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Eine LUT (Look-Up-Table) ist eine mathematische Tabelle, die jedem Eingangsfarbwert eines Bildes einen definierten Ausgangsfarbwert zuordnet und damit eine vollständige Farbtransformation in einem einzigen Schritt ermöglicht.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Colorgrading · Niveau: Fortgeschritten


Was ist eine LUT?

Der Begriff LUT steht für Look-Up-Table – wörtlich eine Nachschlagetabelle. Im Kontext des Colorgradings ist eine LUT eine Datei, die Farbtransformationen kodiert: Für jeden möglichen Eingangsfarbwert (definiert durch R-, G- und B-Komponenten) enthält die LUT den entsprechenden Ausgangsfarbwert. Wenn ein LUT auf einen Videoclip angewendet wird, wird jeder Pixel des Bildes durch Nachschlagen in dieser Tabelle transformiert.

LUTs werden in nahezu allen Phasen der Videoproduktion eingesetzt – von der Kamera-Entwicklung am Set (On-Set-Monitoring-LUTs) über den Grading-Workflow bis zur finalen Auslieferung.


Erklärung

1D-LUT vs. 3D-LUT

1D-LUT: Eine eindimensionale LUT verarbeitet jeden Farbkanal (R, G, B) unabhängig voneinander. Sie kann Helligkeit und Gammakurven transformieren, aber keine kreuzkanal-Interaktionen abbilden. 1D-LUTs sind sehr klein (nur 1024 oder 4096 Werte pro Kanal) und recheneffizient.

3D-LUT: Eine dreidimensionale LUT definiert Ausgabewerte für alle Kombinationen aus R-, G- und B-Eingangswerten in einem dreidimensionalen Farbraum-Gitter. Sie kann jeden möglichen Farbton, jede Sättigung und jeden Helligkeitswert individuell transformieren. Eine 33x33x33-LUT enthält beispielsweise 35.937 Referenzpunkte. Zwischen diesen Gitterpunkten wird interpoliert.

3D-LUTs sind der Standard für professionelles Colorgrading und ermöglichen komplexe Transformationen wie Farbraum-Konversionen und vollständige Looks.

Technical LUTs (Technische LUTs)

Technical LUTs dienen rein funktionalen Zwecken und sollen keine kreative Veränderung bewirken, sondern einen definierten technischen Zustand herstellen:

  • Input Transform / IDT (Input Device Transform): Konvertiert Log-kodierten Kameraoutput (S-Log, Log-C, Canon Log etc.) in einen definierten Arbeitsfarbraum. (→ Log-Footage umwandeln: S-Log, Log-C, Canon Log)
  • Output Transform / ODT (Output Display Transform): Konvertiert aus dem Arbeitsfarbraum in den Zielfarbraum (z. B. Rec. 709 für Broadcast, DCI-P3 für Kino, Rec. 2020 für HDR).
  • Camera LUTs: Herstellerspezifische LUTs, die von Kameraherstellern mitgeliefert werden (z. B. Sony S-Log3 to Rec.709 LUT, ARRI K1S1 LUT).
  • Calibration LUTs: Monitor-Kalibrierungs-LUTs, die die Farbabweichungen eines spezifischen Monitors korrigieren.

Technical LUTs sind präzise, wissenschaftlich definiert und nicht für kreative Zwecke gedacht.

Creative LUTs (Kreative LUTs)

Creative LUTs definieren einen visuellen Look – eine ästhetische Farbgestaltung, die über die technische Korrektheit hinausgeht. Sie simulieren Filmemulsionen, erzeugen Genre-Looks oder definieren einen Markenstil:

  • Film Emulation LUTs: Simulieren die charakteristischen Farb- und Kontrastkurven chemischer Filmemulsionen (Kodak Vision 3, Fujifilm Eterna, Kodak 2383 Print Film). (→ Film-Emulation: Kodak, Fuji, Cinestill nachbauen)
  • Cinematic Looks: Generische Look-Pakete, die bestimmte ästhetische Stile definieren (z. B. „Teal & Orange", „Matte Look", „Day-for-Night").
  • Brand LUTs: Maßgeschneiderte LUTs für Medienunternehmen oder Filmemacher, die konsistente Markenwiedergabe sicherstellen.
  • On-Set-Monitoring-LUTs: Werden am Set angewendet, damit Regie und Kamera eine Vorschau des fertigen Looks sehen – ohne dass das Originalmaterial verändert wird.

LUT-Formate

  • .cube: Das häufigste Format; unterstützt von allen professionellen Anwendungen (Resolve, Premiere, Nuke, etc.)
  • .3dl: Älteres Format, hauptsächlich für Autodesk-Anwendungen
  • .look: DaVinci-Resolve-spezifisches Format mit erweiterten Metadaten
  • .lut: Einfaches Format, häufig von Kameraherstellern verwendet

Beispiele

Beispiel 1 – Monitoring-LUT am Set: Ein Kameramann dreht auf einer ARRI Alexa in Log-C. Der DIT wendet eine Technical LUT (Log-C to Rec.709) auf den Monitor-Output an, damit alle am Set das Bild in normaler Kontrastierung sehen können – das Log-Original bleibt unberührt.

Beispiel 2 – Film-Emulation: Ein Colorist möchte dem Material einer Netflix-Serie einen analogen Filmcharakter geben. Er wendet zunächst eine technische LUT für die Log-Konversion an und darüber eine Kodak-Vision-3-Emulations-LUT von einem spezialisierten Anbieter (z. B. Dehancer, Lattice).

Beispiel 3 – Creative Look-Paket: Eine Werbeproduktion kauft ein Creative-LUT-Paket eines bekannten Coloristen. Der Colorist des Projekts nutzt diese LUTs als Ausgangspunkt und modifiziert sie für das spezifische Projekt.


In der Praxis

LUTs ersetzen kein vollständiges Grading. Sie sind Ausgangspunkte oder Referenzpunkte, keine fertigen Lösungen. Professionelle Coloristen nutzen LUTs für:

  • Schnelle Look-Entwicklung zu Beginn eines Projekts
  • Übergabe von Looks zwischen Coloristen und Abteilungen
  • Technische Transformationen in automatisierten Pipelines
  • On-Set-Monitoring ohne Veränderung des Originalmaterials

Wichtig: Eine LUT ist immer für ein spezifisches Eingangssignal optimiert. Eine LUT, die für S-Log3-Material entwickelt wurde, ergibt falsche Ergebnisse, wenn sie auf bereits konvertiertes Rec.709-Material angewendet wird.


Vergleich & Abgrenzung

LUT-TypZweckKreativ?
Technical / Camera LUTLog→Rec.709, Farbraum-KonversionNein
Calibration LUTMonitor-KorrekturNein
Film Emulation LUTFilmemulsions-SimulationJa
Creative/Style LUTLook-Definition, Genre-ÄsthetikJa
On-Set LUTSet-Monitoring ohne OriginalveränderungBeides möglich

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich eine LUT kaufen und bin dann fertig mit dem Grading? Nein. LUTs liefern Ausgangspunkte, aber jedes Material ist anders belichtet, hat andere Weißpunkte und andere Farbtemperaturen. Eine LUT muss immer auf das konkrete Material angepasst werden.

Warum sieht die gleiche LUT auf verschiedenen Clips unterschiedlich aus? LUTs sind für ein spezifisches Eingangssignal (z. B. S-Log3, 0-Belichtung) optimiert. Unterschiedlich belichtetes oder anders log-kodiertes Material liefert andere Ergebnisse mit der gleichen LUT.

Wie viele Gitterpunkte sollte eine 3D-LUT haben? Für professionellen Einsatz wird ein 33x33x33-Gitter empfohlen. Kleinere Gitter (17x17x17) können bei starken Farbverschiebungen sichtbare Interpolationsfehler erzeugen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Giorgianni, E. J. & Madden, T. E. (1998). Digital Color Management: Encoding Solutions. Addison-Wesley.
  • ICC (2022). ICC Profile Format Specification. International Color Consortium.
  • Lindbloom, B. (2003). Useful Color Equations.
  • Sony Electronics (2020). S-Gamut3/S-Log3 Technical Paper. Sony Corporation.
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