Eine Film-Synopsis ist eine knappe, handlungsorientierte Zusammenfassung eines Films oder Drehbuchs – typischerweise eine halbe bis drei Seiten lang – die Figuren, Verlauf und Ausgang der Geschichte kompakt und klar beschreibt.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Konzept · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Inhaltsangabe, Handlungszusammenfassung, kurze Synopsis, Long Synopsis (bei längerer Variante)
Was ist eine Film-Synopsis?
Die Synopsis ist im Filmbereich ein vielseitig eingesetztes Dokument: Sie dient der Pressearbeit (Presseheft, Programmheft eines Filmfestivals), der Förderantragstellung, dem Vertrieb und dem Rechtehandel. Im Gegensatz zum Exposé ist die Synopsis weniger ein Pitch- und Verkaufsdokument, sondern eher eine sachliche Beschreibung des fertigen oder geplanten Films. Sie kann in verschiedenen Längen existieren: von der Kurzsynopsis (3–5 Sätze für Datenbanken und Programmhefte) bis zur Long Synopsis (2–3 Seiten für Redaktionen und Festivalanmeldungen).
Erklärung
Eine professionelle Synopsis enthält die Handlung des Films in narrativer Form, immer im Präsens geschrieben. Figuren werden kurz charakterisiert, wenn sie eingeführt werden. Anders als das Exposé ist die Synopsis nicht auf Überzeugung ausgelegt – sie setzt die Existenz oder zumindest die vollständige Konzeption des Projekts voraus.
Varianten der Synopsis:
- Kurzsynopsis (3–5 Sätze, ca. 80–150 Wörter): Für Datenbankeinträge (z. B. IMDb, Berlinale-Katalog), Kinoprogramm-Apps, TV-Elektronischen Programminformationen (EPI). Enthält: Hauptfigur, Kernkonflikt, Tonalität.
- Mittellange Synopsis (0,5–1 Seite, ca. 200–400 Wörter): Für Pressekits, Kinoplakate-Rückseiten, Festivalanmeldungen. Enthält alle wesentlichen Handlungspunkte, Figuren und das Ende.
- Long Synopsis (2–3 Seiten): Für Förderanträge bei laufenden Projekten, Redaktionsgespräche, Vertriebsverkäufe. Enthält vollständige Szenendarstellung ohne Regiehinweise.
Ein häufiger Fehler in Synopsen: Das Ende wird unterschlagen. Professionelle Abnehmer (Juroren, Redakteure, Vertriebsagenten) benötigen die Information, wie ein Film aufgelöst wird. Das Zurückhalten des Endes ist ein Anfängerfehler.
Der Schreibstil der Synopsis ist nüchtern, präzise und lebendig zugleich. Vermieden werden: passive Satzkonstruktionen, Substantivierungen und Floskeln. Aktive Verben, konkrete Figuren und bildhafte Ortsbeschreibungen machen die Synopsis lesenswert.
Für den Filmvertrieb (Sales Agent) ist die Synopsis ein wichtiges Dokument in der Verkaufsmappe. Neben dem Trailer ist sie oft das erste, was ein Käufer auf einem Filmmarkt (EFM Berlin, Cannes Marché du Film) zu sehen bekommt.
Beispiele
- Festivalsynopsis: Die Berlinale verlangt für Einreichungen eine kurze Synopsis von maximal 700 Zeichen für das Festivalprogramm sowie eine ausführliche Synopsis für die Programmauswahl-Jury.
- Presseheft-Synopsis: Im Presseheft eines deutschen Kinofilms findet sich typischerweise eine einseitige Synopsis, die Journalisten als Grundlage für Rezensionen und Interviews dient.
- TV-Synopsis (ARD/ZDF): Für die Programmankündigung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden Synopsen von 3–5 Sätzen benötigt, die das Thema und die Hauptfiguren vorstellen.
- Vergleich Entwicklungs- vs. Abgabe-Synopsis: Während der Entwicklung ist die Synopsis ein work-in-progress-Dokument; nach Fertigstellung des Films wird die Synopsis auf Basis des tatsächlichen Films neu geschrieben.
- Schreibübung: Schreiben Sie drei Versionen der Synopsis Ihres Projekts: Kurzform (100 Wörter), Mittellang (300 Wörter), Lang (600 Wörter). Vergleichen Sie, welche Information Sie jeweils weglassen müssen – das schärft den Blick fürs Wesentliche.
In der Praxis
Schreiben Sie die Synopsis im Präsens und in der dritten Person. Benennen Sie Figuren bei ihrer ersten Erwähnung mit vollem Namen und kurzem Profil (z. B. „ANNA RIEDEL (38), Ärztin und alleinerziehende Mutter..."). Verwenden Sie keine Dialoge, keine Kameraanweisungen und keine subjektiven Wertungen. Eine gute Synopsis ist in einem einzigen Lesedurchgang verständlich. Lassen Sie die Synopsis von jemandem lesen, der den Film nicht kennt – wenn diese Person die Geschichte vollständig verstanden hat, ist die Synopsis gelungen.
Vergleich & Abgrenzung
Das Exposé ist ein Pitch-Dokument und enthält zusätzlich zur Handlung auch Elemente der Überzeugung (Tonalität, Thema, persönliche Motivation). Das Treatment ist deutlich länger und szenisch detaillierter. Die Logline ist der kompakteste Extrakt – ein bis zwei Sätze. Die Synopsis steht zwischen Logline und Treatment: sachlich, vollständig, kompakt.
Häufige Fragen (FAQ)
Darf die Synopsis subjektive Urteile über den Film enthalten? Nein. Die Synopsis beschreibt, was geschieht – sie wertet nicht. Subjektive Einschätzungen (z. B. „ein packender Thriller") gehören in das Presseheft-Statement des Regisseurs oder in die Selbstdarstellung des Produktionsunternehmens, nicht in die Synopsis.
Wie aktuell muss eine Synopsis sein? Die Synopsis sollte stets den aktuellen Stand des Projekts widerspiegeln. Weicht das fertige Drehbuch wesentlich von der Synopsis ab, muss diese aktualisiert werden, bevor sie an Redaktionen oder Verleiher weitergegeben wird.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Schütte, Oliver (2010): Die Kunst des Drehbuchlesens. UVK Verlagsgesellschaft.
- Hant, Peter (1999): Das Drehbuch. Praktische Filmdramaturgie. Zweitausendeins.
- Field, Syd (1979): Screenplay. The Foundations of Screenwriting. Delta Trade Paperbacks.
- Online: Berlinale Einreichungsrichtlinien – www.berlinale.de/industry
