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Farbmessgeräte erfassen Farben objektiv durch Messung des reflektierten oder emittierten Lichts und liefern die Grundlage für Monitor-Kalibrierung, ICC-Profilierung, Druckqualitätskontrolle und Farbabweichungsmessung.

Was sind Farbmessgeräte?

Das menschliche Auge ist ein wunderbares Instrument – aber ein unzuverlässiges Messwerkzeug. Es wird von Umgebungslicht beeinflusst, ermüdet, ist von Person zu Person unterschiedlich empfindlich und kann keine numerischen Werte liefern. Farbmessgeräte schließen diese Lücke: Sie quantifizieren Farbe präzise, reproduzierbar und in objektiven Werten (LAB, XYZ, RGB, CMYK, Spektralkurve).

Im professionellen Farbmanagement-Workflow sind Farbmessgeräte unverzichtbar: ohne sie sind Monitorkalibrierung, ICC-Profilierung und Delta-E-Qualitätskontrolle nicht möglich (Fraser, Murphy & Bunting, 2005).

Erklärung

Kolorimeter

Messprinzip: Ein Kolorimeter misst Licht durch mehrere breitbandige Farbfilter (typischerweise 3 oder 4 Filter, die die Empfindlichkeit der menschlichen Zapfen nachbilden). Das Ergebnis sind direkt Tristimulus-Werte (XYZ), aus denen LAB, RGB und andere Farbräume berechnet werden.

Stärken:

  • Preisgünstig (80–400 €)
  • Schnell und einfach zu bedienen
  • Gut für Standard-Displays (sRGB)
  • Batteriebetrieb, portabel

Schwächen:

  • Kein vollständiges Spektrum (kann keine Spektralkurven liefern)
  • Ungenau bei Wide-Gamut-Displays, OLED und LEDs (weil die Filterkurven nicht exakt für alle Lichtquellen passen)
  • Nicht für Reflexionsmessung (Druck, Papier) geeignet
  • Keine Metamerismus-Analyse möglich

Typische Geräte:

  • X-Rite i1Display Pro / i1Display Pro Plus (~250–400 €)
  • Datacolor Spyder X Pro (~200 €)
  • Datacolor Spyder X Elite (~300 €)

Spektrophotometer

Messprinzip: Ein Spektrophotometer zerlegt das Licht (durch Gitter oder Prismen) in einzelne Wellenlängen und misst die Intensität bei jedem Wellenlängenschritt (typisch 4–10 nm Auflösung, von 380 bis 730 nm). Das Ergebnis ist eine vollständige Spektralkurve, aus der alle Farbwerte (XYZ, LAB, LCh, RGB etc.) berechnet werden können.

Stärken:

  • Vollständige Spektralanalyse
  • Für alle Lichtquellen und Substrate geeignet
  • Metamerismus-Analyse möglich (verschiedene Lichtquellen simulieren)
  • Reflexions- UND Transmissionsmessung möglich
  • Sehr hohe Präzision

Schwächen:

  • Teurer (600–5.000 €)
  • Schwerer, größer
  • Oft netzstrombetrieben

Typische Geräte:

  • X-Rite i1Pro 3 (~1.200 €): Handmessgerät, vielseitig (Display + Reflexion)
  • Konica Minolta FD-7 (~3.500 €): Displaymessung und Reflexion
  • X-Rite eXact Advanced (~3.000–5.000 €): Inline-Druckqualitätskontrolle
  • Barbieri Spectro LFP (~4.000 €): Für Großformatdruck und Softproofing

Spektroradiometer

Messprinzip: Wie Spektrophotometer, aber spezialisiert auf die Messung von emittiertem Licht (Displays, Leuchten). Misst absolute Leuchtdichte (cd/m²) und Spektrum.

Einsatz: HDR-Display-Kalibrierung, Kino-Projektor-Kalibrierung, Lichtplanung.

Typische Geräte:

  • Klein K10-A (~3.000 €): Beliebt für HDR-Monitor-Kalibrierung
  • Konica Minolta CS-2000 (~20.000 €): Labormessung
  • Admesy Prometheus (~2.500 €): Kompaktes Display-Messung

Densitometer

Ein Densitometer misst keine Farbe im eigentlichen Sinne, sondern die optische Dichte (Schwärzung) einer Druckfarbe. Es wird in der Druckproduktion zur Kontrolle des Farbauftrags verwendet (Naßauftrag, Trockenschichtdicke). Für modernes Farbmanagement mit ICC-Profilen ist das Spektrophotometer vorzuziehen, das Dichte und Farbwerte gleichzeitig messen kann.

Wichtige Ausstattungsmerkmale

M0/M1/M2/M3-Unterstützung (nach ISO 13655): Für Reflexionsmessungen bei optisch aufgehellten Papieren ist M1 (UV-Anteil nach D50) wichtig. Geräte ohne M1-Unterstützung geben auf optisch aufgehellten Papieren fehlerhafte Werte.

Messapertur: Die Größe des Messpunkts (typisch 4 oder 6 mm). Kleine Aperturen sind für dichte Testfelder nötig; große Aperturen mitteln über mehr Fläche und sind stabiler.

Messgeometrie:

  • 0°/45° (oder 45°/0°): Diffuse Beleuchtung, Messung unter 45° – Standard für Druckerzeugnisse
  • d/8° (Integrationskugel): Diffus/diffus – für matte und raue Oberflächen

Beispiele

Beispiel 1 – Monitor-Kalibrierung mit Kolorimeter: Ein Fotograf kauft ein X-Rite i1Display Pro für 250 €. Er installiert die Software i1Studio, befestigt das Gerät am Monitor und startet die Kalibrierung. In 10 Minuten erhält er ein ICC-Profil für seinen Monitor, das er sofort aktiviert.

Beispiel 2 – Drucker-Profilierung mit Spektrophotometer: Eine Druckerei möchte ein individuelles ICC-Profil für ihre neue HP-Indigo-Maschine erstellen. Ein IT8-Testchart mit 1.617 Farbfeldern wird gedruckt. Mit einem X-Rite i1Pro 3 werden alle Felder gemessen, die Software i1Profiler erstellt das ICC-Profil.

Beispiel 3 – Inline-Qualitätskontrolle: Eine Offsetdruckerei installiert ein Barbieri Spectro am Ausgabetisch. Nach jeder Bogen werden die Farbkontrollstreifen automatisch gemessen. Das System berechnet Delta-E gegenüber dem Proof und löst bei Überschreitung von ΔE > 3 einen Alarm aus.

In der Praxis

X-Rite i1Pro 3 – der Allrounder

Der X-Rite i1Pro 3 (ca. 1.200 €) ist in professionellen Medienproduktionen das meistgenutzte Gerät. Er misst sowohl Displays (im Emissionsmodus) als auch gedruckte Substrate (im Reflexionsmodus) und unterstützt M0, M1, M2. Die zugehörige Software i1Profiler erstellt ICC-Profile für Monitore und Drucker.

ColorChecker-Referenzkarten

Der X-Rite ColorChecker Classic (24 Felder, ~60 €) und der ColorChecker Passport sind standardisierte Referenzkarten mit definierten LAB-Werten. Sie werden für:

  • Kamerakalibrierung (in Lightroom, ACR)
  • Bewertung von Farbmess-Genauigkeit
  • Überprüfung von ICC-Profilen

Wartung und Pflege

  • Spektrophotometer-Weißreferenz regelmäßig reinigen (Staubeintrag reduziert Präzision)
  • Kolorimeter-Kalibrierungsscheibe nicht berühren
  • Geräte vor direkter Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit schützen
  • Gerätedrift durch regelmäßige Zertifizierung (z. B. jährlich) prüfen

Vergleich & Abgrenzung

GerätMisstSpektrumMonitorDruckPreis
KolorimeterXYZ, LabNeinJaNein80–400 €
SpektrophotometerXYZ, Lab, SpektrumJaJa (i1Pro)Ja600–5.000 €
SpektroradiometerLeuchtdichte, SpektrumJaJa (HDR)Nein2.000–20.000 €
DensitometerOptische DichteNeinNeinJa500–2.000 €

Häufige Fragen (FAQ)

Reicht ein günstiges Kolorimeter für professionellen Einsatz? Für Standard-sRGB-Monitorkalibrierung: ja. Für Wide-Gamut-Monitore, OLED oder Druckerprofilierung: nein – hier ist ein Spektrophotometer notwendig.

Wie oft muss ein Messgerät kalibriert werden? Zur Sitzungsbeginn jeweils gegen die mitgelieferte Weißreferenz kalibrieren. Für absolute Genauigkeit empfiehlt sich jährliche Rückführung auf nationale Meternormale durch den Hersteller.

Was ist der Unterschied zwischen Messung und Kalibrierung? Kalibrierung ist der Abgleich des Geräts auf einen bekannten Standard. Messung ist der eigentliche Messprozess danach. Beide Schritte sind im Workflow notwendig.

Weiterführend

  • Fraser, B., Murphy, C. & Bunting, F. (2005). Real World Color Management (2. Aufl.). Peachpit Press.
  • X-Rite Inc.: www.xrite.com
  • ISO 13655:2017 – Spectral measurement and colorimetric computation for graphic arts images
  • Barbieri Electronic: www.barbieri-electronic.com
  • Datacolor: www.datacolor.com
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