Das Anschreiben für die Ausbildung ist ein Brief von höchstens einer Seite, in dem Bewerber/innen erklären, warum sie genau diesen Ausbildungsberuf in genau diesem Betrieb lernen wollen und was sie dafür mitbringen. Es besteht aus Briefkopf, Datum, Betreff, persönlicher Anrede, einem Einstieg von drei bis fünf Zeilen, einem Hauptteil von etwa acht Zeilen, einem kurzen Schluss und der Unterschrift.
Rubrik: Berufsfelder & Berufsbilder · Unterrubrik: Einstieg & Berufswahl · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Bewerbungsschreiben, Bewerbungsanschreiben, Motivationsbrief (umgangssprachlich), Cover Letter
Was ist ein Anschreiben für die Ausbildung?
Das Anschreiben ist der persönlichste Teil der Bewerbung. Der Lebenslauf zeigt, was du gemacht hast, das Anschreiben zeigt, warum du dich bewirbst. Laut meinBERUF, dem Portal der Bundesagentur für Arbeit, gehört es in fast jede Bewerbung und kann den Ausschlag für eine Zu- oder Absage geben. Ein gutes Anschreiben für die Ausbildung ist kurz, konkret und auf den einzelnen Betrieb zugeschnitten.
Erklärung
Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt einen klaren Aufbau, der sich an einem Geschäftsbrief orientiert.
1. Kontaktdaten. Oben stehen dein Name, deine Adresse, Handynummer und eine seriöse E-Mail-Adresse, darunter die Adresse des Betriebs.
2. Ort und Datum. Rechtsbündig, im Format TT.MM.JJJJ und immer aktuell.
3. Betreff. Hier steht der Ausbildungsberuf so, wie er in der Anzeige heißt, zum Beispiel „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Mediengestalter/in Digital und Print“. Gibt es eine Kennziffer, gehört sie dazu.
4. Anrede. Besser als „Sehr geehrte Damen und Herren“ ist der Name der Ansprechperson. Steht er nicht in der Anzeige, lohnt ein Anruf oder ein Blick auf die Website. Lässt sich niemand finden, ist die allgemeine Anrede in Ordnung.
5. Einstieg. Er soll Interesse wecken wie die erste Szene eines Films. Laut Bundesagentur gehören hier deine Motivation und der Grund hinein, warum du dich gerade bei diesem Unternehmen bewirbst. Die Floskel „Hiermit bewerbe ich mich“ solltest du vermeiden. Länge: drei bis höchstens fünf Zeilen.
6. Hauptteil. Hier machst du Werbung für dich, ohne zu übertreiben: Was qualifiziert dich? Welche Erfahrungen aus Praktikum, Ferienjob, Ehrenamt oder Hobby passen zum Beruf? Welche Stärken, etwa Teamfähigkeit oder Sorgfalt, kannst du mit einem Beispiel belegen? Etwa acht Zeilen.
7. Verbindung zum Betrieb. In ungefähr zwei Zeilen zeigst du, was dich mit dem Unternehmen verbindet, etwa gemeinsame Werte oder wie du mit deinen Stärken beitragen kannst.
8. Schluss und Unterschrift. Ein Satz, dass du dich über eine Einladung zum Gespräch freust, dann „Mit freundlichen Grüßen“ und dein Name. Bei Post wird von Hand unterschrieben, bei E-Mail kann eine eingescannte Unterschrift eingefügt werden; bei Online-Formularen ist sie nicht nötig.
Beispiele
- Beispiel 1, Einstieg mit Erlebnis: „Seit ich im Schülerpraktikum bei Ihnen erlebt habe, wie aus einer Skizze ein fertiges Plakat wird, weiß ich, dass ich Mediengestalterin werden möchte.“
- Beispiel 2, Einstieg mit Bezug zum Betrieb: „Ihre Kampagne für das Stadtfest ist mir aufgefallen, weil sie mit wenigen Farben auskommt und trotzdem überall auffällt. Genau so möchte ich gestalten lernen.“
- Beispiel 3, Hauptteil mit Beleg: „Für die Schülerzeitung fotografiere ich seit zwei Jahren und bearbeite die Bilder selbst. Dabei habe ich gelernt, Termine einzuhalten und Kritik anzunehmen.“
- Beispiel 4, Stärke statt Behauptung: Statt „Ich bin kreativ“ besser: „In der Kunst-AG habe ich das Bühnenbild für unser Schultheater entworfen und mit zwei Mitschülern umgesetzt.“
- Beispiel 5, Schluss: „Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch, gern auch online, freue ich mich.“
In der Praxis
Erst recherchieren, dann schreiben. Die Bundesagentur empfiehlt, sich vorher über das Unternehmen zu informieren und drei Gründe aufzuschreiben, warum dich gerade dieser Betrieb überzeugt. Diese Gründe tragen den Einstieg.
Anforderungen spiegeln. Lies die Stellenanzeige und markiere, was gefordert ist. Zu jedem Punkt suchst du ein eigenes Beispiel. So entsteht ein Hauptteil, der zur Anzeige passt, statt allgemeiner Sätze.
Kurz bleiben. Eine Seite ist die Obergrenze. Wer mehr schreibt, wird selten vollständig gelesen.
Typische Fehler vermeiden. Falscher Firmenname aus einer alten Bewerbung, Rechtschreibfehler, Konjunktiv („Ich würde mich freuen“) statt klarer Aussagen, und Sätze, die nur den Lebenslauf wiederholen. Lass das Anschreiben von einer zweiten Person gegenlesen.
Mit KI schreiben? Ein Tool kann beim Gliedern helfen. Der Text muss aber nach dir klingen und stimmen, denn im Gespräch wird nachgefragt. Die Bundesagentur rät generell, dass Aussagen im Gespräch mit den Unterlagen übereinstimmen.
Kein Anschreiben gewünscht? Manche Betriebe verzichten laut Bundesagentur bei Online-Bewerbungen darauf. Dann kommen deine Argumente in die Freitextfelder des Portals.
Für kreative Ausbildungen. Bei Berufsfachschulen für Gestaltung reicht oft ein kurzes, formloses Motivationsschreiben. An der Lazi Akademie in Esslingen am Neckar gehören laut der Seite zur Bewerbung ein formloses Motivationsschreiben, ein Lebenslauf und ein aktuelles Zeugnis zu den Unterlagen, die auch nachgereicht werden können. Nach dem Online-Formular meldet sich die Akademie innerhalb von 24 Stunden, danach folgen ein kurzes Gespräch und eine kleine kreative Aufgabe.
Vergleich & Abgrenzung
Das Anschreiben wird oft mit dem Motivationsschreiben verwechselt. Beides erklärt deine Beweggründe, aber in unterschiedlicher Form.
| Merkmal | Anschreiben | Motivationsschreiben |
|---|---|---|
| Pflicht | fast immer | nur auf Wunsch des Betriebs oder der Schule |
| Form | Brief mit Adressen, Betreff, Anrede | Fließtext, oft als „Dritte Seite“ ohne Briefkopf |
| Inhalt | Motivation plus Eignung für die Stelle | ausführlichere Beweggründe, Ziele, Projekte |
| Länge | höchstens eine Seite | meist eine Seite |
Mehr dazu steht im Eintrag Motivationsschreiben: Aufbau, Inhalt und Unterschied.
Häufige Fragen
Wie fange ich ein Anschreiben für die Ausbildung an? Mit deiner Motivation und einem konkreten Bezug zum Betrieb, etwa einem Erlebnis im Praktikum oder einem Projekt der Firma. Die Bundesagentur rät davon ab, mit „Hiermit bewerbe ich mich“ zu beginnen.
Wie lang darf das Anschreiben sein? Höchstens eine DIN-A4-Seite. Die Bundesagentur nennt als Richtwert drei bis fünf Zeilen Einstieg, etwa acht Zeilen Hauptteil und rund zwei Zeilen zur Verbindung mit dem Betrieb.
Was schreibe ich, wenn ich noch keine Erfahrung habe? Schulprojekte, Hobbys, Ehrenamt, Schülerzeitung, Ferienjobs oder ein Schülerpraktikum: Ablauf, Rechte und Tipps zur Suche zählen. Wichtig ist, dass du zeigst, was du dabei gelernt hast.
Muss ich das Anschreiben unterschreiben? Auf Papier ja, von Hand. Bei E-Mail-Bewerbungen kann eine eingescannte Unterschrift eingefügt werden. In Online-Formularen ist keine Unterschrift nötig.
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Weiterführend
- Bundesagentur für Arbeit (2026): Das perfekte Anschreiben erstellen. meinBERUF, arbeitsagentur.de/bildung/bewerbung/anschreiben
- Bundesagentur für Arbeit (2026): Bewerbungsunterlagen: Das gehört rein. meinBERUF, arbeitsagentur.de/bildung/bewerbung/bewerbungsunterlagen
- Bundesagentur für Arbeit (2026): So bewirbst du dich auf eine Ausbildung. meinBERUF, arbeitsagentur.de/bildung/bewerbung/bewerbungsprozess-ausbildung
