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Pitching bezeichnet im Filmbereich die strukturierte, meist mündliche Präsentation einer Filmidee oder eines Projekts vor Entscheidungsträgern – Produzenten, Redakteuren, Förderinstitutionen oder Investoren – mit dem Ziel, Interesse, Finanzierung oder eine Beauftragung zu gewinnen.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Konzept · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Pitch, Projekt-Pitch, Filmpräsentation, Elevator Pitch (Kurzform)

Was ist Pitching?

Der Pitch ist die Nahtstelle zwischen kreativer Idee und wirtschaftlicher Realität des Films. Er ist der Moment, in dem Autorinnen und Autoren, Regisseure oder Produzenten ihr Projekt einem Gegenüber präsentieren, das über Ressourcen, Geld oder Plattformen verfügt. Ein erfolgreicher Pitch macht Interesse weckend, gibt Klarheit über das Projekt und überzeugt davon, dass die präsentierende Person das Projekt realisieren kann. Pitching ist eine erlernbare Fähigkeit – es verbindet dramaturgisches Denken mit Kommunikationskompetenz und Selbstpräsentation.

Erklärung

Formen des Pitchings:

Elevator Pitch: Der kürzeste Pitch – 30 bis 90 Sekunden, entwickelt für den hypothetischen Fall, im Aufzug einem Produzenten zu begegnen. Enthält: Logline + kurze Figurbeschreibung + Warum dieses Projekt jetzt. Ein guter Elevator Pitch soll Interesse wecken, nicht das Drehbuch ersetzen.

Formaler Pitch (Pitch Meeting): Ein verabredetes Treffen, meist 10–30 Minuten, in dem das Projekt strukturiert vorgestellt wird. Typische Struktur:

  1. Logline (1–2 Sätze)
  2. Warum dieser Film? Warum jetzt? (persönliche/gesellschaftliche Relevanz, 1 Minute)
  3. Figurenpräsentation: Protagonistin/Protagonist, Antagonist, wichtige Nebenfiguren (2–3 Minuten)
  4. Handlung: Akt I, Wendepunkt I, Akt II, Klimax, Auflösung (5–7 Minuten)
  5. Tonalität und Filmische Einflüsse: „Dieser Film ist wie X trifft Y" (30 Sekunden)
  6. Fragen und Dialog

Pitch-Dokumente: Viele Pitching-Veranstaltungen verlangen schriftliche Unterlagen vorab oder begleitend: Logline, Exposé (1–2 Seiten), Figurenoversicht, manchmal ein Mood Board oder ein Regiestatement. Diese Dokumente sind das schriftliche Pitch-Paket.

Pitch-Veranstaltungen in Deutschland und Europa:

  • Berlinale Co-Production Market (Berlin): Internationaler Markt für Koproduktionen
  • DOK Leipzig Pitch (Leipzig): Speziell für Dokumentarfilmprojekte
  • Filmfest München Coproduction Meetings (München)
  • Series Mania Forum (Lille, Frankreich): Serienentwicklung
  • Medienforum NRW und regionale Pitching-Events der Landesmedienanstalten

Psychologie des Pitchings: Ein Pitch ist nie nur eine Inhaltsvermittlung – er ist auch eine Selbstpräsentation. Das Gegenüber kauft nicht nur die Idee, sondern auch das Vertrauen, dass die präsentierende Person die Geschichte erzählen kann. Klarheit, Leidenschaft, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, auf Fragen zu antworten, sind entscheidend.

Häufige Fehler:

  • Zu viele Details (der Pitch wird zur kompletten Nacherzählung)
  • Zu vage (keine Figuren, kein konkreter Konflikt)
  • Fehlende emotionale Beteiligung
  • Das Ende nicht kennen oder nicht nennen wollen
  • Keine Ahnung vom Zielpublikum oder Markt haben

Beispiele

  1. Hollywood-Logik: In den 1990er Jahren wurden viele Spielfilme durch einen einzigen Satz gepitcht: Speed (1994) war „Die Hard in einem Bus". Diese Reduktion auf eine bekannte Referenz ist eine klassische High-Concept-Pitching-Strategie.
  2. Dokumentarfilm-Pitch DOK Leipzig: Eine Filmemacherin pitcht in 8 Minuten: Wer sind die Protagonisten? Was ist die gesellschaftliche Frage? Welche dramaturgische Struktur ist geplant? Welches visuelle Material existiert bereits?
  3. TV-Serie Pitch ARD/ZDF: Eine Autorin pitcht eine 6-teilige Dramaserie: Konzept, Hauptfiguren, Staffel-Arc (Überbogen), Pilotfolgen-Handlung, Zielgruppe. Die Redaktion entscheidet, ob sie das Treatment beauftragen.
  4. Hochschul-Pitch: An der dffb, HFF oder Filmakademie pitchen Studierende ihre Abschluss- oder Semesterprojekte vor einer Kommission – ein üblicher Bestandteil der Ausbildung, der den Berufsalltag simuliert.
  5. Schreibübung: Üben Sie Ihren Pitch im Stehen, laut, vor einem Spiegel oder vor einem Freund. Zeitlimit: 5 Minuten. Beginnen Sie mit Ihrer Logline. Beschreiben Sie Ihre Hauptfigur in drei Sätzen. Erzählen Sie die Geschichte in zehn Sätzen. Enden Sie mit einer Frage an Ihr Gegenüber.

In der Praxis

Bereiten Sie für jeden Pitch drei Versionen vor: den Elevator Pitch (60 Sekunden), die Kurzversion (5 Minuten) und die Langversion (20 Minuten). Üben Sie alle drei. Kennen Sie Ihre Geschichte von allen Seiten: Was ist das Thema? Wer ist das Zielpublikum? Was ist das Budget-Level? Welche Vergleichsfilme gibt es? Auf alle diese Fragen werden Sie im Pitch Meeting angesprochen. Nehmen Sie stets eine einseitige Handreichung (One-Pager) mit Logline, Figurenübersicht und Ihren Kontaktdaten mit.

Vergleich & Abgrenzung

Das Exposé ist das schriftliche Äquivalent des Pitches. Ein Trailer ist der visuelle Pitch für das Publikum – nicht für Produzenten. Das Treatment liefert die detaillierte Ausformulierung, die dem Pitch folgt, wenn Interesse besteht. Das Pitching selbst ist der mündliche, performative Akt – der Auftritt vor einem Entscheidungsträger.

Häufige Fragen (FAQ)

Soll man das Ende beim Pitch nennen? Unbedingt ja. Professionelle Gegenüber – Produzenten, Redakteure, Förderinstitutionen – wollen das Ende kennen, um zu beurteilen, ob die Geschichte eine tragfähige Auflösung hat. Wer das Ende zurückhält, wirkt unsicher oder hat die Geschichte noch nicht vollständig entwickelt.

Was tun, wenn der Pitch nicht funktioniert? Bitten Sie um Feedback und hören Sie zu. Oft zeigt der gescheiterte Pitch strukturelle Schwächen auf, die im Drehbuch noch nicht sichtbar waren. Ein konstruktives Nein ist wertvoller als ein desinteressiertes Ja.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Snyder, Blake (2005): Save the Cat!. Michael Wiese Productions. [Kapitel zum Pitching und zur Prämisse]
  • Schütte, Oliver (2010): Die Kunst des Drehbuchlesens. UVK Verlagsgesellschaft.
  • Vogler, Christopher (2007): The Writer's Journey. 3. Aufl. Michael Wiese Productions.
  • Online: Screencraft – „How to Pitch a Movie": www.screencraft.org
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