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HDR Grading in DaVinci Resolve bezeichnet den Workflow zur Farbkorrektur und Mastering in erweiterten Dynamikumfang-Standards (HDR10, Dolby Vision, HLG) unter Nutzung von Luminanzbereichen über 100 Nit für Kino-, Streaming- und Broadcast-Ausgabe.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: High Dynamic Range Grading, HDR Mastering, Tone Mapping, Dolby Vision Authoring (Menüpfad: Color Page → HDR-Palette; Projekt-Einstellungen → Color Management → Output Color Space)

Was ist HDR Grading?

HDR (High Dynamic Range) bezeichnet Bildstandards, die deutlich mehr Helligkeit, Kontrast und Farbumfang (Wide Color Gamut) bieten als der klassische SDR-Standard (Standard Dynamic Range, 100 Nit, Rec.709). HDR-Formate wie HDR10 (bis 1.000–4.000 Nit), Dolby Vision (bis 10.000 Nit Mastering) und HLG (Hybrid Log Gamma, Broadcast) erfordern spezifische Grading-Workflows, da herkömmliche SDR-Korrekturen auf HDR-Displays andere Ergebnisse liefern. DaVinci Resolve ist die branchenweit führende Software für professionelles HDR-Mastering.

Erklärung

HDR-Standards im Überblick

  • HDR10: Offener Standard (SMPTE ST.2084/PQ), 10 Bit, statische Metadaten (MaxCLL, MaxFALL), Ausgabe in Rec.2020 Wide Color Gamut. Weit verbreitet auf Streaming-Plattformen (Netflix, Amazon, Disney+) und UHD-Blu-ray.
  • HDR10+: Erweiterung mit dynamischen Metadaten (Samsung-Allianz), ähnlich wie Dolby Vision, aber offener Standard.
  • Dolby Vision: Proprietär, bis 12 Bit, dynamische Metadaten per Scene/Shot, höchste Qualität, erfordert Lizenzierung und Dolby-Analyse-Tool (Dolby Vision Trim Passes in DaVinci Studio).
  • HLG (Hybrid Log Gamma): BBC/NHK-Entwicklung für Broadcast, rückwärtskompatibel mit SDR-Displays, für Live-TV und Streaming geeignet.

Technische Grundlagen

HDR-Grading erfordert:

  • PQ-Kurve (SMPTE ST.2084): Perceptual Quantizer-Transferfunktion, die Luminanz bis 10.000 Nit codiert.
  • Rec.2020 Wide Color Gamut: Größerer Farbraum als Rec.709, umfasst mehr Grün- und Rottöne.
  • HDR-kalibrierter Monitor: DCI-P3- oder Rec.2020-fähiger Display mit ausreichender Peak-Luminanz für sinnvolles HDR-Monitoring.

HDR-Palette in DaVinci Resolve

Die dedizierte HDR-Palette (Color Page → HDR-Symbol) unterteilt den Tonwertumfang in mehrere Zonen:

  • Blacks, Shadows, Darks, Mids, Brights, Lights, Highlights, Specular

Jede Zone hat eigene Helligkeits- und Farbsteuerungen, die präzisere Anpassungen im Luminanzbereich über 100 Nit ermöglichen als die klassischen SDR-Wheels.

Tone Mapping und Trim Passes

Beim Dual-Delivery (SDR + HDR) wird üblicherweise zunächst der HDR-Grade erstellt und danach ein SDR Trim Pass durchgeführt: Das HDR-Bild wird für SDR-Ausgabe angepasst (Tone Mapping), sodass Highlights und Kontrast für SDR-Displays sinnvoll sind. DaVinci bietet automatische Tone-Mapping-Algorithmen sowie manuelle Eingriffsmöglichkeiten.

Dolby Vision Authoring (Studio)

Die Studio-Version von DaVinci Resolve ermöglicht vollständiges Dolby-Vision-Authoring inklusive Trim Passes für verschiedene Zieldisplays (100 Nit, 600 Nit, 1.000 Nit) und den Export der Dolby-Vision-Metadaten als XML-Sidecar.

Beispiele

  1. Streaming-Master (HDR10): Projekt auf Rec.2020 PQ einrichten, HDR-Palette für Spitzlichter nutzen (Candle bis 500 Nit), MaxCLL/MaxFALL-Werte für Metadaten berechnen.
  2. Broadcast HLG: Output Color Space auf HLG setzen, Luminanzbereiche für TV-kompatible Ausgabe (400–1.000 Nit Peak) optimieren.
  3. Dual-Delivery HDR/SDR: HDR-Grade als Basis; SDR-Trim-Node anlegen, automatischen Tone-Mapper aktivieren, Highlights manuell finessen.
  4. High-Contrast-Look für OLED-TVs: Spitzlichter gezielt über 400 Nit anheben (Kerzenflammen, Sonne) für „Wow-Effekt" auf HDR-fähigen Displays.
  5. Archiv-Remaster SDR → HDR: Klassisches SDR-Material aufwerten: Color Space Transform SDR→HDR, Spitzlichter manuell ausarbeiten.

In der Praxis

Schritt-für-Schritt: HDR10-Projekt einrichten

  1. Datei → Projekteinstellungen → Farbverwaltung.
  2. „DaVinci YRGB Color Managed" oder „DaVinci Wide Gamut Intermediate" als Farbwissenschaft wählen.
  3. Output Color Space: „Rec.2020 ST2084 (PQ)" auswählen.
  4. HDR-fähigen Monitor über HDMI 2.0/2.1 anschließen (oder HDR-Viewer-LUT aktivieren).
  5. Color Page: HDR-Palette öffnen (Shift+HDR-Symbol).
  6. Belichtungskorrektur zunächst in SDR-Referenzbereich (0–100 Nit), dann Highlights in HDR-Zonen ausarbeiten.
  7. Deliver Page: HDR10-Metadaten (MaxCLL, MaxFALL) einpflegen.

Fallstricke:

  • Ohne kalibrierten HDR-Monitor ist HDR-Grading nicht seriös möglich; Simulatoren sind kein Ersatz.
  • Übermäßig helle Highlights (>4.000 Nit) klingen auf günstigeren HDR-TVs (800 Nit Peak) stark ab.
  • SDR-Trim immer auf dem SDR-Monitor beurteilen, nicht vom HDR-Bild ableiten.

Vergleich & Abgrenzung

Adobe Premiere Pro bietet begrenzte HDR-Unterstützung (Lumetri) ohne dedizierte HDR-Palette oder Dolby-Vision-Authoring. Apple Final Cut Pro unterstützt HDR-Viewing und grundlegendes Grading, aber kein professionelles Dolby-Vision-Mastering. Spezialisierte DI-Systeme wie Baselight sind auf dasselbe Niveau wie DaVinci ausgerichtet, jedoch proprietär und wesentlich teurer.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie funktioniert HDR Grading in DaVinci? DaVinci Resolve ermöglicht HDR-Grading durch die Einstellung des Ausgabe-Farbraums auf PQ (HDR10) oder HLG sowie durch eine dedizierte HDR-Palette, die den erweiterten Luminanzbereich in mehrere Zonen unterteilt. Diese Zonen können unabhängig voneinander angepasst werden, sodass Spitzlichter über 100 Nit präzise kontrolliert werden.

Brauche ich die Studio-Version für HDR Grading? HDR10 und HLG sind in der kostenlosen Version verfügbar. Dolby-Vision-Authoring (Trim Passes, Dolby Vision XML Export) und bestimmte erweiterte HDR-Analyse-Tools erfordern die Studio-Version sowie eine aktive Dolby-Lizenz.

Weiterführend

  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve 19 HDR Grading Guide. Blackmagic Design Pty. Ltd., 2024.
  • Dolby Laboratories: Dolby Vision Production Authoring Specification. Dolby Laboratories, Inc., 2023.
  • Hurkman, Alexis Van: Color Correction Handbook. 3. Aufl. Peachpit Press, 2022.
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