Bastarda ist eine gebrochene Gebrauchs- und Urkundenschrift des Spätmittelalters, die Merkmale der formalen Buchschrift mit denen der schnellen Kursive vermischt.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Bâtarde, gotische Bastardschrift, Littera Bastarda
Was ist die Bastarda?
Die Bastarda ist eine gebrochene Schrift, die im 14. und 15. Jahrhundert als Mischform zwischen der feierlichen Textura und der schnellen Kursivschrift entstand. Der Name (von „bastard", Mischling) verweist auf diese Vermischung formaler und kursiver Elemente.
Erklärung
Die Bastarda entwickelte sich, weil neben den prächtigen, langsam zu schreibenden Buchschriften ein zügiger schreibbares Alphabet für Urkunden, Verwaltung und volkssprachliche Literatur gebraucht wurde. Sie verbindet die gebrochenen Formen der gotischen Buchschrift mit Schwüngen, Schleifen und Unterlängen der Kursive – etwa beim charakteristischen langen „f" und „s" mit ausgezogenen Unterlängen oder beim geschwungenen „d".
Regional bildeten sich verschiedene Bastarda-Varianten heraus, etwa die burgundische Bâtarde am Hof der Herzöge von Burgund, die zu großer kalligrafischer Pracht gesteigert wurde. In Deutschland gingen aus den Bastarda-Schriften die Schwabacher und schließlich die Fraktur hervor. Damit ist die Bastarda ein wichtiges Bindeglied in der Entwicklung der gebrochenen Schriften und steht zwischen formaler Buchkunst und alltäglichem Schreibgebrauch.
Beispiele
- Beispiel 1: Burgundische Prachthandschriften der Bâtarde im 15. Jahrhundert.
- Beispiel 2: Spätmittelalterliche Urkunden und Verwaltungsschriften.
- Beispiel 3: Volkssprachliche Literaturhandschriften, etwa Chroniken und Romane.
- Beispiel 4: Schriftproben, die Misch-Merkmale aus Buchschrift und Kursive zeigen.
- Beispiel 5: Kalligrafische Studien zur Entwicklung hin zur Schwabacher.
In der Praxis
Die Bastarda schreibt man mit der Breitfeder bei mittlerem bis steilem Schreibwinkel von etwa 35 bis 45 Grad. Charakteristisch sind die spitz zulaufenden Unterlängen, die geschwungenen Schaftansätze und die Mischung aus gebrochenen und fließenden Formen. Sie war als Gebrauchsschrift auf zügiges Schreiben ausgelegt, weshalb sie weniger streng wirkt als die Textura. Geeignet sind flexible Breitfedern. Wer Bastarda übt, sollte gebrochene Buchschriften bereits kennen.
Vergleich & Abgrenzung
Die Bastarda wird oft mit der Textura verwechselt. Die Textura ist die strenge, formale Buchschrift; die Bastarda ist eine schneller schreibbare Gebrauchsschrift mit kursiven Elementen.
| Merkmal | Bastarda | Gotische Textura |
|---|---|---|
| Charakter | Gebrauchs-/Mischschrift | formale Buchschrift |
| Tempo | zügig schreibbar | langsam, präzise |
| Formen | gebrochen + kursiv | streng gebrochen |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Bastarda und Textura? Die Textura ist die strenge, formale gotische Buchschrift. Die Bastarda mischt gebrochene Buchschrift mit kursiven Elementen und war als schneller schreibbare Gebrauchsschrift gedacht.
Woher kommt der Name Bastarda? Vom Begriff für „Mischling" – die Schrift vereint Merkmale der formalen Buchschrift mit denen der schnellen Kursivschrift.
Weiterführend
- Bischoff, Bernhard (1979): Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters. Berlin: Erich Schmidt.
- Knight, Stan (1998): Historical Scripts. New Castle: Oak Knoll Press.
- Harris, David (2003): The Art of Calligraphy. London: Dorling Kindersley.

