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Das Katalog-Backup in Capture One sichert die zentrale Datenbank mit allen Entwicklungseinstellungen, Bewertungen und Metadaten, während die Archivierung die langfristige Aufbewahrung von RAW-Dateien und Bearbeitungszuständen umfasst.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Capture One · Niveau: Fortgeschritten


Was sind Katalog-Backup und Archivierung?

In Capture One werden alle Entwicklungseinstellungen, Bewertungen, Keywords und Metadaten in einer zentralen Datenbankdatei gespeichert – nicht in den RAW-Dateien selbst (außer bei aktivierten XMP-Sidecars). Diese Datenbank ist der kritische Datenpunkt: Geht sie verloren, sind alle Bearbeitungen weg, auch wenn die RAW-Dateien noch intakt sind.

Das Backup des Katalogs ist deshalb eine der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen im professionellen Fotografen-Workflow. Ergänzend dazu beschreibt Archivierung die langfristige, strukturierte Aufbewahrung aller Projektdaten.


Erklärung

Automatisches Katalog-Backup

Capture One bietet eine eingebaute automatische Backup-Funktion für Kataloge:

Konfiguration: Einstellungen → Backup

Einstellmöglichkeiten:

  • Backup-Zeitpunkt: Täglich, wöchentlich, monatlich – oder beim Öffnen des Katalogs
  • Backup-Speicherort: Beliebiger Ordner (idealerweise auf einem anderen Laufwerk als der Katalog selbst)
  • Backup-Anzahl behalten: Automatisches Löschen älterer Backups nach X Durchgängen

Ein Backup des Katalogs enthält:

  • Alle Entwicklungseinstellungen
  • Alle Metadaten und Keywords
  • Alle Bewertungen und Farblabels
  • Alle Smart Alben und Sammlungen
  • Die Alben-Struktur

Nicht enthalten im Katalog-Backup: Die RAW-Originaldateien selbst – diese müssen separat gesichert werden.

Manuelles Backup und Neuaufbau

Über Datei → Katalog sichern kann jederzeit ein manuelles Backup erstellt werden. Bei Verdacht auf Datenbankprobleme empfiehlt Phase One:

  1. Katalog schließen
  2. Datei → Katalog reparieren / Datenbank optimieren
  3. Danach Backup erstellen

Ein beschädigter Katalog kann oft aus dem letzten Backup wiederhergestellt werden: Backup-Datei (.cocatalogdb) in den Arbeitsordner kopieren und öffnen.

Session-Archivierung

Sessions haben gegenüber Katalogen den Vorteil der Selbstständigkeit: Alle Daten (RAW + Entwicklungseinstellungen + Metadaten) liegen in einem Ordner und können durch einfaches Kopieren auf ein Archiv-Medium (externe Festplatte, NAS, Cloud) gesichert werden.

Empfohlene Archivstruktur für Sessions: `` /Archiv/ /2024/ /2024-03-15_Kunde-ABC_Fashion/ /Captures/ /Selects/ /Output/ /Backup/ session.cosessiondb ``

EIP-Format (Enhanced Image Package)

Das EIP-Format ist ein Capture-One-spezifisches Archivformat, das RAW-Datei und alle zugehörigen Entwicklungseinstellungen in einer einzigen Datei bündelt:

  • Vorteil: Alles in einer Datei – keine getrennten Sidecar-Dateien
  • Vorteil: Kein Risiko von Synchronisationsproblemen zwischen RAW und Sidecar
  • Nachteil: Proprietäres Format – nur in Capture One vollständig lesbar
  • Nachteil: Leicht größer als getrennte RAW + DB-Datei

EIP-Dateien eignen sich besonders für die Archivierung abgeschlossener Projekte, bei denen Mobilität und Vollständigkeit Priorität haben.

3-2-1-Backup-Regel

Die Backup-Regel der professionellen Fotografie:

  • 3 Kopien der Daten
  • auf 2 verschiedenen Medientypen
  • mit 1 Kopie off-site (außerhalb des Studios)

Praktische Umsetzung:

  1. Arbeitskopie: RAID-0-SSD im Arbeitsrechner
  2. Lokales Backup: NAS oder externe Festplatte im Studio
  3. Off-Site-Backup: Cloud-Dienst (Backblaze B2, Amazon S3) oder externe Festplatte an einem anderen Standort

Langzeitarchivierung: Empfohlene Formate

Für die Langzeitarchivierung von mehr als 10 Jahren empfehlen Archivierungsstandards:

  • RAW + XMP: Maximale Kompatibilität, offene Standards
  • DNG: Offenes RAW-Format (Adobe), breite Software-Unterstützung
  • TIFF (16-Bit): Verlustfreie Qualität, sehr lange Kompatibilitätsgeschichte
  • JPEG (95 % Qualität): Nur für Vorschaubilder und Lieferkopien

Von proprietären Formaten (EIP) als einzige Archivform wird für kritische Langzeitarchive abgeraten – als Ergänzung zu offenen Formaten ist EIP jedoch wertvoll.


Beispiele

  • Werbefotograf: Täglich automatisches Katalog-Backup auf NAS. Monatliches Off-Site-Backup auf External-Festplatte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
  • Bildagentur: Alle abgelieferten Sessions werden als EIP-Archiv auf LTO-Magnetband übertragen (Archiv-Standard für professionelle Agenturen).
  • Freier Fotograf: 3-2-1-Backup mit Backblaze B2 als Cloud-Komponente (~6 €/Monat für unbegrenzte Datenmenge).

In der Praxis

Backup-Routine einrichten:

  1. Capture One → Einstellungen → Backup
  2. Zeitplan: „Bei jedem Öffnen" (für aktiv genutzte Kataloge)
  3. Backup-Ziel: Anderes Laufwerk als der Katalog (externe Festplatte oder NAS)
  4. Alte Backups behalten: Mindestens 5 Versionen (ermöglicht Rückkehr zu älteren Zuständen)

Test des Backups: Ein Backup, das nie getestet wurde, ist kein zuverlässiges Backup. Einmal jährlich: Backup-Datei auf einem anderen Rechner öffnen und Vollständigkeit prüfen.


Vergleich & Abgrenzung

AspektSessionsKataloge
Backup-KomplexitätEinfach (Ordner kopieren)Höher (Katalog-Backup-Funktion)
PortabilitätSehr hochMittel
Archiv-EignungSehr gut (Einzelprojekte)Gut (Gesamtarchiv)
FehlerrisikoGeringModerat (Datenbankkorruption möglich)

Häufige Fragen (FAQ)

Was passiert, wenn mein Katalog korrupt ist? Capture One bietet unter Datei → Katalog reparieren eine automatische Reparatur. Falls das fehlschlägt, muss das letzte Backup wiederhergestellt werden. RAW-Dateien sind dabei nie gefährdet – nur die Entwicklungseinstellungen.

Wie groß ist ein Katalog-Backup typischerweise? Ein Katalog ohne Bildvorschau-Cache ist relativ klein (wenige MB bis einige GB bei sehr großen Archiven). Die Vorschau-Daten können separat gespeichert werden und sind für ein Backup optional.

Kann ich den Katalog auf eine neue Festplatte umziehen? Ja. Katalog-Datei kopieren, in Capture One öffnen. Bei referenzierten Bilder: Pfade aktualisieren (Rechtsklick → Ordner suchen). Die Datenbankdatei selbst ist portabel.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Phase One (2024): Capture One 24 – Official User Guide. Phase One A/S, Kopenhagen.
  • Riecks, D.; Goodman, J. (2019): The DAM Book: Digital Asset Management for Photographers. 3. Aufl. O'Reilly, Sebastopol, CA.
  • Zoph, B. (2022): „Backup Strategies for Professional Photographers". PetaPixel.com, San Francisco.
  • Bundesarchiv (2019): Empfehlungen zur Langzeitarchivierung digitaler Bilddaten. Bundesarchiv, Koblenz.
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