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LUTs anwenden beschreibt den praktischen Prozess, eine Look-Up-Table in einer Anwendung auf Bild- oder Videomaterial zu laden und aktiv in die Farbverarbeitung einzubinden.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Colorgrading · Niveau: Fortgeschritten


Was bedeutet LUT-Anwendung?

Das Anwenden einer LUT ist in jeder Software geringfügig anders, folgt aber immer dem gleichen Prinzip: Die LUT-Datei wird der Anwendung bekanntgemacht (importiert oder aus einem Pfad geladen), und dann einem Clip, einer Ebene oder einem Projekt zugewiesen. Die Software transformiert daraufhin jeden Pixel des Materials anhand der LUT-Tabelle.

Wichtig ist dabei immer: LUTs wirken auf das Eingangssignal. Ein falscher Eingangszustand führt zu falschen Ergebnissen. Wer eine Log-to-Rec709-LUT auf bereits konvertiertes Material anwendet, erhält einen falschen Look.


Erklärung

DaVinci Resolve

Methode 1 – Node mit LUT:

  1. In der Color Page einen Serial Node im Node-Editor erstellen (Alt+S)
  2. Rechtsklick auf den Node → LUTs → Kategorie wählen → LUT auswählen
  3. Die LUT ist jetzt als Node im Grade aktiv. Intensität kann über den Key-Regler (Opacity) des Nodes reduziert werden.

Methode 2 – Input/Output LUT über Clip-Einstellungen:

  1. Rechtsklick auf den Clip in der Color Page → Input Color Space → oder 3D Input LUT
  2. Hier kann eine LUT als Input-Transform für den gesamten Clip gesetzt werden – unabhängig vom Node-Grade.

Methode 3 – Timeline LUT (Pre-Clip / Post-Clip):

  1. Im Node-Editor → Rechtsklick → Add Pre-Clip Node oder Add Post-Clip Node
  2. Dem Node eine LUT zuweisen – sie wirkt auf alle Clips der Timeline.

LUTs importieren: Resolve scannt automatisch Standard-Verzeichnisse. Eigene LUTs können über Project Settings → Color Management → LUT directories eingebunden werden. Alternativ per Rechtsklick im Node → Import LUT.

Intensität regulieren: In Resolve kann die LUT-Intensität nicht direkt reguliert werden. Stattdessen nutzt man einen Parallel Node oder einen Layer Node, um die LUT mit dem Originalbild zu mischen.


Adobe Premiere Pro (Lumetri Color)

LUT als Input-LUT (empfohlen für Log-Material):

  1. Lumetri Color Panel öffnen (Fenster → Lumetri Color)
  2. Abschnitt Basic CorrectionInput LUT → Dropdown → Browse
  3. .cube-Datei auswählen → LUT wird als Input-Transform angewendet

LUT als Creative Look:

  1. Lumetri Color → Abschnitt CreativeLook → Dropdown
  2. Premiere Pro zeigt hier vorinstallierte Looks; eigene LUTs können aus dem Dropdown mit Browse geladen werden.
  3. Intensity-Regler (0–100%) regelt die Stärke des LUT-Effekts.

LUTs installieren (dauerhaft): LUTs in den folgenden Ordner kopieren:

  • macOS: /Library/Application Support/Adobe/Common/LUTs/Creative/ oder Technical/
  • Windows: C:\Program Files\Adobe\Common\LUTs\Creative\

Premiere findet diese beim nächsten Start automatisch.


Final Cut Pro X

LUT über Custom LUT Effect:

  1. Im Browser nach Custom LUT suchen (Effects → Color)
  2. Den Custom LUT-Effekt auf den Clip ziehen
  3. Im Inspector (rechts) → Choose Custom LUT → .cube-Datei auswählen
  4. Mix-Regler (0–100%) steuert die Intensität

FCPX und Log-Material: Final Cut Pro X unterstützt Apple Log (Log vom iPhone), ProRes RAW und BRAW-Formate nativ. Für andere Log-Formate (S-Log, Log-C) muss eine entsprechende technische LUT manuell über den Custom-LUT-Effekt angewendet werden.

Motion und Compressor: Auch in Apple Motion und Apple Compressor können LUTs über den Custom-LUT-Filter angewendet werden – für Batchverarbeitung und Export.


Adobe Photoshop

LUT über Einstellungsebene:

  1. Ebene → Neue Einstellungsebene → Farbsuchtabelle (Color Lookup)
  2. Im Eigenschaften-Fenster: 3DLUT-Datei → .cube-Datei laden
  3. Die LUT wirkt als nicht-destruktive Einstellungsebene auf alle darunter liegenden Ebenen.

LUT-Intensität in Photoshop:

  • Die Deckkraft der Einstellungsebene steuert die LUT-Intensität (0–100%)
  • Alternativ kann die Ebene maskiert werden, um die LUT auf bestimmte Bildbereiche zu beschränken

Anwendungsbereich in Photoshop: Photoshop wird typischerweise für Standbilder und Print-Workflows eingesetzt. LUT-Anwendung in Photoshop eignet sich für Social-Media-Visuals, Thumbnails und Mood-Boards, nicht für Video-Grading.


Beispiele

Beispiel 1 – Schneller Look auf Social-Media-Content: Ein Content Creator wendet in Premiere Pro einen Creative LUT (z. B. einen Teal-Orange-Look) über die Lumetri-Creative-Funktion an und reduziert die Intensität auf 60%, um einen subtilen, aber konsistenten Look für sein Instagram-Feed zu erzielen.

Beispiel 2 – Log-Konversion in Resolve für Werbefilm: Ein Colorist legt in Resolve den ersten Node als Input-LUT (S-Log3 → Rec.709) fest und baut darüber im Node-Graphen den kreativen Grade auf.

Beispiel 3 – Batch-Processing in Photoshop: Eine Fotografin wendet via Photoshop-Aktion eine Farbsuchtabelle auf 200 Produktfotos an und erzeugt so konsistente Farben für einen Online-Shop.


In der Praxis

LUT-Reihenfolge beachten: In allen Anwendungen gilt: Die LUT sollte idealerweise auf Log-Material angewendet werden, bevor weitere Korrekturen stattfinden (als Input-LUT). Eine Creative LUT kommt dagegen nach der technischen Korrektur.

LUT-Intensität: Für einen natürlichen, professionellen Look empfiehlt es sich, Creative LUTs auf 50–80% zu reduzieren, statt sie mit voller Intensität zu nutzen.

LUT-Bibliotheken: Empfehlenswerte LUT-Quellen:

  • Koji Color (Free): Film-Emulations-LUTs
  • Dehancer Pro: Hochwertige Film-Emulation (kostenpflichtig)
  • Ground Control (Free LUTs): Professionelle kreative Looks
  • Kamera-Hersteller: Sony, ARRI, Canon, Blackmagic liefern technische LUTs frei

Vergleich & Abgrenzung

AnwendungLUT-UnterstützungStärke
DaVinci ResolveVollständig (Nodes, Input, Output, Pre/Post-Clip)Professionelles Grading
Premiere Pro (Lumetri)Input LUT + Creative LookIntegrierter NLE-Workflow
Final Cut Pro XCustom LUT EffectApple-Ökosystem, Einfachheit
PhotoshopFarbsuchtabelle als EinstellungsebeneStandbilder, Print
After EffectsApply Color LUT EffectMotion Graphics, Compositing

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich eine LUT auf einem iPhone oder in einer App nutzen? Ja. Apps wie VSCO, Lightroom Mobile, FilmicPro und viele Kamera-Apps unterstützen .cube-LUTs. Im iOS-Bereich werden LUTs auch für Foto-Workflows genutzt.

Warum sieht meine LUT in Premiere anders aus als in Resolve? Unterschiedliche Farbmanagement-Einstellungen der Anwendungen können zu Abweichungen führen. Außerdem verarbeiten verschiedene NLEs das Eingangssignal leicht unterschiedlich. Für akkurate Ergebnisse sollte immer derselbe Farbraum als Eingangsbasis definiert sein.

Kann ich eigene LUTs erstellen? Ja. In DaVinci Resolve können Grades als .cube-LUT exportiert werden (Rechtsklick auf Node → Export LUT). Auch spezialisierte Tools wie LUTCalc oder Lattice ermöglichen die manuelle LUT-Erstellung.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Adobe Systems (2023). Lumetri Color in Premiere Pro: User Guide. Adobe Inc.
  • Blackmagic Design (2023). DaVinci Resolve 18 Reference Manual – Color Management. Blackmagic Design Pty. Ltd.
  • Apple Inc. (2023). Final Cut Pro User Guide: Color Correction. Apple Inc.
  • Giorgianni, E. J. & Madden, T. E. (1998). Digital Color Management: Encoding Solutions. Addison-Wesley.
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