Diwani ist eine schwungvolle, dicht verschlungene Kanzleischrift der arabischen Kalligrafie, die am osmanischen Hof für Urkunden und Erlasse entwickelt wurde und durch ansteigende, eng verzahnte Zeilen gekennzeichnet ist.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Nicht-lateinische Schriften · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Divani, Dīwānī, osmanische Kanzleischrift
Was ist Diwani?
Diwani ist ein arabischer Kalligrafie-Stil, der im 15. und 16. Jahrhundert am osmanischen Hof (im „Diwan", der Staatskanzlei) entstand. Die Diwani-Schrift ist stark geschwungen, mit eng ineinandergreifenden Buchstaben und ansteigender Grundlinie, was sie repräsentativ und zugleich schwer fälschbar machte.
Erklärung
Der Name Diwani leitet sich vom osmanischen Staatsrat (Diwan) ab, in dem die Schrift für Dekrete und offizielle Schriftstücke verwendet wurde. Charakteristisch sind die fließenden, oft nach oben rechts steigenden Zeilen und die enge Verzahnung der Buchstaben ohne Vokalzeichen im Schriftbild. Eine besonders prachtvolle, mit Punkten und Ornamenten gefüllte Variante ist das „Diwani Dschali", das für die feierlichsten Urkunden reserviert war.
Diwani entwickelte sich aus persischen Vorbildern und steht stilistisch in der Nähe des hängenden Nastaliq. Im Unterschied zum klar strukturierten Thuluth ist Diwani bewusst dicht und schwer lesbar gehalten — das erschwerte Fälschungen offizieller Dokumente. Diwani gehört nicht zu den klassischen sechs Schriften, ist aber eine der wichtigsten Hofschriften der arabischen Kalligrafie und prägte die osmanische Verwaltungskultur über Jahrhunderte.
Beispiele
- Beispiel 1: Osmanische Fermane (Sultanserlasse) in steigender Diwani-Schrift.
- Beispiel 2: Diplomatische Urkunden und Verträge des osmanischen Hofes.
- Beispiel 3: Prachtvolle Diwani-Dschali-Kompositionen mit Ornamentfüllung.
- Beispiel 4: Moderne Logo- und Wortmarken, die den Diwani-Schwung aufgreifen.
- Beispiel 5: Kalligrafische Kunstwerke, die Diwani als dekoratives Band einsetzen.
In der Praxis
Diwani gilt als Profi-Stil, weil das gleichmäßige Ansteigen der Zeile und die enge Verflechtung der Buchstaben viel Übung verlangen. Geschrieben wird mit einem flexiblen, fein geschnittenen Qalam. In Gestaltung und Branding wird Diwani heute gern für edle, orientalisch anmutende Schriftzüge eingesetzt; wegen der geringen Lesbarkeit eignet es sich nicht für Fließtext.
Vergleich & Abgrenzung
Diwani wird gelegentlich mit Nastaliq verwechselt, da beide stark geschwungen sind.
| Merkmal | Diwani | Nastaliq |
|---|---|---|
| Herkunft | osmanischer Hof | persischer Raum |
| Zeilenführung | ansteigend, dicht | hängend, nach unten |
| Hauptzweck | Urkunden, Kanzlei | Dichtung, Literatur |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Diwani und Thuluth? Thuluth ist groß, klar gegliedert und gut lesbar, während Diwani bewusst dicht verschlungen und schwer lesbar gehalten ist, um amtliche Dokumente fälschungssicher zu machen.
Wofür wurde Diwani ursprünglich verwendet? Diwani war die Kanzleischrift des osmanischen Staatsrats und diente für Erlasse, Urkunden und diplomatische Schriftstücke.
Weiterführend
- Schimmel, Annemarie (1990): Calligraphy and Islamic Culture. New York University Press.
- Blair, Sheila S. (2006): Islamic Calligraphy. Edinburgh University Press.
- Safadi, Yasin Hamid (1978): Islamic Calligraphy. Thames & Hudson.

