Schwabacher ist eine runde, kräftige gebrochene Schrift des späten 15. Jahrhunderts, die als populäre deutsche Drucktype vor der Fraktur weit verbreitet war.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Schwabacher Schrift, gebrochene Volksschrift
Was ist die Schwabacher?
Die Schwabacher ist eine gebrochene Schrift mit runderen, kräftigeren Formen als die Fraktur. Sie entstand im späten 15. Jahrhundert und war zeitweise die meistverwendete deutsche Druckschrift, bevor die elegantere Fraktur sie ablöste.
Erklärung
Die Schwabacher verdankt ihren Namen vermutlich dem fränkischen Ort Schwabach, auch wenn die genaue Herkunft umstritten ist. Sie entwickelte sich aus den gebrochenen Bastarda-Schriften des Spätmittelalters und gewann mit dem aufkommenden Buchdruck rasch an Bedeutung. Charakteristisch sind die kräftigen, runderen Buchstabenformen, das markante „o" mit gebrochenen Außen- und runden Innenkonturen sowie die volkstümlich-zugängliche Anmutung.
Im 16. Jahrhundert war die Schwabacher die dominierende Drucktype für deutschsprachige Bücher, darunter auch frühe Drucke von Luthers Schriften. Erst im Lauf des 16. Jahrhunderts verdrängte die feinere Fraktur sie nach und nach aus dem Buchsatz. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie eine wichtige Brücke zwischen den mittelalterlichen Bastarda-Schriften und der späteren Fraktur bildet und früh eine breite Leserschaft erreichte.
Beispiele
- Beispiel 1: Frühe deutsche Drucke des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts.
- Beispiel 2: Erste Ausgaben reformatorischer Flugschriften in Schwabacher.
- Beispiel 3: Schriftproben, die den runderen Charakter gegenüber der Fraktur zeigen.
- Beispiel 4: Historisierende Etiketten und Wirtshausschilder.
- Beispiel 5: Kalligrafische Übungsblätter mit den kräftigen gebrochenen Formen.
In der Praxis
Die Schwabacher schreibt man mit der Breitfeder bei mittlerem Schreibwinkel von etwa 30 bis 40 Grad. Im Vergleich zur Fraktur sind die Formen runder und voller, die Großbuchstaben weniger verschnörkelt. Wichtig sind ein kräftiger, gleichmäßiger Strich und die charakteristischen gebrochenen Bögen. Die Schwabacher gilt als etwas zugänglicher als die Fraktur. Geeignet sind Breitfedern und glattes Papier. Beim Lesen ist auf das „lange s" und Ligaturen zu achten.
Vergleich & Abgrenzung
Die Schwabacher wird oft mit der Fraktur verwechselt. Beide sind gebrochene deutsche Schriften, doch die Schwabacher ist älter, runder und volkstümlicher, die Fraktur feiner und repräsentativer.
| Merkmal | Schwabacher | Fraktur |
|---|---|---|
| Entstehung | spätes 15. Jh. | um 1500 |
| Form | rund, kräftig | schlank, schwungvoll |
| Charakter | volkstümlich | repräsentativ |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Schwabacher und Fraktur? Die Schwabacher ist die ältere, rundere und volkstümlichere gebrochene Schrift. Die Fraktur entstand etwas später, ist feiner, schlanker und mit kunstvolleren Großbuchstaben versehen.
Wofür wurde die Schwabacher verwendet? Im 16. Jahrhundert war sie die wichtigste deutsche Drucktype, unter anderem für frühe reformatorische Schriften, bevor die Fraktur sie ablöste.
Weiterführend
- Bain, Peter; Shaw, Paul (1998): Blackletter: Type and National Identity. New York: Princeton Architectural Press.
- Kapr, Albert (1993): Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Mainz: Hermann Schmidt.
- Knight, Stan (1998): Historical Scripts. New Castle: Oak Knoll Press.

