HKS ist ein im deutschsprachigen Raum und in Europa verbreitetes System von Volltondruckfarben, das 88 Standard- und 40 Sonderfarben für verschiedene Drucksubstrate definiert und eine Alternative zum US-amerikanischen Pantone-System bietet.
Was sind HKS-Farben?
HKS steht für die drei deutschen Druckfarbhersteller, die das System gemeinsam entwickelt haben: Handy & Harman (heute Sun Chemical), Kast + Ehinger und Schmucker (heute Hostmann-Steinberg). Das System wurde in den 1960er Jahren eingeführt und ist insbesondere im deutschsprachigen Raum, in Österreich, der Schweiz und vielen weiteren europäischen Ländern das Referenzsystem für Volltonfarben.
Während Pantone der globale Standard – besonders im angloamerikanischen Raum – ist, verwendet ein großer Teil der deutschen Druckindustrie HKS als bevorzugtes Referenzsystem. Wer als Designer in Deutschland professionell arbeitet, muss beide Systeme kennen (Küppers, 1997).
Erklärung
Aufbau des HKS-Systems
Das HKS-System unterscheidet sich grundlegend von Pantone in seiner Struktur:
88 HKS-Basisfarben (nummeriert 1 K, 2 K usw.) für den allgemeinen Einsatz auf Kunstdruckpapier.
HKS-Fächer-Varianten:
- HKS K (Kunstdruckpapiere): Gestrichenes Papier, Hochglanzdruck
- HKS N (Naturpapiere): Ungestrichenes, natürliches Papier
- HKS E (Endlospapiere): Endlosdruck, EDV-Formulare
- HKS Z (Zeitungsdruck): Zeitungspapier
40 HKS-Sonderfarben: Spezialtöne für besondere Anforderungen.
Die Nummerierung folgt dem Schema: Ziffer + Buchstabe des Substrats (z. B. HKS 13 K, HKS 13 N). Farbnummer 1–88 sind die Standardfarben; die Sonderfarben haben eigene Bezeichnungen.
HKS vs. Pantone – Unterschiede im Überblick
| Merkmal | HKS | Pantone PMS |
|---|---|---|
| Herkunft | Deutschland/Europa | USA |
| Anzahl Farben | 88 Standard + 40 Sonder | ~1.900 |
| Substrat-Varianten | K (Kunst), N (Natur), E (Endlos), Z (Zeitung) | C (Coated), U (Uncoated) |
| Konvertierungsansatz | Aus 8 Grundfarben gemischt | Aus 14 Grundfarben gemischt |
| Digitale Integration | Weniger umfangreich | Pantone Connect (Abo) |
| Verbreitung | DE, AT, CH + Teile Europas | Global |
| Lizenzmodell | Offen zugänglich | Abo (seit 2022) |
Mischsystem im Vergleich
Pantone basiert auf 14 Grundfarben (einschließlich Schwarz, Transparent White und Metallics). Die Mischformeln sind exakt dokumentiert und proprietär.
HKS basiert auf 8 Druckgrundfarben (HKS-Basisfarben), die in definierten Verhältnissen gemischt werden. Die Mischformeln sind ebenfalls dokumentiert, aber das System ist transparenter zugänglich als Pantone.
CMYK-Äquivalente
Für die digitale Anwendung (ohne Vollton-Druck) bietet HKS CMYK-Äquivalente für jede Farbe an – ähnlich wie Pantone. Diese Werte sind jedoch ebenfalls als Näherungen zu verstehen: Besonders gesättigte HKS-Farben (z. B. HKS 15 = kräftiges Orange) lassen sich im CMYK-Vierfarbdruck nicht vollständig reproduzieren.
Wichtig: CMYK-Äquivalente für HKS-Farben variieren je nach Druckerei und Druckstandard. Es empfiehlt sich, die Werte mit dem Druckpartner abzustimmen.
LAB-Referenzwerte
Wie Pantone hat auch HKS LAB-Referenzwerte veröffentlicht, die geräteunabhängig sind und die Basis für Farbmessung und Delta-E-Kontrolle bilden. Diese LAB-Werte sind die verbindliche Referenz beim Proof-Vergleich.
Beispiele
Beispiel 1 – Behördenkommunikation: Viele deutsche Bundesbehörden und Landesbehörden definieren ihre Corporate-Design-Farben in HKS (z. B. das Blau einer Landesfahne als HKS 43 K). Druckereien in Deutschland können mit dieser Angabe ohne Konvertierungsaufwand produzieren.
Beispiel 2 – Mittelständisches Unternehmen: Ein süddeutsches Unternehmen hat sein Logo-Orange seit 30 Jahren als HKS 6 K definiert. Alle Druckmaterialien – Visitenkarten, Briefbögen, Verpackungen – werden konsistent mit dieser Farbe produziert.
Beispiel 3 – Zeitungsdruck: Eine Regionalzeitung nutzt HKS Z für ihre rot-blaue Titelkopfgestaltung. HKS Z ist speziell für Zeitungspapier (raue Oberfläche, hohe Saugfähigkeit) ausgelegt – andere Farbsysteme würden hier nicht funktionieren.
In der Praxis
HKS in Adobe InDesign und Illustrator
HKS-Farben sind in Adobe InDesign und Illustrator als Farbbibliothekengruppen verfügbar (Fenster → Farbbibliotheken → HKS). Im Gegensatz zu Pantone (seit 2022 Abo-pflichtig) sind die Standard-HKS-Farben in Adobe-Anwendungen ohne Zusatzkosten verfügbar.
Beim Anlegen eines HKS-Volltonflächtons in InDesign wird die Farbe als Volltonfarbe (Sonderfarbe) definiert. Im Ausgabe-Dialog erscheint sie als eigener Farbkanal – bei 4-Farb-Plus-Vollton-Produktion also als 5. Kanal neben CMYK.
HKS-Fächer: Physische Referenz
Wie bei Pantone ist der physische Fächer die verbindliche Farbkommunikationsgrundlage. HKS-Fächer sind kostengünstiger als Pantone-Fächer und bei Papiergroßhändlern sowie Druckereibedarfshandel erhältlich.
Umrechnung HKS ↔ Pantone
Es gibt keine direkte 1:1-Entsprechung zwischen HKS- und Pantone-Farben, da beide Systeme auf unterschiedlichen Grundfarben basieren. Näherungsweise Umrechnungstabellen existieren und sind in Fachbüchern sowie online verfügbar. Für farbkritische Anwendungen empfiehlt sich immer die Messung beider Referenzfarben im LAB-Raum und die Wahl der nächstliegenden Farbe im Zielsystem anhand von Delta-E-Berechnung.
Vergleich & Abgrenzung
Wann HKS wählen:
- Druckproduktion innerhalb Deutschlands/Europas
- Kommunikation mit deutschen Druckereien
- Budget-bewusste Workflows (kein Abo nötig)
- Zeitungs- und Endlosdruck (HKS Z, HKS E)
Wann Pantone wählen:
- Internationale Produktion (Asien, Amerika)
- Globale Marken mit Pantone-definierten CI-Farben
- Fashion, Textil, Innenausstattung (Pantone FHI)
- Sehr breite Farbpalette erforderlich (1.900+ Farben)
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich HKS-Farben auf Pantone umrechnen? Näherungsweise ja – über LAB-Werte beider Systeme und Delta-E-Vergleich. Für Produktionen, bei denen exakte Übereinstimmung erforderlich ist, müssen beide Systeme gemessen und die Toleranz explizit vereinbart werden.
Sind HKS-Farben billiger als Pantone-Farben? Die Tintenkosten selbst sind ähnlich. Der Unterschied liegt in der digitalen Integration: HKS benötigt kein teures Abo für die Nutzung in Adobe-Anwendungen.
Welches System nutzen Designer in Deutschland vorwiegend? In der Praxis oft beide: Corporate-Design-Manuals enthalten häufig sowohl Pantone- als auch HKS-Angaben, um beiden System gerecht zu werden.
Weiterführend
- Küppers, H. (1997). Farbe: Ursprung, Systematik, Anwendung. Callwey.
- HKS-Verlag (Hrsg.): HKS-Farbfächer-Kollektionen. Erhältlich im Fachhandel.
- Lübbe, E. (2013). Farbempfindung, Farbbeschreibung und Farbmessung. Springer Vieweg.
- ECI (European Color Initiative): www.eci.org
