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Das Storyboard ist eine Folge von gezeichneten oder digital erzeugten Bildkarten, die die Einstellungen eines Films oder einer Produktion vor dem Dreh visuell planen – die direkte Übersetzung des Drehbuchs in Bilder.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Scriptwriting · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Storyboard, Shot List Visualisierung, Bildplan, Panel


Was ist ein Storyboard?

Das Storyboard ist die Brücke zwischen dem geschriebenen Drehbuch und der filmischen Realisation. Während das Drehbuch in Worten beschreibt, was zu sehen ist, visualisiert das Storyboard genau das: Kadrierung, Perspektive, Bewegungsrichtungen, die zeitliche Abfolge von Einstellungen.

Die Technik wurde in den 1930er Jahren bei den Disney-Studios entwickelt und schnell von der Spielfilm- und Werbebranche übernommen. Regisseure wie Alfred Hitchcock und Steven Spielberg sind bekannt für ihre detaillierten Storyboards: Hitchcock bezeichnete das Drehen selbst als „langweiligen Teil der Arbeit" – die eigentliche kreative Arbeit fand für ihn im Storyboard statt.


Vom Drehbuch zur Bildkarte: Der Prozess

Schritt 1: Das Drehbuch analysieren

Bevor das erste Bild gezeichnet wird, analysiert Regisseur (oder Storyboard-Artist) das Drehbuch auf seine visuellen Anforderungen: Wo findet welche Handlung statt? Welche Emotionen sollen durch Bildgestaltung verstärkt werden? Welche Szenen sind komplex und brauchen besondere visuelle Planung?

Schritt 2: Shot List erstellen

Eine Shot List (Einstellungsliste) listet vor dem Storyboard alle geplanten Einstellungen auf: Einstellungsgröße, Kamerabewegung, Objektiv, Besonderheiten. Sie ist der Übergang von der Textebene zur Bildebene.

Schritt 3: Bildkarten zeichnen

Jede geplante Einstellung wird als Bildkarte gezeichnet. Keine Profi-Zeichenkünste nötig: Stickfiguren genügen, solange die Bildkomposition, die Einstellungsgröße und die räumliche Anordnung erkennbar sind.

Unter jede Bildkarte kommen:

  • Die Szenen-/Einstellungsnummer
  • Eine kurze Beschreibung der Aktion
  • Kamerabewegung (Pfeil im Bild)
  • Ggf. Dialog oder Sound-Notiz

Schritt 4: Ablauf überprüfen

Das Storyboard wird sequentiell durchgegangen – wenn möglich als animierter Animatic (Storyboard-Bilder mit Zeitmarkierung), der den zeitlichen Rhythmus simuliert.


Elemente einer Storyboard-Karte

Eine professionelle Storyboard-Karte enthält:

  • Panel (Bildkarte): Die Zeichnung der Einstellung
  • Szenen-Nr. / Shot-Nr.: Referenz zum Drehbuch
  • Kamerabewegung: Pfeile für Kamerafahrt, Schwenk, Zoom
  • Aktionsbeschreibung: Was passiert in dieser Einstellung
  • Ton-Notiz: Dialog, Musik, Geräusch
  • Zeitangabe: (optional) Geschätzte Länge der Einstellung

Einstellungsgrößen im Überblick

Das Storyboard visualisiert die Einstellungsgrößen, die im Drehbuch nicht notiert werden, aber von Regisseur und Kameramann geplant werden:

KürzelBezeichnungBeschreibung
ELS / WEWeitaufnahme (Extreme Long Shot)Panorama, Figur kaum sichtbar
LSTotale (Long Shot)Figur vollständig im Bild
MLSHalbtotale (Medium Long Shot)Figur von Knien aufwärts
MSAmerikanische (Medium Shot)Figur von Hüfte aufwärts
MCUHalbnahe (Medium Close-Up)Figur von Brust aufwärts
CUNahe (Close-Up)Gesicht/Kopf
ECUDetailaufnahme (Extreme Close-Up)Auge, Hand, Detail

Digitale Storyboard-Werkzeuge

SoftwareStärkePreis
StoryboardThatWeb-basiert, einfachFreemium
Storyboard Pro (Toon Boom)Professionell, Animatic-fähigAbo (~30 EUR/Monat)
CanvaSchnell, VorlagenFreemium
Shot DesignerMobile, Shot-Übersichtca. 10 USD
Procreate + VorlageiPad, Freihandzeichnungca. 10 USD
CeltxIntegriert in Drehbuch-Workflow (s. Drehbuch-Software: Final Draft, Celtx, WriterDuet)Freemium

Wann braucht man kein Storyboard?

Nicht jede Produktion braucht ein vollständiges Storyboard. Bei dokumentarischen Produktionen, Improvisationsformaten oder kleinen Low-Budget-Projekten arbeiten Regisseure oft nur mit einer Shot List und klären die Bildgestaltung am Set.

Für Werbefilme und Imagefilme (siehe Drehbuch für Werbefilm und Imagefilm) ist das Storyboard hingegen fast immer Pflicht: Kunden müssen den visuellen Ansatz freigeben, bevor gedreht wird.

Für animierte Produktionen (Erklärfilme, Zeichentrick) ist das Storyboard das wichtigste Arbeitsdokument – noch wichtiger als das Drehbuch selbst.


In der Praxis

Vom Storyboard zum Animatic: Ein Animatic ist ein Roh-Schnitt aus Storyboard-Bildern mit Ton-Timing. Er simuliert den Rhythmus des Films und zeigt, ob Einstellungslängen stimmen.

Das Storyboard als Kommunikationswerkzeug: Das Storyboard wird beim Set-Meeting dem gesamten Team präsentiert: Kameramann, Obeleuchter, Cutter – alle sehen auf einen Blick, was geplant ist. Das spart Zeit und vermeidet Missverständnisse am Drehtag.


Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich gut zeichnen können, um ein Storyboard zu erstellen? Nein. Ein Storyboard muss verständlich sein, nicht schön. Klare Strichzeichnungen, die Komposition und Kamerawinkel zeigen, genügen vollständig.

Gibt es fertige Storyboard-Vorlagen? Ja – kostenlose Vorlagen sind im A4- oder Letter-Format verfügbar (z. B. auf studiobinder.com oder direkt in Celtx integriert).

Ersetzt das Storyboard die Shot List? Beide Dokumente ergänzen sich. Die Shot List ist tabellarisch und schnell zu erfassen; das Storyboard ist visuell. Professionelle Produktionen nutzen beide.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Begleiter, Marcie (2001): From Word to Image: Storyboarding and the Filmmaking Process. Michael Wiese Productions, Studio City.
  • Bancroft, Tom (2012): Character Mentor. Focal Press, Burlington.
  • Hart, John (1999): The Art of the Storyboard. Focal Press, Boston.
  • Arijon, Daniel (1991): Grammatik der Filmsprache. Zweitausendeins, Frankfurt.
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