Ein Motivationsschreiben ist ein meist einseitiger Text, in dem Bewerber/innen ausführlicher als im Anschreiben erklären, warum sie sich für eine Ausbildung, eine Schule, ein Programm oder einen Freiwilligendienst interessieren, was sie antreibt und welche Ziele sie haben. Es wird nur beigelegt, wenn es verlangt wird, und heißt bei Bewerbungen auch „Dritte Seite“.
Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Einstieg & Berufswahl · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Dritte Seite, Motivationsbrief, Letter of Motivation, Persönliche Stellungnahme
Was ist ein Motivationsschreiben?
Das Motivationsschreiben erzählt die Geschichte hinter der Bewerbung. Während Lebenslauf und Zeugnis Fakten liefern, beantwortet es Fragen wie: Woher kommt dein Interesse? Was hast du schon ausprobiert? Wohin willst du? Schulen, Stiftungen, Freiwilligendienste und manche Betriebe nutzen es, um Menschen kennenzulernen, die noch wenig Berufserfahrung haben. Gerade bei kreativen Ausbildungen zählt das Motivationsschreiben oft mehr als die Noten.
Erklärung
Wann es verlangt wird. Laut meinBERUF, dem Portal der Bundesagentur für Arbeit, gehört ein Motivationsschreiben für Berufseinsteiger/innen eher nicht zur normalen Bewerbung. Wird es ausdrücklich verlangt, legt man es bei; sonst stehen die Beweggründe im Anschreiben. Typische Fälle, in denen es gefordert wird:
- Bewerbungen an Berufsfachschulen und anderen schulischen Ausbildungen
- Freiwilligendienste wie das Freiwilliges Kulturelles Jahr (FSJ Kultur): Infos
- Stipendien und Förderprogramme
- Auslandsprogramme und internationale Bewerbungen
Was hineingehört. Ein Motivationsschreiben hat einen roten Faden mit drei Teilen:
- Einstieg: ein Erlebnis, eine Frage oder ein Projekt, das dein Interesse geweckt hat.
- Hauptteil: was du bisher getan hast, um dem Interesse nachzugehen, etwa ein Praktikum, eigene Fotos, ein Kurzfilm, ein Kurs oder ein Ehrenamt, und was du dabei gelernt hast. Laut Bundesagentur ist hier Platz für Hintergründe mit beruflichem Bezug, zum Beispiel ein größeres Projekt oder ein eigener Blog oder Instagram-Kanal, wenn das für die Bewerbung vorteilhaft ist.
- Ausblick: was du von der Ausbildung erwartest und wohin du danach willst.
Form. Meist eine Seite Fließtext, ohne Briefkopf oder mit einer schlichten Überschrift. Wenn die Schule eine Länge oder Leitfragen vorgibt, haben diese Vorrang.
Beispiele
- Beispiel 1, Fotografie: „Mit 14 habe ich die alte Kamera meines Großvaters gefunden. Seitdem fotografiere ich jeden Sonntag auf dem Wochenmarkt und habe gelernt, Menschen um Erlaubnis zu fragen und mit dem Licht zu arbeiten.“
- Beispiel 2, Film: Ein Bewerber beschreibt, wie er mit Freund/innen einen Kurzfilm für einen Schulwettbewerb gedreht hat, welche Rolle er übernahm und was beim Schnitt schiefging.
- Beispiel 3, Grafik: Eine Bewerberin erzählt, wie sie das Logo für den Sportverein entworfen hat, und erklärt, warum sie sich mit Schrift und Farben mehr beschäftigen will.
- Beispiel 4, Freiwilligendienst: Für ein FSJ Kultur schildert jemand, wie er im Jugendzentrum Veranstaltungen mitorganisiert hat und warum er nun ein Jahr in einem Theater arbeiten möchte.
- Beispiel 5, Umstieg: Eine 24-Jährige mit kaufmännischer Ausbildung erklärt, warum sie nach drei Jahren im Büro in die Gestaltung wechseln will und welche Abendkurse sie schon belegt hat.
In der Praxis
Konkret statt allgemein. „Ich bin kreativ und teamfähig“ sagt wenig. Ein Beispiel, das zeigt, wie du ein Problem gelöst oder ein Projekt abgeschlossen hast, wirkt stärker.
Ehrlich bleiben. Im späteren Gespräch wird oft nachgefragt. Die Bundesagentur weist darauf hin, dass Aussagen im Gespräch mit den Unterlagen übereinstimmen sollten.
Auf die Einrichtung eingehen. Ein Satz dazu, warum gerade diese Schule oder dieses Programm passt, zeigt, dass du dich informiert hast, zum Beispiel nach einem Infotag oder einem Praktikum.
Nicht den Lebenslauf nacherzählen. Daten und Stationen stehen schon im Lebenslauf für die Ausbildung: Aufbau, Inhalt, Tipps. Das Motivationsschreiben erklärt, was dahintersteht.
Gegenlesen lassen. Rechtschreibung prüfen, laut vorlesen, von einer zweiten Person lesen lassen. Ein KI-Tool kann beim Gliedern helfen, der Text muss aber nach dir klingen.
Für eine Berufsfachschule für Gestaltung. Bei der Lazi Akademie in Esslingen am Neckar, einer staatlich anerkannten Berufsfachschule für Gestaltung, gehört laut der Seite zur Bewerbung ein formloses Motivationsschreiben zu den Unterlagen, zusammen mit Lebenslauf und aktuellem Zeugnis. Die Unterlagen können nachgereicht werden. Nach dem Online-Formular folgen ein kurzes Gespräch mit der Fachbereichsleitung und eine kleine kreative Aufgabe mit einer Woche Zeit, bei der es kein Richtig oder Falsch gibt.
Vergleich & Abgrenzung
Das Motivationsschreiben wird am häufigsten mit dem Anschreiben verwechselt. Der Hauptunterschied: Das Anschreiben ist ein Brief an einen bestimmten Betrieb und gehört fast immer dazu, das Motivationsschreiben ist ein zusätzlicher Text mit mehr Raum für Beweggründe und wird nur auf Wunsch beigelegt. Wer beides schickt, wiederholt im Motivationsschreiben nicht das Anschreiben, sondern vertieft es.
Vom Portfolio oder der Kunstmappe: Formate A3 und A2, Inhalt und Aufbau unterscheidet es sich dadurch, dass es Text ist. Die Mappe zeigt Arbeiten, das Motivationsschreiben erklärt, warum man sie gemacht hat.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Anschreiben und Motivationsschreiben? Das Anschreiben ist ein Brief mit Adressen, Betreff und Anrede, der Motivation und Eignung für eine Stelle kurz zusammenfasst. Das Motivationsschreiben ist ein zusätzlicher, ausführlicherer Text zu Beweggründen und Zielen, der nur beigelegt wird, wenn er verlangt wird.
Wie lang sollte ein Motivationsschreiben sein? Meist eine Seite. Gibt die Schule oder das Programm eine Länge vor, gilt diese.
Brauche ich für eine Ausbildung im Betrieb ein Motivationsschreiben? In der Regel nicht. Laut Bundesagentur gehört es für Berufseinsteiger/innen eher nicht zur Bewerbung, außer der Betrieb verlangt es ausdrücklich.
Wie fange ich ein Motivationsschreiben an? Mit einem konkreten Moment: einem Projekt, einem Erlebnis oder einer Frage, die dich zum Thema gebracht hat. Floskeln wie „Hiermit möchte ich mich bewerben“ wirken schwach.
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Weiterführend
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