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Referenzen und Empfehlungsmarketing bezeichnet den strategischen Aufbau und die Nutzung von Kundenbewertungen, Weiterempfehlungen und Vertrauenssignalen, um neue Aufträge und Stellen zu gewinnen.

Was sind Referenzen?

Eine Referenz ist eine positive Aussage einer dritten Person – eines Kunden, ehemaligen Arbeitgebers, Projektpartners – über die Qualität der eigenen Arbeit und Zusammenarbeit. Sie kann in Form eines schriftlichen Testimonials, eines LinkedIn-Empfehlungsschreibens, einer mündlichen Weiterempfehlung oder einer Fallstudie auf der eigenen Website erscheinen.

Referenzen sind eines der wirksamsten Akquisitionsinstrumente in Kreativberufen, weil sie auf dem Prinzip des sozialen Beweises (Social Proof) basieren: Wenn andere – besonders vergleichbare Personen oder anerkannte Unternehmen – die eigene Arbeit loben, erhöht das das Vertrauen von Neukunden erheblich.

Erklärung

Arten von Referenzen

1. LinkedIn-Empfehlungen Schriftliche Empfehlungen direkt auf dem LinkedIn-Profil, von Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten verfasst. Sichtbar für alle Profilbesucher. Besonders glaubwürdig, weil sie öffentlich an eine echte Person geknüpft sind.

2. Testimonials auf der Portfolio-Website Kurze Zitate (1–4 Sätze) von Kunden auf der eigenen Portfolio-Website erstellen – Die eigene Online-Präsenz für Kreative. Idealerweise mit Foto, Name und Unternehmensbezeichnung – anonym sind sie weniger wirksam.

3. Fallstudien (Case Studies) Ausführlichere Beschreibungen eines Projekts aus Kundenperspektive: Was war das Problem? Wie wurde es gelöst? Was hat die Zusammenarbeit gebracht? Diese Form ist besonders für UX/UI-Designer, Texter und Brand-Strategisten geeignet.

4. Mündliche Weiterempfehlungen Direkte Empfehlungen durch persönliche Kontakte. Diese sind schwer zu messen, aber im Kreativbereich die häufigste Form der Neukundengewinnung (→ VGSD Freelancer-Barometer, 2023: über 60 % der Aufträge durch Empfehlungen).

5. Referenzlisten Eine Liste bekannter Kunden oder Projekte, die man bearbeitet hat – ohne ausführliche Testimonials, aber als Vertrauenssignal. Besonders wirkungsvoll bei bekannten Marken im Portfolio.

Wie bekommt man Referenzen?

Der wichtigste Schritt: aktiv darum bitten. Die meisten zufriedenen Kunden geben keine Bewertung ab, wenn sie nicht danach gefragt werden – nicht wegen mangelnder Zufriedenheit, sondern wegen Zeitmangel und fehlendem Impuls.

Optimaler Zeitpunkt: Direkt nach Projektabschluss, wenn die Zusammenarbeit noch frisch ist und die Zufriedenheit am höchsten.

Formulierungsbeispiel für die Anfrage: „Es hat mich sehr gefreut, das Projekt mit Ihnen umzusetzen. Wäre es für Sie möglich, eine kurze Empfehlung auf LinkedIn zu hinterlassen oder mir ein Zitat für meine Website zu geben? Das würde mir sehr helfen. Ich kann auch einen Entwurf für Sie vorbereiten, wenn das einfacher ist."

Den Entwurf mitzuliefern ist erlaubt und spart dem Kunden Zeit. Viele Menschen wissen nicht genau, was sie schreiben sollen – ein Vorschlag, den der Kunde dann anpasst oder übernimmt, ist absolut üblich.

Empfehlungsmarketing aktiv gestalten

Passives Empfehlungsmarketing: Man liefert gute Arbeit und hofft auf Weiterempfehlung. Aktives Empfehlungsmarketing: Man schafft Strukturen, die Empfehlungen systematisch fördern.

Konkrete Maßnahmen:

  • Follow-up nach Projektabschluss: 3–6 Monate nach einem Projekt kurz nachfragen, ob alles gut läuft. Dieser Kontakt hält die Beziehung warm und gibt Gelegenheit, neue Aufträge anzusprechen.
  • Anreize schaffen: Im B2C-Bereich (z. B. Fotografie für Privatpersonen) können kleine Rabatte oder Dankesgaben für Empfehlungen angeboten werden. Im B2B-Bereich wirkt das oft unprofessionell.
  • Gegenseitige Empfehlungen: Im Netzwerk vereinbaren, sich gegenseitig zu empfehlen. Ein Fotograf empfiehlt einen Grafikdesigner weiter, der Grafikdesigner empfiehlt den Fotografen (→ Netzwerken als Kreativer – Beziehungen aufbauen, die Karriere machen).
  • Referenzen sichtbar platzieren: Testimonials auf der Startseite der Website, in LinkedIn-Featured-Section, in der E-Mail-Signatur verlinken.

Beispiele

Beispiel: Designerin, LinkedIn-Empfehlungen aufbauen Marie hat nach fünf Jahren Freelance-Arbeit erst zwei LinkedIn-Empfehlungen. Sie schreibt nach dem Abschluss der nächsten drei Projekte jeweils eine persönliche Anfrage an ihre Kunden – mit einem vorbereiteten Entwurf. Innerhalb von zwei Monaten hat sie fünf neue Empfehlungen und ihre Anfragerate steigt merklich.

Beispiel: Videofilmer, aktives Netzwerk-Empfehlungsmarketing Tobias arbeitet regelmäßig mit einer Grafikdesignerin und einem Texter zusammen. Alle drei empfehlen sich gegenseitig, wenn ein Kundenprojekt kommt, das die Leistungen des anderen erfordert. Über dieses Netzwerk entstehen für alle drei je 2–3 zusätzliche Aufträge im Jahr.

In der Praxis

Qualität ist die Voraussetzung. Referenzen kann man nur von zufriedenen Kunden bekommen. Exzellente Arbeit und gutes Projektmanagement sind die Basis.

Schnell reagieren. Wer beim Onboarding neuer Kunden fragt, woher sie von einem gehört haben, erhält wertvolle Daten darüber, welche Empfehlungsquellen am wirkungsvollsten sind.

Datenschutz beachten. Testimonials mit Foto und Name brauchen ausdrückliche Zustimmung der betreffenden Person (DSGVO). Diese schriftlich einholen.

Kein Fake-Social-Proof. Erfundene oder gefälschte Bewertungen können rechtliche Konsequenzen haben und zerstören die Glaubwürdigkeit nachhaltig.

Vergleich & Abgrenzung

ReferenzTestimonialEmpfehlung
Formeller, schriftlichZitat, kurzPersönlich, mündlich
Auf Anfrage, strukturiertAuf Website eingebundenSpontan, aus Netzwerk
LinkedIn, BewerbungPortfolio-SiteDirektkontakt

Häufige Fragen (FAQ)

Was, wenn ein Kunde keine Referenz geben möchte? Das ist sein gutes Recht. Nicht nachhaken. Die Anfrage nach einer Referenz sollte immer ohne Druck gestellt werden.

Darf ich das Logo eines Kunden auf meiner Website zeigen? Nur mit Erlaubnis. Viele Unternehmen erlauben es, ihr Logo in einer Kundenliste zu zeigen – aber besser vorab nachfragen. Große Unternehmen haben oft strikte Richtlinien zur Logo-Verwendung.

Wie viele Referenzen brauche ich? Drei bis fünf starke, spezifische Testimonials sind besser als zehn generische. Qualität schlägt Quantität.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Robert Cialdini: Influence: The Psychology of Persuasion, HarperCollins, 1984 (Kapitel Social Proof)
  • VGSD: Freelancer-Barometer 2023, vgsd.de
  • Anne M. Schüller: Empfehlungsmarketing, GABAL Verlag, 2015
  • Nielsen: Global Trust in Advertising Report, nielsen.com (2021)
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