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Fraktur ist eine gebrochene Schrift, die um 1500 im deutschsprachigen Raum entstand und bis ins 20. Jahrhundert die dominierende deutsche Druck- und Buchschrift war.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: gebrochene Schrift, deutsche Schrift, Blackletter

Was ist die Fraktur?

Die Fraktur ist eine gebrochene Schrift, die runde Bögen mit geraden, „gebrochenen" Linien verbindet (lat. „fractura", Bruch). Sie verbindet die Strenge der Textura mit geschwungenen Schaftansätzen und „Elefantenrüsseln" an den Großbuchstaben und prägte über Jahrhunderte das deutsche Schriftbild.

Erklärung

Die Fraktur entstand um 1500, als Kaiser Maximilian I. eine repräsentative Drucktype für seine Prachtwerke wünschte. Schriftkünstler wie Leonhard Wagner und der Schriftschneider Hieronymus Andreä entwickelten daraufhin eine Schrift, die gotische Tradition mit Renaissance-Eleganz verband. Charakteristisch sind die gebrochenen Bögen der Kleinbuchstaben, die schwungvollen Großbuchstaben mit ihren typischen Zierbögen sowie das spitze „f" und „s".

Über vier Jahrhunderte war die Fraktur die wichtigste Druckschrift des deutschsprachigen Raums, während in romanischen Ländern die Antiqua dominierte. Erst im 20. Jahrhundert wurde sie weitgehend von der Antiqua abgelöst; ein nationalsozialistischer Erlass von 1941 erklärte sie zudem zur „Schwabacher Judenlettern" und förderte den Wechsel zur Antiqua. Heute lebt die Fraktur in der Kalligrafie, in historisierenden Logos und in der Gestaltung fort.

Beispiele

  • Beispiel 1: Die Theuerdank-Type (1517), eine frühe Prachtfraktur Maximilians I.
  • Beispiel 2: Deutschsprachige Bücher und Zeitungen vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert.
  • Beispiel 3: Etiketten, Urkunden und Logos, die bewusst Tradition signalisieren.
  • Beispiel 4: Kalligrafische Übungsblätter mit den charakteristischen Zierbögen.
  • Beispiel 5: Brauerei- und Wirtshausschilder im historisierenden Frakturstil.

In der Praxis

Die Fraktur schreibt man mit der Breitfeder bei steilem Schreibwinkel von etwa 40 bis 45 Grad. Die Kleinbuchstaben zeigen gebrochene Bögen, die Großbuchstaben kunstvolle Schwünge. Wichtig sind ein gleichmäßiger Rhythmus und sauber gesetzte Brechungen. Beim Lesen alter Frakturtexte ist auf das „lange s" (ſ) und Ligaturen zu achten. Geeignet sind harte Breitfedern und glattes Papier. Anfänger/innen üben zuerst die gebrochenen Grundstriche der Minuskeln.

Vergleich & Abgrenzung

Die Fraktur wird oft mit der Schwabacher verwechselt. Beide sind gebrochene deutsche Schriften, doch die Schwabacher ist älter, runder und volkstümlicher, während die Fraktur feiner, schwungvoller und repräsentativer wirkt.

MerkmalFrakturSchwabacher
Entstehungum 1500spätes 15. Jh.
Charakterelegant, schwungvollrund, kräftig
VerwendungPrachtdrucke, Standardschriftfrühe Volksdrucke

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Fraktur und Textura? Die Textura ist die strenge, gerade gebrochene Buchschrift der Hochgotik. Die Fraktur entstand um 1500 und verbindet gebrochene Linien mit geschwungenen Bögen und Zierelementen.

Ist Fraktur dasselbe wie „deutsche Schrift"? Umgangssprachlich oft ja, doch „gebrochene Schrift" ist der Oberbegriff: Fraktur, Schwabacher, Textura und Rotunda sind verschiedene gebrochene Schriften.

Weiterführend

  • Bain, Peter; Shaw, Paul (1998): Blackletter: Type and National Identity. New York: Princeton Architectural Press.
  • Kapr, Albert (1993): Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Mainz: Hermann Schmidt.
  • Knight, Stan (1998): Historical Scripts. New Castle: Oak Knoll Press.
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