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Colorgrading ist der kreative und technische Prozess der Nachbearbeitung von Filmmaterial, bei dem Farben, Kontraste und Helligkeitswerte gezielt manipuliert werden, um eine bestimmte visuelle Stimmung oder Ästhetik zu erzeugen.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Colorgrading · Niveau: Fortgeschritten


Was ist Colorgrading?

Colorgrading bezeichnet die gezielte Farbgestaltung von Video- und Filmmaterial in der Post-Produktion. Der Begriff umfasst zwei eng verwandte, aber konzeptionell verschiedene Arbeitsschritte: die Color Correction (technische Farbkorrektur) und das eigentliche Color Grading (kreative Farbgestaltung).

Während Color Correction darauf abzielt, technische Fehler zu beheben – beispielsweise Weißabgleich-Fehler, Belichtungsprobleme oder Inkonsistenzen zwischen verschiedenen Einstellungen –, geht Colorgrading einen Schritt weiter und verleiht dem Material einen bewusst gestalteten visuellen Look. Beide Prozesse fließen in der Praxis häufig ineinander über und werden von einem Coloristen durchgeführt.

Historisch geht Colorgrading auf die analoge Filmzeit zurück, als Labortechniker durch chemische Prozesse die Farbwerte von Filmnegativ und -positiv beeinflussten. Der Begriff „Grading" stammt aus der britischen Filmindustrie und beschreibt das Einstellen der optischen Druckerwerte (Printer Lights) im Kopierwerk. Mit dem Aufkommen digitaler Workstations in den 1990er-Jahren – zunächst durch Systeme wie das Quantel Pablo oder das da Vinci Systems – wurden diese Prozesse digital und damit erheblich flexibler.


Erklärung

Primary Grading (Primäres Grading)

Das primäre Grading wirkt sich auf das gesamte Bild aus. Es umfasst die Korrektur und Gestaltung grundlegender Bildparameter:

  • Lift (Schatten): Beeinflusst die dunkelsten Bildbereiche. Das Anheben des Lifts hellt Schatten auf, das Absenken verdunkelt sie.
  • Gamma (Midtones): Steuert die mittleren Helligkeitswerte ohne die Extrembereiche zu beeinflussen.
  • Gain (Lichter): Wirkt auf die hellsten Bildbereiche. Höhere Gain-Werte hellen Spitzlichter auf.
  • Offset: Verschiebt alle Tonwerte gleichmäßig und eignet sich zur globalen Helligkeitskorrektur.
  • Kontrast: Beschreibt das Verhältnis zwischen den dunkelsten und hellsten Bildbereichen.
  • Sättigung: Steuert die Intensität aller Farben im Bild global.

Im DaVinci-Resolve-Kontext werden diese Parameter häufig über die Color Wheels (Lift/Gamma/Gain/Offset) oder die Log Wheels gesteuert, die sich besonders für logarithmisches Kameramaterial eignen.

Secondary Grading (Sekundäres Grading)

Das sekundäre Grading richtet sich an spezifische Bildbereiche, Farbbereiche oder Objekte. Es greift selektiv ins Bild ein:

  • Qualifier: Wählt Farbbereiche anhand von Farbton, Sättigung oder Luminanz aus (z. B. nur der Himmel, nur Hauttöne).
  • Power Windows: Geometrische Masken (Oval, Polygon, Gradient, Kurve), die bestimmte Bildbereiche isolieren.
  • Motion Tracking: Verfolgt bewegte Objekte durch das Bild, damit Masken oder Korrekturen mit ihnen mitbewegen.
  • HSL-Kurven: Gezielte Manipulation einzelner Farbtöne über Hue-, Saturation- und Luminance-Kurven.

Beispiele

Beispiel 1 – Teal-Orange-Look: Der heute weit verbreitete Blockbuster-Look basiert auf dem Prinzip, Hauttöne in den orangefarbenen Bereich zu verschieben und Schatten sowie Hintergründe komplementär blau-grün (teal) einzufärben. Primär wird der Grundton des gesamten Materials angepasst, sekundär werden Hauttöne isoliert und gezielt wärmer gemacht.

Beispiel 2 – Dokumentarfilm-Look: Dokumentarfilme bevorzugen häufig eine naturalistische Farbgebung. Primary Grading stellt korrekte Hauttöne und neutrale Weißpunkte sicher; sekundäres Grading wird minimal eingesetzt, um nur störende Farben zu korrigieren.

Beispiel 3 – Horror-Genre: Typische Horror-Filme nutzen entsättigte, kühle Farbpaletten mit stark angehobenen Schatten und reduzierten Spitzlichtern, um Unbehagen zu erzeugen. Primary Grading erzeugt den Gesamtton, Secondary Grading kann einzelne Objekte (z. B. Blut) gezielt intensiver färben.


In der Praxis

Der Grading-Workflow beginnt typischerweise nach dem Schnitt mit der Konformierung des Materials (Verknüpfung des geschnittenen Projekts mit den Originaldateien in höchster Qualität). Der Colorist arbeitet dann in einer kalibrierten Grading-Suite – einem Raum mit definierter Umgebungsbeleuchtung (D65, 5 Cd/m²), kalibriertem Referenzmonitor (z. B. OLED-Panel mit DCI-P3-Farbraum) und einer Hardware-Grading-Konsole (z. B. DaVinci Resolve Micro Panel oder Tangent Element).

Die Arbeit erfolgt immer in Abstimmung mit dem Regisseur oder dem Director of Photography (DoP), der die visuelle Bildsprache des Projekts verantwortet. Der Colorist liefert verschiedene Deliverables: eine Version für das Kino (DCI-P3), eine für Broadcast (Rec. 709) und zunehmend auch HDR-Versionen (Rec. 2020/PQ).

Wichtig ist die Trennung von Grading und VFX-Finishing: Colorgrading findet nach dem Einfügen aller Effekte statt, damit Nachbearbeitungen und Originalaufnahmen visuell zusammenpassen.


Vergleich & Abgrenzung

BegriffBedeutung
Color CorrectionTechnische Fehlerkorrektur (Weißabgleich, Belichtung)
Color GradingKreative Farbgestaltung für Stimmung und Ästhetik
Color FinishingAbschlussstufe vor der Auslieferung, Deliverables
Color ScienceWissenschaftliche Grundlagen: Farbraum, Gammakurven, etc.
LUTLook-Up-Table zur schnellen Farbtransformation

Color Correction ist ein Teilbereich von Colorgrading. In der Praxis werden beide Begriffe jedoch oft synonym verwendet. Color Science bezeichnet hingegen die zugrundeliegenden physikalischen und mathematischen Modelle, auf denen Farbräume, Transformationen und Kalibrierungen basieren.


Häufige Fragen (FAQ)

Ist Color Correction dasselbe wie Colorgrading? Nein. Color Correction ist der technische Schritt zur Fehlerkorrektur (z. B. Weißabgleich); Colorgrading ist der kreative Prozess der Stimmungsgestaltung. In der Praxis fließen beide ineinander.

Welche Software wird professionell eingesetzt? DaVinci Resolve ist der Industriestandard für professionelles Colorgrading. Daneben werden Adobe Premiere Pro (Lumetri), Final Cut Pro X und FilmLight Baselight eingesetzt. Für den Kinobereich dominiert DaVinci Resolve.

Brauche ich einen kalibrierten Monitor? Für professionelle Ergebnisse: Ja. Ein kalibrierter, farbraumkonformer Monitor (z. B. mit P3-Abdeckung und Hardware-Kalibrierung) ist essenziell, um Farben korrekt beurteilen zu können. Für einfache Korrekturen genügen kalibrierte Consumer-Displays.

Was kostet professionelles Colorgrading? Die Tagesraten professioneller Coloristen bewegen sich in Deutschland zwischen 800 € und 2.500 € pro Tag, zuzüglich Studiokosten. Online-Colorgrading über Remote-Workflows ist deutlich günstiger.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Hullfish, S. & Fowler, J. (2003). Color Correction for Digital Video. CMP Books.
  • Hurkman, A. V. (2014). Color Correction Handbook: Professional Techniques for Video and Cinema. 2. Aufl. Peachpit Press.
  • ISO 22028-1:2004. Photography and graphic technology – Extended colour encodings for digital image storage, manipulation and interchange. ISO.
  • Poynton, C. (2012). Digital Video and HD: Algorithms and Interfaces. 2. Aufl. Morgan Kaufmann.
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