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ARD und ZDF unterhalten detaillierte technische Liefervorschriften, die alle Aspekte einer TV-Produktion regeln – von der Bildauflösung über den Tonlautstärkestandard bis zur Metadatenstruktur in Mediendateien.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: Broadcast & TV-Produktion · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: ARD-Liefervorschriften, ZDF-Technische Richtlinien, ÖR-Produktionsstandards

Was sind ARD/ZDF Produktionsstandards?

ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) und ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) sind die größten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands. Als Auftraggeber für zahlreiche externe Produktionsfirmen, Dokumentationsfilmer und freie Journalisten definieren sie technische Mindeststandards, die jede angelieferte Produktion erfüllen muss. Ohne Kenntnis dieser Normen kann produziertes Material abgelehnt werden.

Erklärung

Basisformat: HD-Produktion

Aktueller Mindeststandard für Lieferungen an ARD und ZDF:

Bild:

  • Auflösung: Full HD (1920×1080 Pixel)
  • Bildrate: 25 fps progressiv (1080p/25) oder 50i (1080i/50)
  • Farbtiefe: 8-bit (Standard), 10-bit für HDR-Produktionen
  • Farbraum: Rec. 709 (BT.709) für SD/HD; Rec. 2020 für UHD/HDR
  • Seitenverhältnis: 16:9 (zwingend für alle HD-Produktionen)
  • Schwarzwert und Pegel: Luma-Pegel 64–940 (10-bit) bzw. 16–235 (8-bit, ITU-R BT.601/709)

HDR (High Dynamic Range): Zunehmend fordern ARD und ZDF HDR-Lieferungen. Der bevorzugte Standard in Europa ist HLG (Hybrid Log-Gamma), da er rückwärtskompatibel zu SDR-Displays ist. ARD HD+ nutzt bereits HLG für ausgewählte Inhalte.

Ton-Standard: EBU R 128

Der wichtigste Ton-Standard für ARD und ZDF ist EBU R 128 (EBU R 128: Lautheitsstandard im Broadcast):

  • Integrated Loudness: -23 LUFS (Loudness Units Full Scale)
  • Short-Term Loudness: max. -18 LUFS
  • True Peak: max. -1 dBTP
  • Loudness Range (LRA): Empfohlen 5–15 LU für Nachrichten, höher für Film/Drama

Produktionen, die diese Werte nicht einhalten, werden zurückgewiesen. Tonmixer müssen vor der Auslieferung ein Lautheits-Protokoll (EBU Tech 3342) beilegen.

Dateiformat und Container

MXF (Material Exchange Format) ist das bevorzugte Containerformat für ARD und ZDF. MXF ist ein SMPTE-Standard (SMPTE ST 377) für professionellen Medienaustausch.

Video-Codecs:

  • XDCAM HD422 (MPEG-2 4:2:2, 50 Mbit/s): Weit verbreitetes Lieferformat für HD
  • AVC-Intra 100 (H.264, 100 Mbit/s): Qualitativ hochwertiger
  • DNxHD / DNxHR: Von Avid-Systemen bevorzugt
  • ProRes 422 HQ: Bei Apple-basierter Infrastruktur
  • XAVC (Sony): In modernen HD- und 4K-Workflows

Audio in MXF:

  • Mindestens Stereo (2 Kanal: Links/Rechts)
  • Für 5.1-Surround: 6 Kanäle (L/R/C/LFE/Ls/Rs) gemäß EBU Tech 3276
  • Bittiefe: 24-bit
  • Abtastrate: 48 kHz

Metadaten-Anforderungen

ARD und ZDF verlangen standardisierte Metadaten in den gelieferten Dateien:

  • Sendungstitel und Episodentitel
  • Produktionsnummer
  • Erstsendedatum
  • Sprache(n) (insbesondere für mehrsprachige Produktionen)
  • EBU Core Metadata Set: EBU Tech 3293 definiert das Metadatenschema
  • Closed Captions / Untertitel: Für barrierefreie Inhalte (Pflicht für einen bestimmten Prozentsatz des Programms)

AS-11 und IMF

Für hochwertige Langzeit-Archivierung und internationale Koproduktionen werden AS-11 (AMWA Application Specification, DPP-konform) und IMF (Interoperable Master Format) eingesetzt.

ARD und ZDF nehmen an der DPP (Digital Production Partnership)-Initiative teil und akzeptieren DPP-konforme Lieferungen (DPP und IMF: Broadcast-Lieferformate).

Qualitätskontrolle (QC)

Jede angelieferte Produktion durchläuft eine Qualitätskontrolle (QC):

Technische QC-Punkte:

  • Bildpegel und Farbwerte
  • Lautheits-Compliance (EBU R 128)
  • Timecode-Kontinuität (Timecode in der Broadcast-Produktion)
  • Metadaten-Vollständigkeit
  • Bilddefekte (Dropout, Freeze Frame, Schlieren)
  • Audioprobleme (Clipping, Rauschen, Phasenprobleme)
  • Untertitel-Timing

QC-Software: Venera Pulsar, Tektronix Aurora, Interra Orion sind in deutschen Sendern im Einsatz.

ARD Media Asset Management (MAM)

ARD und ZDF betreiben zentrale Media Asset Management (MAM)-Systeme, in die angelieferte Produktionen eingespielt werden. Für die ARD ist das „FIMS" (Framework for Interoperable Media Services) relevant. Bei ZDF arbeitet man mit einem SAP-basierten MAM-System.

Beispiele

Externe Dokumentarfilm-Produktion: Eine Berliner Produktionsfirma liefert eine Doku ans ZDF. Sie muss 1080p/25, MXF-Container, XDCAM HD422-Codec, EBU R 128-konforme Tonspur (-23 LUFS), vollständige EBU Core-Metadaten und 25fps-Timecode ohne Lücken liefern. Dazu eine QC-Report-Datei von einem anerkannten QC-System.

Nachrichtenbeitrag ENG: Ein Kameramann liefert XDCAM-Dateien vom Sony PXW-X400, die direkt im ARD-MAM-System ingested werden. Der Redakteur schneidet in der AVID-Umgebung, der Cutter liefert den fertigen Beitrag als MXF-Datei an den Sendeplatz.

In der Praxis

Produktionsfirmen, die regelmäßig für ARD und ZDF arbeiten, haben eigene Delivery-Spezialisten oder nutzen Dienstleister für die technische Aufbereitung. Die Anforderungen ändern sich mit neuen Technologien: UHD, HDR und höhere Bildraten erfordern regelmäßige Aktualisierungen der Liefervorschriften.

Wichtige Dokument-Quellen:

  • ARD-Technische Richtlinien: verfügbar über die ARD-Programmdirektion
  • ZDF-Technische Richtlinien für externe Lieferanten (intern verfügbar bei Vertragspartnern)
  • EBU Tech-Dokumente: ebu.ch/technical

Vergleich & Abgrenzung

SenderPrimäres LieferformatTon-NormBesonderheit
ARDMXF/XDCAM HD422EBU R 128Föderale Struktur (9 Anstalten)
ZDFMXF/AVC-IntraEBU R 128Zentralisierter
RTLMXF (intern)EBU R 128Private Produktionskette
NetflixIMF-PaketNetflix-Loudness-SpecEigene Normen

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich als freier Journalist die ARD-Liefervorschriften kennen? Ja – wenn Sie Material an ARD-Sender verkaufen wollen, ist Grundkenntnis der technischen Anforderungen essenziell. Andernfalls riskieren Sie Rückweisung.

Werden UHD-Lieferungen bereits akzeptiert? Ja – zunehmend. ARD und ZDF haben UHD/HDR-Workflows für ausgewählte Produktionen eingeführt. Die genauen Spezifikationen sind bei den Redaktionen zu erfragen.

Was kostet eine technische QC durch einen Dienstleister? Je nach Länge und Komplexität 200–1.000 € pro Stunde Programm. Einige Produktionsfirmen investieren in eigene QC-Lizenzen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • EBU (2020). EBU Tech 3293: EBU Core Metadata Schema. Geneva: EBU.
  • ARD (2023). Technische Liefervorschriften für externe Produktionen. München: ARD-Programmdirektion.
  • AMWA (2016). AS-11 DPP HD Shim Specification. Advanced Media Workflow Association.
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