Fernsehredakteur/in ist eine Fachkraft in einer TV-Redaktion, die Sendungsformate und -beiträge konzipiert, Produktionen redaktionell betreut, journalistische Qualität sicherstellt und die Umsetzung von der Idee bis zur Ausstrahlung verantwortet.
Was ist ein Fernsehredakteur?
Hinter jeder Fernsehsendung – egal ob Nachrichtenmagazin, Dokumentation, Talkshow oder Spielfilm – steht eine Redaktion. Der Fernsehredakteur ist die journalistische und organisatorische Kraft, die Ideen entwickelt, Formate plant, Produktionen begleitet und für die inhaltliche Qualität des Endprodukts verantwortlich ist.
Im Unterschied zum Broadcast-Journalisten, der primär selbst recherchiert und präsentiert, ist der Fernsehredakteur oft mehr auf der koordinierenden und steuernden Seite: Er beauftragt externe Produktionsfirmen, betreut Filmteams, gibt Drehbücher frei und sorgt dafür, dass das Ergebnis dem redaktionellen Konzept und den Sendervorgaben entspricht.
Erklärung
Aufgaben und Verantwortung
Konzeption:
- Sendungsideen entwickeln und mit Redaktionsleitung abstimmen
- Redaktionskonferenzen leiten oder vorbereiten
- Formate planen: Welche Sendung funktioniert für welches Publikum und welchen Slot?
- Budget für Produktionen kalkulieren und verwalten
Produktion (Begleitung):
- Externe Produktionsfirmen beauftragen und briefen (→ Produzent-Film)
- Drehbücher, Konzepte und Treatments prüfen und freigeben
- Drehbegleitung: Redakteur ist oft am Set präsent (besonders bei Dokumentationen)
- Schnitt und Postproduktion redaktionell begleiten und abnehmen
- Rechtliche Prüfung: Bildrechte, Persönlichkeitsrechte, Sendelizenzen
Redaktionelle Verantwortung:
- Journalistische Qualitätssicherung: Fakten, Quellen, Ausgewogenheit
- Endabnahme vor der Ausstrahlung
- Zusammenarbeit mit dem Justiziariat bei heiklen Themen
Senderinterne Koordination:
- Abstimmung mit Programmplanung, Marketing, Technik
- Koordination von Live-Sendungen (Timing, Ablaufpläne)
Tagesablauf
Fernsehredakteure arbeiten in Schichten (bei Nachrichtenredaktionen) oder in Bürozeiten (bei Magazin- und Dokumentationsredaktionen). Der Tag ist geprägt von Meetings, Emails, Telefonaten mit Produktionsfirmen und Abnahmen. Bei Live-Sendungen beginnt der Abend oft im Produktionsbüro.
Beispiele
- ARD/ZDF-Redaktionen: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen beschäftigt Tausende festangestellte Redakteure. Sendungen wie „Panorama" (NDR), „Report Mainz" (SWR) oder das „ZDF-Magazin Royale" entstehen in festen Redaktionen.
- Privatfernsehen (RTL, ProSieben, SAT.1): Hier arbeiten Redakteure an Unterhaltungssendungen, Reality-TV und Nachrichtenformaten unter starkem Quotendruck.
- Spartenkanäle (arte, 3sat, ARTE): Kultur- und Dokumentationsredaktionen mit hohem inhaltlichem Anspruch und oft europäischer Co-Produktionsstruktur.
- Streamingplattformen (Netflix, Amazon): Diese beauftragen Redakteure als Produzenten oder in Entwicklungs-Teams – ein wachsendes Feld.
In der Praxis
Ausbildungsweg
Die klassischen Wege:
- Volontariat bei einer Fernsehanstalt (ARD, ZDF, privat): Strukturierte Ausbildung, gilt als Königsweg
- Journalistenschulen: Deutsche Journalistenschule (DJS), Axel Springer Akademie – mit Schwerpunkt auf broadcast
- Studium: Journalistik, Kommunikationswissenschaft, Kulturwissenschaften – anschließend Volontariat
- Direkteinstieg über freie Mitarbeit, oft über viele Jahre aufgebaut
Wichtig: Praktika beim Wunschsender frühzeitig absolvieren – Netzwerke entstehen früh.
Verdienst
Laut ARD-Haustarif und ZDF-Tarifvertrag (Stand 2023, ausgehandelt mit ver.di):
- Redakteurs-Einstiegsgehalt nach Volontariat: ca. 3.800–4.500 Euro/Monat brutto
- Erfahrener Redakteur: 4.500–6.500 Euro/Monat
- Leitende Redakteure/Ressortleiter: 6.000–9.000 Euro/Monat
Privatfernsehen zahlt oft vergleichbar, aber mit weniger Tarifsicherheit. Freelancer-Honorare variieren stark.
Karrierepfad
Volontär → Juniorredakteur → Redakteur → Leitender Redakteur → Ressortleiter → Sendungsverantwortlicher → Chefredakteur. Seitenwechsel in Produktionsfirmen (als Producerin) oder in Kommunikation ist häufig.
Vergleich & Abgrenzung
| Beruf | Kernaufgabe |
|---|---|
| Fernsehredakteur | Redaktionelle Planung, Betreuung, Qualitätssicherung |
| Broadcast-Journalist | Recherche, Dreh, Präsentation von Beiträgen |
| Produzent-Film | Unabhängige Produktion von Film/TV-Content |
| Moderator | Präsentation vor der Kamera |
In vielen Redaktionen ist die Grenze fließend: Redakteure drehen selbst, Journalisten haben redaktionelle Aufgaben. In größeren Häusern sind die Rollen klarer getrennt.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich als Fernsehredakteur selbst vor die Kamera? Nicht zwingend – in vielen Redakteurspositionen ist die Arbeit rein koordinativ und hinter den Kulissen. In kleineren Redaktionen kommen aber auch Moderation und Kamera-Auftritte vor.
Ist Fernsehredakteur ein sicherer Job? Festanstellungen bei öffentlich-rechtlichen Sendern sind vergleichsweise sicher. Privatfernsehen ist konjunkturabhängig. Der Bereich wächst durch Streaming, aber auch die Konkurrenz nimmt zu.
Welche Fähigkeiten sind neben Journalistik besonders gefragt? Projektmanagement, Budgetplanung, Moderationsfähigkeit und Kenntnisse in Medienrecht sind sehr wertvoll.
Weiterführend
- Deutscher Journalisten-Verband (DJV): djv.de
- ARD-Volontariat (Informationen bei den einzelnen Anstalten): ard.de
- ZDF-Tarifvertrag: Informationen bei ver.di Fachbereich Medien
- Deutsche Journalistenschule München: djs-online.de
- Grimme-Institut (Qualitätsfernsehen, Workshops): grimme-institut.de
