ausdrücklich im Kaufvertrag oder den NFT-Lizenzbestimmungen eingeräumt.
  • Exklusivität: Der Künstler kann weitere NFTs desselben Werkes prägen (Minting) und ist rechtlich nicht gehindert, das Werk anderweitig zu lizenzieren – sofern keine gegenteilige Vereinbarung besteht.

NFT-Lizenzen: Was steht im Kleingedruckten?

Beim Kauf eines NFT auf Plattformen wie OpenSea, Foundation oder SuperRare gelten die Nutzungsbedingungen der Plattform sowie etwaige vom Künstler beigefügte Lizenzen. Einige NFT-Projekte (z. B. Bored Ape Yacht Club) räumen Käufern weitgehende kommerzielle Nutzungsrechte ein – das ist jedoch die Ausnahme, nicht die Regel. Im Zweifel gilt: Kein Nutzungsrecht ohne ausdrückliche Vereinbarung. Wer ein NFT kauft und das verknüpfte Bild z. B. auf Merchandise druckt, ohne entsprechende Lizenz, kann eine Urheberrechtsverletzung begehen.

Probleme bei der Zuordnung von Rechten

Ein besonderes Problem entsteht, wenn jemand ein NFT auf das Werk eines anderen prägt – also ein Bild eines Künstlers ohne dessen Zustimmung als NFT verkauft. Das ist eine Urheberrechtsverletzung, selbst wenn das NFT auf einer dezentralen Plattform liegt. Der Käufer erwirbt in diesem Fall nicht einmal das Eigentum an einem vom Rechteinhaber autorisierten Zertifikat.

Steuer- und handelsrechtliche Aspekte

Neben dem Urheberrecht sind für NFT-Transaktionen auch:

  • Umsatzsteuer: NFT-Verkäufe können umsatzsteuerpflichtig sein (Lieferung digitaler Leistungen).
  • Einkommensteuer: Gewinne aus NFT-Handel sind in Deutschland als sonstige Einkünfte (§ 22 EStG) oder Einkünfte aus Gewerbebetrieb steuerpflichtig.
  • Geldwäscheprävention: Hochpreisige NFT-Transaktionen können unter Geldwäschepflichten fallen.

Diese Aspekte werden hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt; für steuerliche Fragen bitte Steuerberater konsultieren.

Rechtliche Einordnung des NFT selbst

Ob ein NFT ein Wertpapier, ein Sachwert oder eine Ware darstellt, ist in Deutschland und der EU noch nicht abschließend geklärt. Die EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets) schafft ab 2024/2025 einen Rahmen für bestimmte Kryptowerte, aber nicht für alle NFT-Typen. Diese Einordnung beeinflusst z. B. Prospektpflichten und Aufsichtsrecht.

Beispiele

  1. Fotograf und NFT: Ein Fotograf verkauft ein NFT seines Bildes. Der Käufer erwirbt das Token als Sammlerstück. Das Urheberrecht und das Recht zur kommerziellen Verwertung behält der Fotograf – sofern er dies nicht ausdrücklich überträgt.
  2. Agentur-Kontext: Eine Digitalagentur möchte ein gekauftes NFT-Kunstwerk auf einer Werbefläche einsetzen. Ohne ausdrückliche Lizenz ist das nicht erlaubt; die Agentur muss prüfen, welche Nutzungsrechte beim Kauf tatsächlich eingeräumt wurden.
  3. Social Media: Ein Nutzer teilt auf Instagram das Bild eines NFTs, das er besitzt. Das einfache Teilen zum Zweck des Zeigens ist rechtlich in der Regel unproblematisch; das Verwenden für kommerzielle Zwecke ohne Lizenz ist es nicht.
  4. Grenzfall fremdes Werk als NFT: Ein Nutzer prägt ein NFT auf ein Foto eines bekannten Fotografen, ohne dessen Erlaubnis. Das ist eine Urheberrechtsverletzung – unabhängig davon, auf welcher Blockchain das NFT liegt. Der Fotograf kann Unterlassung und Schadensersatz fordern.
  5. Korrekte Handhabung: Ein Künstler definiert bei der Ausgabe seines NFTs klar, welche Nutzungsrechte er einräumt (z. B. persönlicher Gebrauch, Anzeige, keine kommerzielle Nutzung), und hinterlegt diese als maschinenlesbares Lizenzmodul im Smart Contract.

In der Praxis

Checkliste vor dem NFT-Kauf (urheberrechtlich):

  • [ ] Hat der Verkäufer das Urheberrecht oder zumindest das Recht, das NFT zu prägen?
  • [ ] Welche Nutzungsrechte werden durch den Kauf eingeräumt? (AGB der Plattform lesen!)
  • [ ] Darf das Bild kommerziell genutzt werden?
  • [ ] Besteht ein Exklusivrecht, oder kann der Künstler weitere NFTs des gleichen Werkes prägen?
  • [ ] Wie ist die Dateiverfügbarkeit gesichert? (IPFS vs. zentraler Server – Ausfallrisiko?)

Vergleich & Abgrenzung

AspektNFTPhysisches Kunstwerk
Urheberrecht beim KaufBleibt beim KünstlerBleibt beim Künstler
EigentumsrechtAm Token (Blockchain)Am physischen Objekt
NutzungsrechteNur per expliziter VereinbarungNur per expliziter Vereinbarung
Folgerecht (Weiterverkauf)Nicht gesetzlich, aber technisch programmierbar§ 26 UrhG (Folgerecht für bildende Kunst)

Ein wichtiger Unterschied: Das Folgerecht (§ 26 UrhG) – die Vergütungspflicht beim Weiterverkauf von Originalen bildender Kunst – gilt für physische Werke. Bei NFTs können Künstler durch Smart Contracts eine Provision beim Weiterverkauf technisch automatisiert durchsetzen, ohne dass dafür eine spezifische Gesetzesgrundlage notwendig ist.

Häufige Fragen (FAQ)

Wenn ich ein NFT kaufe, gehört mir das Bild dann? Das Bild „gehört" Ihnen nur in dem Sinne, dass Sie das Token besitzen – vergleichbar dem Besitz eines signierten Drucks. Das Urheberrecht und das Recht zur Vervielfältigung oder kommerziellen Nutzung behält der Künstler. Was Sie konkret nutzen dürfen, steht in den Lizenzbestimmungen des NFT-Projekts. Ohne ausdrückliche Rechteeinräumung können Sie das Bild nicht beliebig verwenden. Im Zweifelsfall bitte rechtlichen Rat einholen.

Kann ich ein NFT meines eigenen Fotos prägen und damit das Urheberrecht übertragen? Das Prägen (Minting) eines NFT berührt das Urheberrecht nicht – es entsteht nur ein Token auf der Blockchain. Das Urheberrecht ist nach deutschem Recht unveräußerlich (§ 29 UrhG). Was Sie übertragen können, sind Nutzungsrechte – diese können Sie im Rahmen des Smart Contracts oder der Kaufbedingungen ausdrücklich einräumen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Maume, P. / Maute, L. / Fromberger, M. (Hrsg.) (2022): Rechtshandbuch Kryptowerte. C.H.Beck.
  • Dreier, T. / Schulze, G. (2022): UrhG – Urheberrechtsgesetz. Kommentar. 7. Aufl. C.H.Beck.
  • Online: irights.info – NFT und Urheberrecht; bundesjustizamt.de; eur-lex.europa.eu (MiCA-Verordnung)
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