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Node-basiertes Grading ist ein Arbeitsparadigma in DaVinci Resolve, bei dem jede Farbkorrektur in einem eigenständigen, miteinander verbundenen Verarbeitungsknoten (Node) stattfindet und der gesamte Signalfluss als visueller Graph dargestellt wird.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Colorgrading · Niveau: Fortgeschritten


Was ist ein Node?

Ein Node in DaVinci Resolve ist ein Verarbeitungsblock, der ein Bildsignal empfängt, eine definierte Transformation anwendet und das verarbeitete Signal weitergibt. Der Node-Editor zeigt diese Verarbeitungsblöcke als grafisches Flussdiagramm – ähnlich wie ein Schaltkreis, in dem das Bildsignal von links nach rechts durch die Nodes fließt.

Das Node-Paradigma unterscheidet sich grundlegend von der Ebenenlogik, die beispielsweise Adobe Photoshop oder Premiere Pro verwenden. Während Ebenen übereinander gestapelt werden, werden Nodes verschaltet – was eine präzise Steuerung des Signalflusses und eine klare Trennung verschiedener Korrekturen ermöglicht.


Erklärung

Node-Typen

DaVinci Resolve kennt mehrere Node-Typen, die jeweils eine andere Funktion im Signalfluss erfüllen:

Serial Node (Serieller Node) Der häufigste Node-Typ. Das Ausgangssignal eines seriellen Nodes wird direkt als Eingangssignal des nächsten Nodes weitergegeben. Alle Korrekturen bauen aufeinander auf. Der serielle Node eignet sich für sequenzielle Korrekturen: erst Belichtung, dann Farbe, dann Sekundär-Grading.

Parallel Node (Paralleler Node) Ein paralleler Node teilt das Eingangssignal in mehrere parallele Verarbeitungspfade auf. Die Ergebnisse werden am Ende automatisch zusammengemischt (gemittelt). Parallele Nodes eignen sich, wenn mehrere Korrekturen voneinander unabhängig sein sollen und sich gegenseitig nicht beeinflussen dürfen.

Layer Node (Ebenen-Node) Ähnlich wie parallele Nodes teilt ein Layer-Node das Signal auf mehrere Pfade auf, jedoch werden die Ergebnisse hier wie Ebenen übereinandergelegt – der untere Layer liegt unter dem oberen. Das Mischverhältnis kann über den Key-Eingang gesteuert werden. Ideal für Compositing-artige Korrekturen wie Vignetten oder Himmelsersatz.

Outside Node Ein Outside Node verarbeitet das Signal außerhalb der Qualifier-Maske eines vorherigen Nodes – also alles, was nicht ausgewählt wurde. Damit lassen sich Innen- und Außenbereiche einer Maske separat graden.

Splitter / Combiner Node Diese Node-Kombination teilt das RGB-Signal in einzelne Farbkanäle (R, G, B) auf und führt sie anschließend wieder zusammen. So können einzelne Farbkanäle unabhängig voneinander bearbeitet werden – beispielsweise für kanalspezifische Rauschunterdrückung oder für kreative Kanalmanipulationen.

Der Key-Input (Masken-Eingang)

Jeder Node in Resolve hat neben dem Bild-Ein- und -Ausgang auch einen Key-Input und einen Key-Output (im Node-Graph als blaue Verbindungslinie dargestellt). Über den Key-Input kann eine externe Maske oder ein Alpha-Signal in den Node eingespeist werden, die bestimmt, wo die Korrektur des Nodes wirksam ist. Dies ist die Grundlage für sekundäres Grading mit Power Windows oder externen Masken.

Typische Node-Strukturen

Einfacher Basis-Grade (3 Nodes): `` [Node 1: Primär Korrektur] → [Node 2: Creative Look] → [Node 3: Output] ``

Professionelle Struktur: `` [Input Transform / LUT] ↓ [Node 1: Primär Belichtung] ↓ [Node 2: Primär Farbe] ↓ [Node 3: Hauttöne (Qualifier)] ↓ [Node 4: Himmel (Power Window)] ↓ [Node 5: Creative Look] ↓ [Node 6: Vignette] ↓ [Output Transform / LUT] ``

ACES-Workflow: Im ACES-Workflow (→ ACES: Academy Color Encoding System) werden IDT (Input Device Transform) und ODT (Output Display Transform) als Nodes in den Graphen integriert, sodass das Grading immer im szenenlinearen ACES-Farbraum stattfindet.


Beispiele

Beispiel 1 – Hauttöne isolieren: Node 1 nimmt die Grundkorrektur vor. Node 2 ist ein serieller Node mit einem Qualifier, der die Hauttöne auswählt. In Node 2 werden die Hauttöne auf der Skin Line ausgerichtet (→ Hauttöne graden: Vectorscope & Skin Line). Ein Outside Node könnte gleichzeitig alles außerhalb der Hauttöne desaturieren.

Beispiel 2 – Vignette mit Layer Node: Der letzte Node im Graph ist ein Layer Node. Er enthält eine kreisförmige Power Window, die die Bildränder abdunkelt. Da er als Layer über dem Rest liegt, beeinflusst er das Ergebnis aller vorherigen Korrekturen.

Beispiel 3 – RGB-Kanal-Behandlung via Splitter/Combiner: Für altes Super-8-Film-Look-Emulations-Grading werden via Splitter/Combiner die Kanäle getrennt. Der Blau-Kanal erhält eine leichte Unschärfe und Körnung, der Rot-Kanal eine leichte Kurvenmanipulation – das ergibt authentische Filmlook-Artefakte.


In der Praxis

Shortcuts für den Node-Editor

  • Alt+S: Neuen seriellen Node hinzufügen
  • Alt+P: Neuen parallelen Node hinzufügen
  • Alt+L: Neuen Layer Node hinzufügen
  • Ctrl+D (Cmd+D): Node deaktivieren/aktivieren (gut zum Vorher-Nachher-Vergleich)

Pre-Clip und Post-Clip Nodes

DaVinci Resolve bietet zwei besondere Node-Typen auf Timeline-Ebene: Pre-Clip und Post-Clip Nodes (erreichbar über Rechtsklick im Node-Editor). Diese werden vor bzw. nach dem individuellen Clip-Grade angewendet und erlauben so Timeline-weite Korrekturen, die alle Clips betreffen – ideal für globale LUTs oder einen finalen Output-Transform.

Group Grades

Über das Group-Feature in Resolve lassen sich mehrere Clips zu einer Gruppe zusammenfassen. Jede Gruppe kann einen Pre-Group- und Post-Group-Node haben, der auf alle Clips der Gruppe angewendet wird. Dies ist die empfohlene Methode für Scene-Wide-Grading in größeren Projekten.


Vergleich & Abgrenzung

ParadigmaBeschreibungBeispiel-Software
Node-basiertSignalfluss als Graph, maximale FlexibilitätDaVinci Resolve, Nuke
Ebenen-basiertKorrekturen als Ebenen übereinanderPhotoshop, Premiere Pro
Filter-basiertSequenzielle FilteranwendungFCPX, Lightroom

Das Node-Paradigma ist mächtiger und flexibler als Ebenenlogik, erfordert aber mehr konzeptionelles Verständnis. Der Vorteil: Korrekturen können in beliebiger Reihenfolge reorganisiert, einzeln deaktiviert und präzise verschaltet werden.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Nodes sollte ein Grade haben? Es gibt keine feste Zahl. Einfache Korrekturen können in 2–3 Nodes erledigt werden; komplexe Szenen-Grades können 10–20+ Nodes umfassen. Wichtig ist Übersichtlichkeit: Nodes beschriften und logisch strukturieren.

Kann ich Nodes umbenennen? Ja. Doppelklick auf einen Node im Node-Editor öffnet das Textfeld zur Umbenennung. Professionelle Coloristen benennen immer alle Nodes, um die Struktur nachvollziehbar zu halten.

Was passiert, wenn ich einen Node deaktiviere? Der deaktivierte Node wird aus dem Signalfluss ausgeschlossen, als ob er nicht vorhanden wäre. Der restliche Graph bleibt unverändert aktiv. Ideal für A/B-Vergleiche einzelner Korrekturen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Blackmagic Design (2023). DaVinci Resolve 18 Reference Manual. Blackmagic Design Pty. Ltd.
  • Hurkman, A. V. (2014). Color Correction Handbook. 2. Aufl. Peachpit Press.
  • Color Grading Central (2022). Node-Based Grading Fundamentals.
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