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ACES ist ein 2014 verabschiedeter Farbmanagement-Standard der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, der einen einheitlichen, geräteunabhängigen Workflow für Film- und Videoproduktion vom Kamerabild bis zur finalen Auslieferung definiert.

Rubrik: Grundlagen-Gestaltung · Unterrubrik: Farbmanagement · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Academy Color Encoding System, ACES 2.0, ACEScg, ACEScct, ACES AP0/AP1

Was ist ACES?

ACES ist ein offenes, herstellerunabhängiges Farbmanagement-Framework für die Bewegtbildproduktion. Es definiert einen extrem großen Arbeitsfarbraum (AP0), eine wissenschaftliche Übertragungsfunktion und einen kompletten Workflow von der Aufnahme über VFX, Color Grading bis zur Auslieferung in SDR, HDR, Kino oder Web.

Erklärung

Vor ACES war Farbpipeline in Film und VFX ein Flickenteppich: Kamera-LUTs, hauseigene Color-Spaces (Sony S-Log, ARRI Log-C, RED IPP2), unterschiedliche Working Spaces in Nuke, Resolve oder Flame – am Ende musste jede Auslieferung neu gegradet werden. ACES löst dieses Problem mit einem gemeinsamen geräteunabhängigen Mittelpunkt.

Das System arbeitet mit mehreren Farbräumen: ACES AP0 (ACES2065-1) ist der riesige Master-Farbraum für Archivierung und Datenaustausch, deckt das gesamte sichtbare Spektrum ab. ACES AP1 ist der praktische Container für ACEScg (Working Space für VFX/CG) und ACEScct (Working Space für Color Grading mit logarithmischer Übertragungsfunktion ähnlich Log-C).

Der ACES-Workflow funktioniert in drei Stufen:

  1. IDT (Input Device Transform) wandelt Kameradaten von ihrem nativen Log-Format in ACES um. Jede Kamera (ARRI Alexa, Sony Venice, RED Komodo, Blackmagic) hat ihre eigene IDT.
  2. Working Space – alle Operationen (Grading, VFX, Compositing) finden in ACEScg oder ACEScct statt, sodass alle Tools dieselbe Sprache sprechen.
  3. ODT/RRT (Output Device Transform / Reference Rendering Transform) rechnet die ACES-Daten auf das Zielmedium um – Rec.709 für TV, P3-D65 für Kino, Rec.2020/PQ für HDR-Streaming usw.

Der entscheidende Vorteil: Ein einmal in ACES gegradetes Bild kann ohne neuen Grade in alle Liefer-Formate exportiert werden – SDR und HDR aus derselben Pipeline. Das spart Tage Arbeit pro Produktion und ist heute Standard bei Netflix, Apple TV+, Disney+ und großen Studios.

ACES 2.0 (offiziell 2024 final) verbessert die ODTs deutlich, vor allem bei sehr gesättigten und hochbrillanten Bildregionen, wo ACES 1.x sichtbare Artefakte (Hue Shifts, „Notorious Six") zeigte.

Beispiele

  • VFX-Pipeline bei Marvel/ILM: Plates kommen als ARRI-Log-C, werden via IDT zu ACEScg, in Nuke/Houdini compositet, gehen via ODT als Rec.709-Preview an die Editorial.
  • Netflix-Produktion: Vorgabe ist ACES-Pipeline – Liefermaster in ACES2065-1, daraus generiert Netflix SDR Rec.709 und HDR Dolby Vision.
  • Indie-Doku in DaVinci Resolve: Color Management auf ACEScct + ACEScct CSC, Material aus Mavic Drone, Sony FX3 und iPhone – alles spielt in einer Farbsprache.
  • Werbeproduktion mit ARRI Alexa 35: Kamera-IDT „Alexa LogC4", Working Space ACEScct, ODT „Rec.709 sRGB" für Web-Master.
  • Game-Engine-Cinematic: Unreal Engine 5 nutzt ACEScg als internen Rendering-Space für lineare HDR-Berechnungen.
  • Kino-DCP: ACES-Master geht via ODT P3-D65 in den DCDM, dann ins DCP.

In der Praxis

ACES-Setup beginnt mit der korrekten IDT für jede Kamera – sonst stimmt der Hauttonsatz und alles wirkt entweder zu warm oder zu kalt. In DaVinci Resolve stellt man unter Project Settings › Color Management auf „ACEScct" oder „DaVinci YRGB Color Managed" mit ACES-Output, dann in jedem Clip die Input-IDT manuell. In Nuke legt man im Werkzeugfenster den Working Space auf ACEScg, in Premiere funktioniert ACES nur via Lumetri-Modus mit OCIO und ist eingeschränkt. Wichtige Werkzeuge: OCIO (OpenColorIO) v2 ist die quelloffene Engine, die in den meisten Apps läuft; ACES Central (acescentral.com) ist das Forum für aktuelle Konfigurationen. Profi-Tipp: Bei gemischtem Material (Drone + Hauptkamera + Stock) lohnt es sich, IDTs systematisch zu testen – ein falscher IDT kann ein gesamtes Hauttonbild ruinieren.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalACESKlassisches Rec.709-Pipeline
Working SpaceACEScg/ACEScct (linear/log, riesig)Rec.709 (klein, gerätegebunden)
Output-FlexibilitätSDR + HDR aus einem GradeEigener Grade pro Output
GeräteunabhängigkeitJaNein
KomplexitätHoch (IDTs, ODTs)Niedrig
ZukunftssicherJa (HDR-ready)Nein

ACES ist nicht nur „ein größerer Farbraum" – es ist eine komplette Pipeline-Philosophie. Wer nur ACEScg als Working Space einstellt, aber IDTs und ODTs nicht korrekt setzt, hat keine ACES-Pipeline, sondern ein farbrauschiges Missverständnis.

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich ACES für jede Produktion? Nein. Für einfache YouTube- oder Social-Produktionen in Rec.709 ist klassisches Color Management oft schneller und ausreichend. ACES lohnt sich, sobald du mehrere Kameras, HDR-Auslieferung, VFX oder Multi-Plattform-Master hast – und vor allem bei Auftraggebern wie Netflix, Apple TV+, Amazon, die ACES vorschreiben.

Was ist der Unterschied zwischen ACEScg und ACEScct? ACEScg ist linear-szenenbezogen, ideal für VFX, Compositing und CG-Rendering (in Maya, Houdini, Nuke). ACEScct ist eine logarithmische Variante mit „Hebel" für unter Schwarz, optimiert fürs Color Grading – die Werkzeuge in Resolve und Baselight reagieren intuitiver als unter linearem Licht.

Was ist ACES 2.0 und sollte ich umsteigen? ACES 2.0 ersetzt die alten Output Transforms (RRT+ODT) durch eine moderne, einheitliche Output-Engine, die Hue Shifts und „Notorious Six"-Artefakte deutlich reduziert. Für laufende Produktionen unter ACES 1.3 nicht mittendrin wechseln. Für neue Pipelines ab 2024/25 lohnt sich ACES 2.0 klar.

Weiterführend

  • Academy of Motion Picture Arts and Sciences (2024): ACES Documentation. acescentral.com
  • Selan, Jeremy (2020): Cinematic Color – From Your Monitor to the Big Screen. VES Whitepaper
  • Blackmagic Design (2024): DaVinci Resolve Color Management Guide. blackmagicdesign.com
  • Stump, David (2022): Digital Cinematography. Routledge
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