← Zurück zu Mediendesign & Digitale Medien
EBU R 128 ist die Empfehlung der European Broadcasting Union zur Regulierung der wahrgenommenen Lautheit im Rundfunk. Der Zielpegel liegt bei -23 LUFS (Integrated Loudness), und das Standard ersetzt veraltete Pegelmaße durch eine an der menschlichen Wahrnehmung orientierte Messung.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: Broadcast & TV-Produktion · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Loudness Standard, LUFS, LKFS, ITU-R BS.1770, Lautheitsempfehlung

Was ist EBU R 128?

Wer früher beim Fernsehen zwischen Sender umschaltete, kannte das Problem: Werbespots waren deutlich lauter als das laufende Programm. Diese künstlich aufgepeitschte Lautheit (englisch: „Loudness War") störte Zuschauer und war technisch unnötig. Die EBU (European Broadcasting Union) reagierte 2010 mit der Empfehlung R 128 – einem Lautheitsstandard, der seither europaweit in allen öffentlich-rechtlichen Sendern verbindlich ist und in der EU durch die Richtlinie 2010/13/EU (AVMD) gestützt wird.

Erklärung

Das Problem vor EBU R 128

Das alte System basierte auf PPM (Peak Programme Meter) und VU-Metern – beide messen nur kurzfristige Signalspitzen. Produzenten lernten, Musik und Werbung so zu komprimieren und begrenzen, dass sie nahe an der technischen Maximallautstärke lagen, ohne die Peaks zu überschreiten. Das Ergebnis: Inhalte klangen subjektiv lauter, obwohl technisch alle Parameter erfüllt waren.

Die Lösung: LUFS und integrierte Lautheitsmessung

EBU R 128 basiert auf der ITU-R BS.1770-Messnorm, die Lautheit so berechnet, wie das menschliche Gehör sie wahrnimmt:

LUFS (Loudness Units relative to Full Scale):

  • LUFS-Werte sind analog zu dBFS, aber berücksichtigen Frequenzgewichtung (K-Filter nach ITU BS.1770)
  • Das menschliche Ohr ist empfindlicher für mittlere Frequenzen (1–4 kHz) als für Bass oder Hochton
  • Die Messung integriert Lautheit über Zeit

Drei Messgrößen nach EBU R 128:

MessgrößeAbkürzungMessfensterZweck
Momentary LoudnessM400 ms gleitendSofortanzeige
Short-Term LoudnessS3 Sek. gleitendKurzzeit-Monitoring
Integrated Loudness (Program Loudness)IGesamte DauerNormierungsziel

EBU R 128 Zielwerte:

ParameterWertEinheit
Integrated Loudness (Ziel)-23 LUFS±1 LU Toleranz
Maximum Short-Term Loudness-18 LUFSRichtwert
Maximum True Peak-1 dBTPAbsolutes Maximum
Loudness Range (LRA)5–15 LUEmpfehlung

True Peak (dBTP): True Peak misst den tatsächlichen analogen Spitzenwert nach der D/A-Konvertierung. Digitale Vollaussteuerung (0 dBFS) kann nach D/A-Wandlung durch „Intersample Peaks" überschritten werden. Deshalb ist -1 dBTP als Maximum für Broadcast definiert.

LRA (Loudness Range): LRA misst die dynamische Bandbreite – die Differenz zwischen leisesten und lautesten Passagen (ohne Stille). Nachrichtensendungen haben typisch 5–10 LU, Spielfilme 15–25 LU.

EBU R 128 in verschiedenen Medien

EBU R 128 wurde zur Basis für weltweite Standards:

StandardZielwertAnwendung
EBU R 128-23 LUFSEuropäischer Broadcast
ATSC A/85-24 LKFSUS-amerikanisches TV
AES TD1004-24 LUFSStreaming (Amazon, Tidal)
Spotify-14 LUFSMusik-Streaming
YouTube-14 LUFSOnline-Video

Achtung: Für Streaming-Plattformen wie YouTube oder Spotify gelten andere Zielwerte als für Broadcast!

EBU R 128 in der Praxis: Loudness Metering Tools

Ohne geeignete Messtechnik lässt sich EBU R 128 nicht einhalten. Gängige Tools:

Standalone-Geräte:

  • Orban Loudness Meter: Hardwaregerät für Broadcast-Monitoring
  • Wohler Technologies AMP1-X: Für Regie und Playout

Software-Plug-ins:

  • Nugen Audio VisLM: Professionelles Lautheits-Metering-Plug-in
  • iZotope Insight 2: Umfangreiches Audio-Metering
  • Waves WLM Plus: Günstiger Einstieg
  • Youlean Loudness Meter: Kostenlose, zuverlässige Option für Einsteiger
  • FFMPEG / ffmpeg-loudnorm: Befehlszeilen-Lautheits-Normalisierung

In DAWs: Adobe Audition, Logic Pro, Nuendo, Pro Tools integrieren Lautheits-Metering nativ oder über Plug-ins.

Workflow für EBU R 128-konforme Produktion

Schritt 1 – Mischung: Ton normaler Lautstärke abmischen, ohne übermäßige Kompression oder Limiting.

Schritt 2 – Messung: Integrated Loudness des gesamten Programms messen. Ist der Wert zu laut (z. B. -20 LUFS), muss der Mix insgesamt abgesenkt werden. Zu leise (-26 LUFS) – anheben.

Schritt 3 – True Peak prüfen: Sicherstellen, dass kein True Peak -1 dBTP überschreitet. Limitierung nur falls nötig.

Schritt 4 – Loudness-Report erstellen: Für Lieferungen an ARD/ZDF wird ein EBU Tech 3342-konformer Loudness-Report als XML-Datei erwartet.

Beispiele

Tagesschau: Nachrichtensendungen sind typisch auf -23 LUFS normiert mit einer LRA von ca. 6–8 LU. Der Sprachanteil dominiert, es gibt wenig Dynamik-Schwankungen.

Spielfilm ARD: Ein Spielfilm hat LRA von 18–22 LU – leise Dialoge und laute Actionszenen wechseln sich ab. Der Integrated-Wert liegt trotzdem bei -23 LUFS.

Werbung: Werbeunterbrechungen im TV müssen seit der Einführung von EBU R 128 denselben Lautheitswert haben wie das umgebende Programm – das frühere „laute Werbung"-Phänomen wurde damit effektiv beseitigt.

In der Praxis

Für Tonmeister und Cutter ist EBU R 128 tägliche Arbeitsgrundlage. Wer Material an öffentlich-rechtliche Sender liefert, muss Loudness-Compliance sicherstellen. Automated Quality Control (AQC)-Systeme (ARD/ZDF Produktionsstandards und Lieferformate) prüfen automatisch, ob Lieferungen konform sind.

Häufige Fehlerquellen:

  • Mischung mit altem PPM-basierten Workflow – zu laute Endmischung
  • True Peak nicht beachtet – Distortion nach D/A-Wandlung
  • LRA zu hoch (sehr laute Explosionen in Filmen) – akzeptabel, wenn Integrated-Wert stimmt

Vergleich & Abgrenzung

MesssystemEBU R 128PPMVU-Meter
MisstWahrnehmungslautheitKurzfristige PeaksMittlerer Pegel
FensterGesamte Dauer~10 ms~300 ms
Broadcast-StandardJaErgänzendNein (veraltet)
WahrnehmungsbasiertJaNeinTeilweise

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen LUFS und LKFS? Technisch identisch – LKFS (Loudness, K-weighted, relative to Full Scale) ist die Bezeichnung der ITU, LUFS die der EBU. Beide bezeichnen dieselbe Messgröße.

Gilt EBU R 128 auch für Online-Videos? Nein – für YouTube und Streaming gelten andere Werte (meist -14 LUFS). Wer Material für Broadcast UND Online produziert, muss zwei verschiedene Lautheitsnormen kennen.

Kann Lautheits-Normalisierung die Mischqualität verschlechtern? Zu starkes automatisches Limiting schadet der Dynamik. Beste Praxis: Direkt auf -23 LUFS mischen, nicht im Nachhinein stark limiten.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • EBU (2020). EBU R 128: Loudness Normalisation and Permitted Maximum Level of Audio Signals. Geneva: EBU.
  • EBU (2016). EBU Tech 3341: Loudness Metering EBU Mode. Geneva: EBU.
  • Katz, B. (2015). Mastering Audio: The Art and the Science (3. Aufl.). Focal Press.
← Zurück zu Mediendesign & Digitale Medien
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar